Heute ist das Mädchen aus den Philippinen 17 Jahre alt. Eine junge Frau, der das Leben noch bevorsteht, trotz einer zutiefst traumatisierenden Vergangenheit. Wie sie wohl reagiert hat, als sie von dem heute gesprochenen Urteil gegen den Mann erfahren hat, der sie jahrelang als Kind sexuell missbraucht hat?
Am Montag, 10. August, hat das Landgericht Nürnberg-Fürth einen 54-jährigen Mann aus Erlangen-Höchstadt wegen sexuellem Missbrauch am Minderjährigen in 80 Fällen zu einer Haftstrafe von sieben Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte schweren sexuellen Missbrauch von Kindern begangen und zur Herstellung von kinderpornographischen Inhalten angestiftet habe. Zudem habe sich der Täter des Besitzes von kinderpornographischen Schriften schuldig gemacht. Das teilte eine Sprecherin des Landgerichts Nürnberg-Fürth auf Anfrage dieser Redaktion mit.
Täter aus Erlangen-Höchstadt missbrauchte Mädchen jahrelang online
Wie berichtet, soll der Mann aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt das Mädchen etwa drei Jahre lang, teils via Livestream, missbraucht haben. Möglich machte das seine Komplizin auf den Philippinen: Die leibliche Mutter verkaufte ihr Kind für sexuelle Gewalt gegen Geld. Zwischen zehn und 70 Euro soll der Deutsche pro Foto oder Video bezahlt haben. Welche sexuellen Handlungen das Kind an sich selbst oder anderen Kindern oder Erwachsenen ausführen sollte, diese Anweisungen habe der Angeklagte der Mutter und später dem Mädchen selbst per WhatsApp zukommen lassen. Als jenes zum ersten Mal vor die Kamera musste, war sie gerade mal acht Jahre alt.
Das tatsächliche Ausmaß der Taten des Mannes wird sich vermutlich nie nachweisen lassen. Vor Gericht kam allerdings zur Sprache, dass der Angeklagte über Jahre hinweg kinderpornografisches Material gesammelt habe. „Es war die komplette Bandbreite. Alles, was man so abdecken kann“, hatte sich ein Ermittler der Kriminalpolizei Erlangen vor Gericht dazu geäußert. Über seinen Sextourismus in mehreren Ländern habe er akribisch ein Ausgabenbuch geführt.
54-Jähriger gestand sexuellen Missbrauch am philippinischen Kind
Der von der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg zur Last gelegte Zeitraum der Taten beschränkt sich jedoch hauptsächlich auf den Missbrauch des philippinischen Mädchens von 2019 bis 2022. Während der Beweisaufnahme wurden nicht alle Tatvorwürfe öffentlich abgehandelt. Teile der gesicherten Chat-, Bild- und Videodaten wurden während der vier Prozesstage unter Ausschluss der Öffentlichkeit behandelt. Dazu trug auch das vollumfängliche Geständnis des Täters bei, das der 54-Jährige über seinen Anwalt bereits am ersten Verhandlungstag Anfang Juli verkünden ließ.
35.000 Euro Entschädigungszahlung mildern Strafmaß
Das Geständnis hat das Gericht nun zugunsten des Angeklagten berücksichtigt. Zudem wurde bei dem verhängten Strafmaß anerkannt, dass der Mann im Rahmen eines Opfer-Täter-Ausgleichs eine monetäre Entschädigung in Höhe von insgesamt 35.000 Euro an das Mädchen gezahlt habe. 10.000 Euro davon habe er bereits vor dem Vergleich (die Anwältin des Mädchens führte eine Nebenklage) als eine Art Wiedergutmachung an das Mädchen gezahlt.
Auch diese Zahl kam während des Prozesses zur Sprache: Die sexuelle Gewalt an dem Kind habe sich der Mann, ein Ingenieur mit einem Nettoeinkommen von 5000 bis 6000 Euro pro Monat, im erwähnten Zeitraum schätzungsweise 20.000 Euro kosten lassen.
Begünstigend für das Strafmaß war außerdem, dass die Geschädigte eine Entschuldigung des Täters angenommen habe, wie die Sprecherin des Gerichts schriftlich mitteilte. Sein Mandant habe sich eingeredet, das Mädchen sei mit allem einverstanden gewesen. Das hatte der Verteidiger während des Prozesses in diesem Zusammenhang erklärt.
Missbrauch per Livestream: Generalstaatsanwaltschaft forderte elf Jahre Haft
Die Zentralstelle zur Bekämpfung von Cyberkriminalität bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg hatte laut der Deutschen Presse-Agentur (dpa) eine Haftstrafe von elf Jahren für den Mann gefordert. Dagegen plädierte die Verteidigung auf nicht mehr als sechs Jahre.
Die Ermittlungen gegen den heute 54-Jährigen hatte eine Hilfsorganisation auf den Philippinen angestoßen, welche, wie berichtet, wiederum australische Sicherheitsbehörden über den Fall informierte. Der Mann wurde schließlich im Mai 2025 während einer Hausdurchsuchung durch ein Sondereinsatzkommando festgenommen. Dort fanden sich unter anderen mehr als 11.000 Bilder sexualisierter Gewalt gegen Kinder.
Der Missbrauch an dem philippinischen Mädchen hat im Jahr 2022 ein Ende gefunden. Das gab laut der dpa der Verteidiger vor Gericht an. Nach einem Streit zwischen Tochter und Mutter kam es zur Trennung und das Mädchen sei in ein Jugendheim gezogen.














