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Kriminalstatistik
Deutlich mehr Straftaten im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Einbruch
Vor allem die Zahl der Wohnungseinbrüche stieg 2023 enorm an. // Philipp von Ditfurth/dpa/dpa-tmn
Erlangen/Höchstadt – Der Sicherheitsbericht der Polizei Mittelfranken zeigt deutlich: Es werden immer mehr Verbrechen, auch im Landkreis. Die Polizei ist dennoch zuversichtlich.

Es sind keine guten Nachrichten, die aus der Kriminalstatistik des Polizeipräsidiums Mittelfranken für 2023 hervorgehen: 6,4 Prozent mehr Straftaten als im Vorjahr. Allein im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat die Polizei 173 Straftaten mehr erfasst als 2022, ein Trend, der sich schon seit zwei Jahren fortsetzt. 

Grund zur Sorge sei das laut Polizei aber nicht. „Das Leben in Mittelfranken normalisiert sich nach den Jahren der Pandemie in vielen Bereichen auf sehr erfreuliche Art und Weise und mit erstaunlicher Schnelligkeit“, heißt es in dem Bericht. „Die Kehrseite der Medaille ist, dass auch diejenigen, die mehr oder weniger oft ‚mit dem Gesetz in Konflikt kommen‘, diesen neuerlichen ‚Schwung‘ spüren.“

Polizei: Mittelfranken ist vergleichsweise sicher 

Trotzdem stehe Mittelfranken im Vergleich zu anderen Regionen recht gut da. „In Mittelfranken leben heißt ‚sicher leben‘, deutlich sicherer als in anderen vergleichbaren Regionen“, so der Bericht weiter.

Dennoch kann auch die positive Stimmung der Polizei nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahlen in manchen Bereichen rasant steigen. Dabei fällt in Mittelfranken vor allem auf, dass die Polizei immer mehr Heranwachsende als Tatverdächtige identifiziert. Waren es 2022 noch 3070 Personen im Alter von 18 bis 21 Jahren, stieg die Zahl 2023 auf 3318.

Landkreis ERH beinahe auf Vor-Corona-Niveau

Im Landkreis Erlangen-Höchstadt hat die Anzahl aller Straftaten inzwischen beinahe das Vor-Corona-Niveau erreicht. Dabei gibt es gleich mehrere Kategorien von Delikten, die einen besonders hohen Anstieg verzeichnen.

Vor allem der Zuwachs um glatte 100 Prozent bei den Totschlagsdelikten sticht hier ins Auge. In relativen Zahlen handelt es sich hierbei um zwei Fälle, die beide aufgeklärt wurden. Der Fall in Weisendorf, bei dem ein 17-Jähriger Anfang Januar 2023 seine 14-jährige Schwester mit mehreren Messerstichen tötete und seine Mutter schwer verletzte, dürfte vielen noch in Erinnerung sein (der FT berichtete). Im Sicherheitsbericht wird er als „herausragender Fall“ im Landkreis behandelt. Der Täter wurde inzwischen aufgrund seines Drogenkonsums für schuldunfähig erklärt und ist nun in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. 

Hoher Anstieg bei Rohheits- und Sexualdelikten

Einen Höchstwert im Fünf-Jahres-Vergleich erreichten die sogenannten Rohheitsdelikte, darunter fallen unter anderem Raub, Straßenraub und Körperverletzung. Hier übersteigt die Zahl sogar das Vor-Corona-Jahr 2019. Waren es damals noch 502 Delikte, verzeichnete die Polizei 2023 567 Straftaten in diesem Bereich. Immerhin können die Behörden hier eine Aufklärungsquote von 94,4 Prozent vorweisen.

Ähnlich bitter sind die Zahlen bei den Sexualdelikten. Die Zahl der Vergewaltigungen stieg von sieben auf zwölf, die der kinderpornografischen Delikte von 41 auf 54. Ein Trend, der der mittelfränkischen Entwicklung widerspricht: Im gesamten Regierungsbezirk hat sich die Zahl der Vergewaltigungen von 209 auf 189 und die Zahl der kinderpornografischen Delikte von 816 auf 752 verringert. Der Missbrauch von Kindern hat hier jedoch mit einem Plus von 3,9 Prozent leicht zugenommen. 

Zuwachs bei Sexualdelikten: Großteil der Opfer ist weiblich

Mittelfrankenweit lässt sich übrigens sagen, dass von 18.476 Menschen, die 2023 Opfer einer Straftat geworden sind, 11.254 männlich waren und 7.222 weiblich. Nur bei den Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung war mit 996 von 1143 der Großteil der Opfer weiblich. 

Vor allem bei den Diebstählen verzeichnet die Statistik einen enormen Zuwachs. Allein die Anzahl der Ladendiebstähle stieg um 60,5 Prozent auf 398 Delikte. Bei den Wohnungseinbrüchen zeichnet sich ein noch extremerer Trend ab: Die Zahl stieg von 18 auf 48, mehr als doppelt so viele. 

Hoher Millionenschaden durch Enkeltricks

Doch auch ein paar positive Nachrichten hat der Bericht für den Landkreis. Zum Beispiel sank die Zahl der Delikte im Bereich Cybercrime um mehr als 50 Prozent. Auch in den Bereichen Betrug und Vermögens- und Fälschungsdelikte ist ein deutliches Minus zu erkennen. Darunter fällt auch der sogenannte Callcenterbetrug, bei dem meist ältere Menschen über vorgetäuschte Anrufe von Angehörigen in Notsituationen dazu gebracht werden, Geld oder Wertgegenstände herauszugeben.

„Der Rückgang dürfte auch durch die Zerschlagung eines organisierten libanesischen Callcenters im September 2024 bedingt sein“, heißt es im Bericht. Dennoch verursachten die Schockanrufe und Enkeltricks in Mittelfranken einen Schaden in Höhe mehr als 3,6 Millionen Euro. 

10,9 Kilogramm Cannabis und 803 Gramm Kokain sichergestellt

Im Landkreis ist außerdem die Rauschgiftkriminalität mit einem Minus von 1,3 Prozent leicht rückläufig. 

Auch in diesem Bereich geht der Bericht auf einen „herausragenden Fall“ ein. Im November hatte die Kriminalpolizei Erlangen durch die Auswertung von rund 85.000 Chats zwei Tatverdächtige aus dem Landkreis ausgemacht.  Die Polizei durchsuchte mehrere Wohnungen und drei Lagerräume und fand insgesamt 10,9 Kilogramm Cannabisprodukte, 803 Gramm Kokain, 86 Gramm Amphetamin sowie rund 600 Ecstasy-Tabletten.  Gegen beide Personen wurde Haftbefehl erlassen, die Ermittlungen dauern derzeit noch an. 

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