Die Haßfurt Hawks teilten die Nachricht von seinem Tod in den sozialen Medien. „Der ESC Haßfurt trauert um seinen ehemaligen Spieler und Publikumsliebling des ERC Haßfurt Tadd Tuomie, der vor wenigen Tagen im Alter von 62 Jahren plötzlich und unerwartet verstorben ist.“ Und weiter: „Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten seiner Familie in den USA sowie seinem Bruder Tray Tuomie und seinem Neffen Parker Tuomie, die beide ebenfalls für den ERC Haßfurt auf dem Eis standen. Der ESC Haßfurt wird Tadd Tuomie stets ein ehrendes Andenken bewahren.“
Viele Eishockeyfans und Wegbegleiter nahmen Anteil. Ein Nutzer schreibt: „Mit die schönste Zeit im Haßfurter Eishockey. Unvergessen mit wie viel Energie Tadd Eishockeygespielt hat.“ Eine andere Nutzerin kommentiert: „Mir fehlen auch nach zwei Tagen die richtigen Worte. Ein so herzlicher Familienmensch und leidenschaftlicher Eishockeyspieler. Mein aufrichtiges Beileid an Jodi (Ehefrau, Anm. d. Red.) und die ganze Familie Tuomie.“ Ein ehemaliger Weggefährte sagt uns: „Er war ein ganz toller Mensch.“
Tadd Tuomie hat Haßfurt geliebt
Worte, die auch Tadds Bruder berühren. „Tadd könnte das nur zurückgeben. Er hat Haßfurt immer geliebt. Und so viele Menschen dort haben sein Leben geprägt“, sagt Tray Tuomie am Telefon. „Tadd hatte ein riesengroßes Herz. Ihm war wichtig, dass es anderen Leuten gut geht. Er war immer für alle da, war voll positiver Energie. Er hat Leute motiviert, war freundlich und sanftmütig.“
Tadd Tuomie wurde am 24. Januar 1964 in Minneapolis, im US-Bundestaat Minnesota, geboren. Die Region gilt als eishockeyverliebt. Schon der Vater war Goalie und so war es selbstverständlich, dass auch Tadd und Tray früh auf dem Eis standen. Nach Stationen in den USA kam Tadd 1988 nach Deutschland und streifte sich das Trikot des damals noch ERC genannten Haßfurter Eishockeyverein über. Er blieb bis zur Saison 1992/1993 und feierte einige Erfolge – auch an der Seite seines Bruders Tray. „Er war vier Jahre älter als ich. Wir hatten nie gemeinsam in einer Mannschaft gespielt. Deswegen bin ich so glücklich, dass er mich nach Haßfurt geholt hat“, sagt Tray.
Gemeinsam wurden sie 1992 bayerischer Vizemeister. Im Finale gegen den mit Sondergenehmigung in der Bayernliga spielenden ECT Crimmitschau stand der Name Tuomie häufiger in der Scorerliste. Der FT schrieb damals: „In der 24. Minute stand die Eishalle Kopf. Nach zwei vergeblichen Anläufen innerhalb kürzester Zeit war es Tadd Tuomie, der auf Vorlage seines Bruders Tray den Puck mit einem trockenen und harten Schlagschuss aus zehn Metern wie einen Strich zum erneuten Führungstreffer ins Tor drosch.“ Erst im Penaltyschießen gewannen die Sachsen vor rund 6000 Zuschauern.
Tray hat seinen Bruder auch in der Funktion als seinen Coach wahrgenommen. Heute sagt er: „Ich hatte in meiner Laufbahn viele Trainer. Aber Tadd war einfach unglaublich. Es war seine Liebe zum Eishockey. Alle sind immer sehr gerne gekommen. Er hat seinen Spielern viel Vertrauen geschenkt.“
Gemeinsame Erfolge mit dem ERC Haßfurt
Zwischenzeitlich übte Tadd in Haßfurt drei Funktionen gleichzeitig aus: Spieler, Trainer und Vereinsvorsitzender. Noch vor dem Start der Regionalliga-Saison 1992/1993 (Haßfurt war aufgestiegen) zog er sich als Vorsitzender zurück, im Oktober 1992 war dann wegen einer Ergebnismisere Schluss mit dem Trainerjob – nicht aber mit dem Spielerdasein.
Am Tag seiner Entlassung als Coach sagte er dem Fränkischen Tag: „Mein Bruder Tray und ich geben weiterhin alles für die Mannschaft, solange wir noch gebraucht werden. Tray hat einen Vertrag mit dem Verein, ich nicht. Ich weiß aber zurzeit nicht, ob man uns noch haben möchte.“ Sie bleiben noch eine Weile, spielten später beide beim ERV Schweinfurt an. Danach zog es Tadd wieder in die Vereinigten Staaten.
Das Kapitel Haßfurt war für ihn damit aber keineswegs beendet. Seitens des ESC Haßfurt gab es die Idee einer sportlichen Rückkehr an alte Wirkungsstätte. „Vor etwa einem Jahr haben wir den Kontakt intensiviert“, sagt Hawks-Sportvorstand Frank Terhar. Er wollte Tadd Tuomie beispielsweise als Manager zurück nach Unterfranken holen. „Er hat nie zugesagt – aber auch nie abgesagt.“
Ab und an kehrte Tadd in die alte Heimat zurück, auch zusammen mit Bruder Tray, dessen Schwiegereltern noch dort leben. Zuletzt war Tadd Ende des vergangenen Jahres in Deutschland, hat sich mit seinem Neffen Parker in Köln, in Haßfurt mit alten Weggefährten getroffen. Tray war zu der Zeit Trainer beim Villacher SV. „An dem Tag, als ich in Villach entlassen worden bin, wollte er eigentlich zu mir kommen. Stattdessen haben wir dann noch eine Woche zusammen in Haßfurt verbracht“, sagt Tray. „Wir waren auch zusammen auf dem Weihnachtsmarkt. Dort ist unser letztes gemeinsames Foto entstanden. Ausgerechnet mit zwei Engelsflügeln.“
Vor wenigen Tagen hatte Tadd Tuomie bei einer Autofahrt einen Herzinfarkt erlitten und war so in einen Unfall verwickelt worden. Er lag mehrere Tage im Krankenhaus. Sein Gehirn hatte vom Unfall irreparable Schäden davongetragen, sagt Tray.
Tadd Tuomie starb im Alter von 62 Jahren. „Ein Trost ist: Er war Organspender. So konnte er noch drei bis vier Menschen das Leben retten“, sagt Tray. Dann bricht ihm die Stimme weg. Später betont er: „Tadd war ein großartiger Onkel, ein großartiger Bruder. Ein großartiger Mensch.“













