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Flusswärme
Haßfurt fischt die Wärme aus dem Main
Die Lage am Main ist nicht nur idyllisch, sondern könnte Haßfurt auch energetisch voran bringen.
Die Lage am Main ist nicht nur idyllisch, sondern könnte Haßfurt auch energetisch voran bringen. // Günter Flegel
Energie
Haßfurt – Der Klimawandel und Abwässer heizen dem Fluss ein. Da könnte Haßfurt gleich zweifach punkten: Die Flusswärmepumpe kühlt hier und heizt dort.

Im verrückten Wetter-Jahr 2022 hätte auch der Main beinahe Geschichte geschrieben: Heiße Luft und ein Rekord bei den Sonnenstunden heizten dem Fluss ein, dessen Temperatur tagelang über 25 Grad stieg – zeitweise nahe dran am Allzeit-Hoch aus dem Jahr 2019 mit 28,8 Grad, die an der Messstation des Landesamtes für Umwelt bei Würzburg registriert worden waren.

Den Main kühlen?

Der Gedanke, den Main zu kühlen, ist also gar nicht so weit hergeholt, zumal auch Industriebetriebe und Kläranlagen den Fluss mit ihrer Abwärme belasten. Der „Kühlschrank“ für den Main, den das Stadtwerk in Haßfurt im Sinn hat, soll aber vor allem in die andere Richtung wirken: „Wir arbeiten an einem Konzept für eine Flusswärmepumpe, mit der wir die ganze Altstadt beheizen könnten“, erklärt Norbert Zösch.

Der Wärmebedarf ist enorm

Der Geschäftsführer des Stadtwerks hat mit zahlreichen innovativen Konzepten Haßfurt zu so etwas wie einer Pilgerstätte für die Technik gemacht, die die erfolgreiche Umsetzung der Energiewende ermöglicht. Nach dem Strom, den das Stadtwerk bereits „100 Prozent erneuerbar“ erzeugt, nimmt sich der Pionier jetzt den Wärmesektor vor.

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„Bei der Heizung haben wir das größte Potenzial, fossile Brennstoffe einzusparen und damit den Ausstoß von Kohlendioxid und Schadstoffen zu reduzieren“, sagt Zösch. Die Zahlen sprechen für sich: In Bayern ist der Wärmebedarf mit 210 Milliarden Kilowattstunden etwa doppelt so groß wie der Stromverbrauch; für warme Wohnungen und Prozesswärme der Industrie werden zu drei Vierteln fossile Energieträger verfeuert, vorneweg Erdgas.

Dafür Ersatz zu schaffen, war schon immer ein wichtiger Aspekt der Energiewende – und der ist angesichts der Energiekrise wichtiger denn je.

Der Einfallsreichtum, wie ihn unter anderem Haßfurt an den Tag legt, zahlt sich aus, weil Investitionen in neue (und teure) Technik sich durch die gestiegenen Energiepreise lohnen. Das ist kein Trost für alle, die überlegen müssen, wie warm die Wohnung sein darf. Auf der anderen Seite profitieren bereits heute die Bürger, die sich an Nahwärmenetzen beteiligt haben – ein Beispiel ist das Hackschnitzelheizwerk der Stadt Eltmann.

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Je näher desto besser

Nahwärme ist Zöschs Plan für Haßfurt, und in diesem Fall drängt sich das Sprichwort auf: Haßfurt ist nahe am Wasser gebaut. Und Wasser hat eine hohe Wärmekapazität. Zwar nutzen 25 Grad im Sommer nicht viel, weil dann kaum Wärme zum Heizen gebraucht wird. Andererseits dauert es im Winter sehr lange, bis das Wasser wirklich kalt ist.

„Die tiefsten Temperaturen werden da erst im Januar oder Februar erreicht“, sagt Zösch. Eine Wärmepumpe und Wärmetauscher nach dem „umgekehrten Kühlschrankprinzip“ würde wohl sogar bei einstelligen Wassertemperaturen noch effektiv arbeiten. Die Stromversorgung für die Wärmepumpe wäre nach dem Konzept des Stadtwerks mit Windkraft und Solarenergie zu machen.

Erst einmal viel Geld

Das Stadtwerk hat beim Institut für Energietechnik an der Technischen Hochschule Amberg-Weiden eine Studie in Auftrag gegeben, um die Machbarkeit der „Flussheizung“ zu untersuchen.

Klar ist: Um Haßfurt mit Mainwasser zu heizen, ist eine Millioneninvestition erforderlich.

Neben dem „Kraftwerk“ an sich, das im Bereich der Mainmühle untergebracht werden könnte, geht das Nahwärmenetz ins Geld – die Anwesen in der Altstadt müssten mit isolierten Leitungen erschlossen werden. „Das macht Sinn, wenn ohnehin Arbeiten im Untergrund anstehen“, sagt Zösch.

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