Bald rattern wieder die Motoren: Auch wenn es draußen im Moment mitunter noch kalt und grau ist, steht die Oldtimersaison unaufhaltsam vor der Tür. Auch der „Historische Löschzug ERH“ wird bald wieder auf den Straßen und den regionalen Oldtimertreffen zu sehen sein.
Der Methusalem steht in Höchstadt
Das älteste Feuerwehrfahrzeug des historischen Löschzugs steht in Höchstadt. Es handelt sich um einen Magirus-Deutz vom Typ A3500 aus dem Baujahr 1954 mit 125 PS. Der Rundhauber besticht durch seine bauchigen Formen, die nach dem Zweiten Weltkrieg das Gesicht einer ganzen Lkw-Generation der Wirtschaftswunderzeit prägten. Der Hersteller Magirus-Deutz aus Ulm konnte sich als einziger der damals noch zahlreichen deutschen Nutzfahrzeughersteller so ein rundliches Design des Vorderwagens leisten. Denn unter der Haube arbeitet ein luftgekühlter Motor, so dass kein Platz für einen eckigen, vor dem Motor stehenden Wasserkühler benötigt wurde.
Der Rundhauber aus Höchstadt ist aufgebaut als Tanklöschfahrzeug TLF 15 und leistete bis weit in das 21. Jahrhundert hinein gute Dienste für die örtliche Feuerwehr, zuletzt allerdings nur noch als Reservefahrzeug. Statt beim Löschen von Bränden kann man ihn heute vor allem auf regionalen Treffen für Blaulicht-Oldtimer sehen. Denn in Höchstadt wurde der Rundhauber nach seiner aktiven Dienstzeit nicht einfach meistbietend verkauft, sondern als Traditionsfahrzeug aufbewahrt. Überall, wo er auftaucht, legt der nun schon 70 Jahre alte Veteran Zeugnis davon ab, wie das Fahren eines Feuerwehrfahrzeugs weit vor dem elektronischen Zeitalter aussah:
Mit einem riesigen Lenkrad, dessen Drehung eine Menge Kraft erfordert. Mit einem langen Schalthebel, der mit Bedacht in die richtige Position eingelegt werden will. Mit einem luftgekühlten Dieselmotor, dessen einzigartiger Klang heute noch die Fans der längst untergegangenen Marke Magirus-Deutz ins Schwärmen bringt. Und ganz ohne moderne Helferlein. Eine Servolenkung, einen Regensensor, automatische Fensterheber oder einen Rückwärts-Einparkpiepser jedenfalls sucht man an dem Höchstadter Oldtimer vergeblich.
Platz zwei stammt von 1956
Das ganze Auto besteht noch aus dickem Blech mit viel Chromzierrat. Genau wie das zweitälteste Fahrzeug des historischen Löschzugs, das allerdings im Gegensatz zum Höchstadter Rundhauber nicht seine gesamte Dienstzeit am selben Ort verbracht hat. Diese beginnt mit der Auslieferung anno 1956 nach Herzogenaurach. Hier entschied man sich für ein Fahrzeug der Marke Mercedes-Benz mit feuerwehrtechnischem Aufbau von Metz. Unter der langen, eckigen Haube werkelt ein wassergekühlter Motor mit 115 PS. Seine Kraft gelangt über ein unsynchronisiertes Getriebe (Achtung: Zwischengas nicht vergessen!) an die Räder.
Im Jahre 1979 ging der Mercedes-Benz in Herzogenaurach außer Dienst und wurde in der Folge von der Firma Martin Bauer aus Vestenbergsgreuth erworben. Bei der dortigen Werksfeuerwehr sollte das damals schon 23 Jahre alte Löschfahrzeug den innerbetrieblichen Brandschutz für die nächsten Jahrzehnte sicherstellen. Erst 33 Jahre später, als man in Vestenbergsgreuth moderneren Ersatz für die Werksfeuerwehr beschafft hatte, gelangte der Wagen 2012 als Geschenk wieder zurück nach Herzogenaurach. Dort wird das Tanklöschfahrzeug bis heute als Oldtimer in Ehren gehalten.
Nummer drei: die Drehleiter von 1962
Auch das dritte Feuerwehrauto des Historischen Löschzugs ERH hat eine kleine Odyssee hinter sich. Diese beginnt mit der Auslieferung einer Drehleiter DL 25 im Jahre 1962 an die Feuerwehr Zirndorf in Mittelfranken. Auch bei diesem Fahrzeug handelt es sich um einen Rundhauber der Marke Magirus-Deutz, der allerdings schon die Typbezeichnung Mercur 125 trägt. 1985 zog die Drehleiter mit der runden Nase zum ersten Mal um, und zwar nach Bubenreuth. Dort leistete der Magirus-Deutz weitere 17 Jahre wertvolle Dienste im Notfall, bis 2002 eine neue Drehleiter auf einem Fahrgestell von MAN beschafft wurde.
Der alte Rundhauber wechselte für kurze Zeit in den Bestand des Museumsvereins der Nürnberger Feuerwehr. Aber offenbar hatten die Bubenreuther große Sehnsucht nach ihrer alten Drehleiter, denn sie holten den Oldtimer schnell zurück, um ihn gründlich zu restaurieren. Heute ist die „alte Dame“ der Blickfang im Fuhrpark der Bubenreuther Floriansjünger.
Und sicherlich wird man die drei Veteranen der Feuerlöschtechnik auch in diesem Jahr wieder sehen, wenn sie gemeinsam zu einem Feuerwehrfest oder zum nächsten Treffen für historische Blaulichtfahrzeuge in der Region ausrücken. Und das ganz ohne Hektik – die können die drei Oldtimer getrost ihren modernen Nachfolgern in den Feuerwehrhäusern von Höchstadt, Herzogenaurach und Bubenreuth überlassen.
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