Wirtschaft
Er brummt, der Arbeitsmarkt in den Haßbergen
Es gibt viel zu tun. Viele Betriebe im Landkreis Haßberge suchen Fachkräfte und Personal. Die Arbeitslosenquote ist niedrig. Davon berichtete der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt am Dienstag.
Es gibt viel zu tun. Viele Betriebe im Landkreis Haßberge suchen Fachkräfte und Personal. Die Arbeitslosenquote ist niedrig. Davon berichtete der Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt am Dienstag.
Symbolbild: Jan Woitas, dpa
F-Signet von Christian Licha Fränkischer Tag
LKR Haßberge – Läuft wie geschmiert: Der Arbeitsmarkt im Landkreis Haßberge ist auf einem Höhenflug trotz Ukrainekrieg, Lieferengpässen und Energiekrise. Ein ausführlicher Überblick.

Erfreuliche Nachrichten über das Geschehen auf dem Arbeitsmarkt hatte Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, am Dienstag bei einer Pressekonferenz zu verkünden: „Der Arbeitsmarkt in der Region Main-Rhön 2022 verzeichnete historische Rekordwerte. Das war angesichts vielfältiger Herausforderungen im Jahr 2022 nicht zu erwarten gewesen.“

Der Arbeitsmarkt habe sich weiter von den Auswirkungen der Corona-Pandemie erholt und eile von Monat zu Monat zu neuen Rekordwerten, obwohl die anhaltenden Lieferengpässe, der Ukrainekrieg und in Folge die Energiekrise die heimische Wirtschaft auf eine Belastungsprobe stellten.

Die Arbeitslosenquote lag im Jahresdurchschnitt bei nur 3,2 Prozent

Die jahresdurchschnittliche Arbeitslosenquote in der Region Main-Rhön lag bei 3,2 Prozent. Damit liegt der heimische Bezirk der Agentur für Arbeit nahezu gleichauf mit der durchschnittlichen Arbeitslosenquote für ganz Bayern, die 3,1 Prozent ausmacht. Der Bundesdurchschnitt liege bei 5,3 Prozent.

Die Zahlen innerhalb des Schweinfurter Bezirks teilen sich wie folgt auf: Landkreis Schweinfurt 2,6 Prozent, Landkreis Haßberge 2,7 Prozent, Landkreis Rhön-Grabfeld 2,7 Prozent, Landkreis Bad Kissingen 3,0 Prozent und Stadt Schweinfurt 6,2 Prozent.

Betriebe in den Haßbergen machen kaum noch Kurzarbeit

Die Kurzarbeit hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich abgenommen. Waren im Zeitraum Januar bis August 2022 lediglich rund 16.700 Personen von Kurzarbeit betroffen, so waren es 2021, im gleichen Zeitraum, mit 85.000 Personen deutlich mehr. „In 2022 waren nach Betriebsgröße die Kleinstbetriebe (bis 19 Beschäftigte) mit rund 84 Prozent am stärksten von Kurzarbeit betroffen. Damit hilft das Instrument Kurzarbeit insbesondere den Kleinstbetrieben, eine schwierige wirtschaftliche Situation zu überbrücken“, teilte Stelzer mit.

Allzeithoch im Bereich Haßberge bei der Zahl der Erwerbstätigen

Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichte mit 179.176 Personen ein Allzeithoch. Starke Zuwächse in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, im Vergleich zum Vorjahr, hatten insbesondere die Bereiche der technischen und wissenschaftlichen Dienstleistungen (plus 338 Personen), die öffentliche Verwaltung (plus 321 Personen) sowie das Verarbeitende Gewerbe (plus 253 Personen) zu verzeichnen.

Viele offene Stellen und eine nie da gewesene Nachfrage nach Arbeitskräften

Auch beim Bestand der offenen Stellen verzeichnete die Agentur für Arbeit Schweinfurt mit 6583 eine nie da gewesene Nachfrage nach Arbeitskräften. Diese lag mit 1511 Stellenangeboten über dem Jahresdurchschnittswert von 2021. Im Jahr 2019 (Vorjahr der Corona-Pandemie) wurden der Agentur im Jahresdurchschnitt 4991 Stellen gemeldet.

