Zwei Glasampullen mit unbekanntem weißen Pulver in einem Kinderzimmer in Zeckern (Landkreis Erlangen-Höchstadt) hatten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, 9. Oktober, die Polizei und Feuerwehr beschäftigt. Der Nachrichtendienst News 5 hatte zunächst von einem größeren Einsatz berichtet, bei dem auch eine ABC-Einheit der US-Army beteiligt war.
Inzwischen gibt die Polizeiinspektion Höchstadt Entwarnung, wie der stellvertretende Dienststellenleiter Matthias Vogel auf Nachfrage von fraenkischertag.de bestätigt. Das Pulver sei als „handhabungssicheres Pulver“ eingestuft worden, um die fachgerechte Vernichtung müsse sich nun der Finder selbst kümmern.
Zeckern: Großeinsatz von Polizei und Feuerwehr
Zu dem größeren Polizeieinsatz hatten unter anderem die etwas kuriosen Umstände geführt, unter denen das Pulver aufgefunden wurde. So soll ein 15-Jähriger aus Zeckern, der regelmäßig mit einem Metalldetektor im heimischen Wald unterwegs sei, neben Gegenständen aus der NS-Zeit auch besagte Ampullen in einer Vitrine in seinem Zimmer aufbewahrt haben.
Die beiden Röhrchen soll der Schatzsucher schon seit mehreren Wochen aufbewahrt haben. Erst als die Mutter des Jungen ein Foto an einen Verwandten schickte, schlug dieser Alarm und wies auf die potenzielle Gefahr hin, die von der Substanz ausgehen könne – was wiederum einen stundenlangen Einsatz von Polizei und Feuerwehr nach sich zog.
Nazigift gefunden? Das sagt die Polizei
Am Donnerstagmittag ist nun klar: Es handelt sich nicht um Gift. „Mutmaßlich handelt es sich um alte Tabletten, die sich zersetzt haben“, erklärt Vogel. Eine genaue Stoffanalyse sei zwar nicht mehr möglich, da das Pulver wohl mehrere Jahrzehnte alt sei. „Aber man kann ausschließen, dass es ein Giftstoff ist.“
Vogel verweist darauf, dass das Durchkämmen von Wiesen, Wäldern und Feldern mit Metalldetektoren ein relativ gängiges Hobby sei. Auch der Jugendliche aus Zeckern habe schon mehrfach Dinge gefunden, von denen die Polizei „Kenntnis erlangt“ habe. „Er macht das schon länger“, sagt Vogel.
Welche Gegenstände aus der NS-Zeit der Junge in seinem Zimmer aufbewahrt haben soll, führt Vogel nicht im Detail auf. Klar sei aber: „Letztlich ist es legal, sowas zu besitzen“, erklärt der Polizist. Ein Verkauf von Gegenständen, die beispielsweise ein Hakenkreuz tragen, oder die öffentliche Abbildung im Internet seien dagegen untersagt. „Es war nichts dabei, was ein polizeiliches Handeln im Sinne einer Sicherstellung erfordert oder eine Straftat darstellt“, sagt Vogel weiter.
Wieso auch die US-Army anrückte
In der ursprünglichen Meldung der Nachrichtenagentur News 5 war auch die Rede von Munition und Granaten gewesen, die der 15-Jährige bereits gefunden haben soll. Zwar sei der Sachstand zur weiteren Überprüfung an das Landratsamt weitergegeben worden, derzeit gebe es aber laut Vogel keine Anhaltspunkte, dass sich noch gefährliche Gegenstände im Wald befinden könnten. Auch das Landratsamt bestätigt auf Nachfrage, dass es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko gebe. Eine Sperrung des Waldstücks sei demnach nicht geplant.
Auch die Tatsache, dass die US-Army angerückt ist, sei nichts Außergewöhnliches. Es sei eine „geübte Praxis“, dass die Einsatzgruppen sich gegenseitig unterstützen. Zwar gebe es eine analytische Taskforce mit Sitz in München. Doch die Einheit der US-amerikanischen Armee, die bei Ansbach stationiert ist, habe sich auch aufgrund der kürzeren Anreise bereiterklärt, auszuhelfen. „Es war dann schnell klar, dass es sich nicht um Zyankali handelt“, erzählt Vogel. Die weitere Stoffbewertung habe im Nachgang jedoch die Taskforce aus München übernommen.













