Erpressung
Mit Messer Geld fürs Essen erpresst
Wenn er Hunger hat, setzt der eh schon geringe Verstand eines Mannes aus. Einen Mitbewohner hat er mit dem Messer in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings hält ihn der Mitbewohner unter dem Strich für einen netten Kerl. In die Psychiatrie muss ...
Wenn er Hunger hat, setzt der eh schon geringe Verstand eines Mannes aus. Einen Mitbewohner hat er mit dem Messer in Angst und Schrecken versetzt. Allerdings hält ihn der Mitbewohner unter dem Strich für einen netten Kerl. In die Psychiatrie muss der Mann nicht, das Landgericht allerdings verhängte eine Bewährungsstrafe über 9 Monate.
Foto: Adobe Stock
F-Signet von Martin Schweiger Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Schwere räuberische Erpressung: 40-Jähriger kommt mit Bewährungsstrafe davon. Muss der Mann in die Psychiatrie?

Wenn ein 40-jähriger Arbeiter aus dem nördlichen Landkreis satt ist, dann ist er ein ruhiger, höflicher und zuvorkommender Mensch. Wenn er Hunger hat, kann sich sein Gemütszustand ändern. An einem Abend im Juli 2021 hatte er Hunger – und kein Geld mehr, um sich Lebensmittel zu kaufen. So forderte er mit einem Küchenmesser bewaffnet, einen Mitbewohner in der Gemeinschaftsunterkunft, in der beide wohnen, auf, ihm 15 Euro zu geben. Andernfalls drohte er damit, ihn abzustechen.

Anzeige erstattet

Der Bedrohte gab das Geld heraus, erstattete aber danach Anzeige. Nun verurteilte das Landgericht in Bamberg den 40-Jährigen wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe. Als Auflage muss er unter anderem 500 Euro an eine gemeinnützige Organisation bezahlen.

Der Angeklagte ist reuig

„Es war blöd von mir“, räumte der unter Betreuung stehende, stark übergewichtige Angeklagte auf der Anklagebank ein. Das Geld habe er sofort für Essen ausgegeben. Er hätte nichts gemacht, falls er das Geld nicht erhalten hätte, beteuerte er.

„Ich dachte, der macht ernst“

Der 36-jährige Geschädigte gab im Zeugenstand an, er habe Angst gehabt, als ihn der andere mit dem Messer bedroht. „Er war nervös und aufgeregt. Ich dachte, der macht ernst“, sagte er dem Gericht. Zwei Wochen nach dem Vorfall sei er erneut von dem Angeklagten erpresst worden. Diesmal solle er ihm zehn Euro geben.

„Er ist ein feiner Kerl“

Andernfalls würde er seine Lieblingstasse mit Motiven seiner Hunde zertrümmern. Er sei auch schon von ihm beschimpft und beleidigt worden. Wenn er etwas gegessen habe, gehe es wieder. „Ich mag ihn als Freund. Er ist ein feiner Kerl“, sagte der Mitbewohner.

Er hat einfach zu wenig Geld

Die Einrichtungsleitern sagte vor Gericht, dass der Bezirk Unterfranken einen gewissen Essenssatz zur Verfügung stelle. Dieser liege bei 3,86 Euro pro Person und Tag. Dies reiche dem stets hungrigen Angeklagten nicht aus. Die Betreuerin des Angeklagten sagte, dass ihr Mandant sein monatliches Taschengeld von 125 Euro für Lebensmittel ausgebe.

Der Fall wurde vom Amtsgericht in Haßfurt verhandelt, jedoch an das Landgericht verwiesen, da eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus im Raum stand. Dies bleibt dem Angeklagten erspart.

Ein psychiatrischer Gutachter sagte, er sehe keine wahnhaften oder psychotischen Symptome bei dem Mann. Psychotherapie sei nicht möglich, da ihm wegen Intelligenzminderung die „kognitive Basis“ fehle.

Die Staatsanwältin verwies darauf, dass eine schwere räuberische Erpressung ein Verbrechen sei, das mit einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren aufwärts bestraft werde. Hier liege jedoch ein minder schwerer Fall vor, da der Angeklagte geständig und reuig war und nicht vorbestraft ist. Sie forderte eine einjährige Bewährungsstrafe plus 1500 Euro Geldauflage.

Pflichtverteidiger Jens Fichtner erachtetet acht Monate Bewährungsstrafe sowie 1000 Euro Geldauflage für ausreichend. Die Strafkammer blieb in der Mitte bei einer Geldauflage von 500 Euro. Der Verurteilte muss die Gerichtskosten mit den Kosten für den Gutachter tragen. Vorsitzender Richter Ralph Zenner sieht den Verurteilten als nicht gefährlich an. Der 40-Jährige nahm das Urteil an.

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