Zahl der in den Jobcentern Gemeldeten ist 2022 gestiegen

Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit waren die Kunden von Arbeitsagentur und Jobcenter unterschiedlich betroffen. In der Agentur für Arbeit Schweinfurt (im Bereich der Arbeitslosenversicherung) waren 3903 Menschen von Arbeitslosigkeit betroffen, dies entsprach einem Rückgang von 724 Personen (minus 30,0 Prozent). In den Jobcentern waren 3934 Personen arbeitslos gemeldet. Dies entsprach einem Zuwachs von 450 Personen (plus 12,9 Prozent), der ursächlich auf die aus der Ukraine geflüchteten Menschen zurückzuführen war.

Ein positives Zeichen war die Reduzierung der Anzahl der Langzeitarbeitslosen (Menschen, die ein Jahr und länger arbeitslos gemeldet waren) im Vergleich zum Vorjahr um 217 Personen (minus 8,6 Prozent).

Der Altersdurchschnitt der Beschäftigten steigt

Der demografische Wandel macht sich von Jahr zu Jahr stärker bemerkbar. Gut jeder dritte Beschäftigte (35,6 Prozent bzw. 63.723 Personen) war mindestens 50 Jahre alt und scheidet voraussichtlich in den nächsten 15 Jahren aus dem Erwerbsleben aus. Nur gut jeder Zehnte (11,2 Prozent; 20.082 Personen) ist jünger als 25 Jahre. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig beschäftigten ausländischen Mitbürger stieg im vergangenen Jahr überproportional an (+ 12,2 Prozent bzw. + 1722 Personen).

Anstieg der Erwerbstätigenzahl geht hauptsächlich auf zugewanderte Beschäftigte aus dem Ausland zurück

Rein rechnerisch gesehen ging nahezu der gesamte Beschäftigungsaufbau auf das Konto dieser Personengruppe. „Zwar bremsen Inflation, steigende Zinsen und der Krieg in der Ukraine das Wirtschaftswachstum aus, dennoch war in nahezu allen Wirtschaftsbereichen ein Beschäftigungsaufbau zu beobachten.

Zu erwarten ist, dass auch zukünftig in der Region Main-Rhön ein höherer Bedarf an gut ausgebildeten Fach- und Arbeitskräften bestehen wird, da unter anderem die sogenannte Babyboomer-Generation (Jahrgänge 1957 bis 1969) in den kommenden Jahren das Renteneintrittsalter erreichen wird. Ohne Migration hätte es im vergangenen Jahr nahezu kein Beschäftigungswachstum gegeben“, sagte Stelzer.

Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, informierte in einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Region Main-Rhön.
Thomas Stelzer, Leiter der Agentur für Arbeit Schweinfurt, informierte in einer Pressekonferenz über die aktuelle Entwicklung des Arbeitsmarktes in der Region Main-Rhön.
Christian Licha

Ebenfalls gab der Chef der Schweinfurter Agentur für Arbeit einen Ausblick auf den Arbeitsmarkt 2023: „Die unterschiedlichsten wirtschaftlichen Auswirkungen der verschiedenen Krisen in 2022 sind noch nicht endgültig überwunden. Zusätzlich beeinflussen die bekannten Herausforderungen, wie der strukturelle und demografische Wandel sowie die Digitalisierung den Arbeitsmarkt. Der Arbeitskräftebedarf bleibt auch 2023 eines der zentralen Themen am Arbeitsmarkt der Region Main-Rhön.“

Der limitierende Faktor für den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen werde es sein, ob es gelingt, die notwendigen Arbeitskräfte zu gewinnen. Hierfür sei es erforderlich, dass alle Akteure am Arbeitsmarkt das inländische Potenzial wie Arbeitslose, stille Reserve, Geringqualifizierte höben und die Zuwanderung als Chance nutzten. Weiterbildung und Qualifizierung könnten den Beschäftigten in den vom Strukturwandel betroffenen Branchen neue Perspektiven bieten.

Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten soll gefördert werden

Für das Jahr 2023 stehen für die Region Main-Rhön laut Stelzer über 15 Millionen Euro bereit, um die Qualifizierung von Arbeitslosen und Beschäftigten zu fördern.

Auch der Ausbildungsmarkt biete den jungen Menschen zahlreiche Möglichkeiten. Stelzer betonte: „Unsere Berufsberaterinnen und Berufsberater werden wieder die Jugendlichen beim Übergang von der Schule in die Ausbildung tatkräftig unterstützen.“

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