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DFB wechselt zu Nike
Deutschland hält zu Adidas, Herzogenaurach sowieso
Eine Leinwand aus Schuhen bei Adidas.
Eine Leinwand aus Schuhen bei Adidas. // Andreas Kraft
Herzogenrauch – Dass der DFB sich künftig vom US-Hersteller Nike ausrüsten lässt, ist keine gute Nachricht für die Region. Wie die Politik in Herzogenaurach, Bayern und Deutschland auf die Entscheidung reagiert.

An diesem Freitag ist ganz Deutschland Adidas. Dass der DFB sich künftig von Nike ausrüsten lässt, erschüttert nicht nur die Sportwelt, sondern auch Wirtschaft und Politik.

Bei German Hacker klingelt unentwegt das Telefon. Kamerateams kommen vorbei, Radiostationen wollen Interviews mit dem Bürgermeister von Herzogenaurach. Am Donnerstag sei gegen 17 Uhr ein Mitarbeiter in sein Büro gekommen mit der Nachricht von dem Ausrüsterwechsel des DFB. Seitdem dreht sich für den Rathauschef alles nur noch um Adidas.

Bürgermeister German Hacker hatte keinen leichten Stand.
Bürgermeister German Hacker hatte keinen leichten Stand. // Richard Sänger

„Das kommt aus dem heiteren Himmel und schlägt ein wie eine Bombe“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. „Das ist eine schlechte Nachricht für Adidas, für Herzogenaurach und für die ganze Region.“ Schließlich sei Herzogenaurach die Wiege der Sportartikelindustrie. „Dass der DFB diese alte Verbindung einfach wegspült“, so Hacker. „Da muss ich schon tief durchatmen. Ich glaube nicht, dass dem DFB die Tragweite dieser Entscheidung bewusst ist.“

Adidas selbst hält sich bedeckt

In der Firmenzentrale in Herzogenaurach betont man noch mal, wie gut sich die Trikots der Nationalmannschaft derzeit verkaufen. „Zum heutigen Zeitpunkt wurde das neue Auswärtstrikot besser verkauft als je zuvor“, heißt es auf Anfrage unserer Redaktion. „Auch das Heimtrikot erfreut sich sehr großer Beliebtheit.“ Genaue Zahlen nenne man nicht. Auch nicht dazu, wie viel Adidas zuletzt dem DFB bezahlt hat.

Das Handelsblatt berichtet, es seien 50 Millionen Euro gewesen. Nike werde künftig mehr als 100 Millionen Euro zahlen - im Jahr. Zum DFB-Aus erklärt die Adidas-Pressestelle nur kurz und bündig: „Unser Vertrag mit dem Deutschen Fußball-Bund läuft bis Ende 2026. Wir wurden gestern vom DFB darüber informiert, dass der Verband ab 2027 einen neuen Ausrüster haben wird.“ Auch Adidas-Chef Bjørn Gulden will sich nicht äußern. Doch wahrscheinlich ist das die beste Kommunikationsstrategie, den anderen die Kommentare zu überlassen.

Alles sind auf der Seite von Adidas

Hubert Aiwanger
Hubert Aiwanger (Freie Wähler), Stellvertretender Ministerpräsident und Wirtschaftsminister von Bayern. // Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Nachdem sich am Donnerstagabend bereits Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) eingeschaltet hat, legt am Freitag sein Kollege aus Bayern nach. „Natürlich ist es sehr bedauerlich, wenn sich die eigene Nationalmannschaft von auswärts einkleiden lässt“, sagt Hubert Aiwanger (Freie Wähler) unserer Redaktion. „Aber wer schon mit dem Begriff ,National‘ haderte und sich lieber ,Mannschaft‘ nannte, geht auch hier den Weg konsequent und greift dort zu, wo das meiste Geld winkt.“ Interessant dürfte auch sein, wie die Fans reagieren. „Bleibt nur zu hoffen, dass die Fans weiterhin patriotisch genug sind und weiterhin für die National-Mannschaft Eintritt bezahlen“, sagt Aiwanger dazu.

Bundespolitik schaltet sich ein

Gegen 16:40 Uhr am Donnerstagnachmittag hatte der DFB die Bombe platzen lassen. Bereits um 20:21 Uhr lief die Reaktion von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) über die Ticker: „Ich kann mir das deutsche Trikot ohne die drei Streifen kaum vorstellen. Adidas und Schwarz-Rot-Gold gehörten für mich immer zusammen. Ein Stück deutscher Identität. Da hätte ich mir ein Stück mehr Standortpatriotismus gewünscht.“

Später am Abend äußert sich dann auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD). „Adidas soll nicht mehr Nationaltrikot im Fußball sein? Stattdessen ein US-Unternehmen? Halte ich für eine Fehlentscheidung, wo Kommerz eine Tradition und ein Stück Heimat vernichtet“, schreibt er auf X, dem früheren Twitter. Die CSU-Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär bezeichnete es ebenfalls auf X als „eine gnadenlose Fehlentscheidung“.

Auch der hessische Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) ist entsetzt, der DFB hat seine Zentrale in Frankfurt. „Die drei Streifen gehören natürlich zu den vier Sternen, die wir auf der Brust tragen“, sagt er am Freitagmorgen. „Der Weltmeister trägt Adidas, nicht irgendeine amerikanische Fantasiemarke. Deswegen finde ich das schon ein starkes Stück, was der DFB da macht. Ich bedauere das sehr und kann mir nicht vorstellen, dass der DFB das am Ende durchhalten kann.“

Was sagt Söder?

„Die Erfolgsgeschichte begann 1954 mit dem unvergessenen WM-Sieg, der unserem Land wieder Selbstbewusstsein gegeben hat. Deshalb ist es falsch, schade und auch unverständlich, dass diese Geschichte jetzt enden soll“, schreibt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Freitag auf X (früher Twitter). Das Nationalteam „spielt in drei Streifen - das war so klar, wie dass der Ball rund ist und ein Spiel 90 Minuten dauert“, meint der CSU-Politiker.

„Deutscher Fußball ist Heimat pur - und kein Spielball internationaler Konzernkämpfe. Kommerz ist nicht alles. Mehr Geradlinigkeit hätte dem DFB trotz aller wirtschaftlichen Herausforderungen gut zu Gesicht gestanden“, erklärte der 57-jährige Söder. Der deutsche Fußball sei immer auch „ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte“ gewesen. 

Was das Aus für Franken bedeutet

Für Franken ist die Nachricht freilich noch viel erschütternder. Der bayrische Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler)reagiert schockiert. „Fußball ist meine große Leidenschaft“, schreibt der Pinzberger auf Facebook. „Fast immer auf dem Platz dabei sind auch die drei Streifen.“ Über den DFB kann er nur den Kopf schütteln: „Nike statt Adidas! Die Entscheidung des DFB ist schlichtweg falsch. Kommerz schlägt Herz. Die Nationalelf sollte weiterhin mit einem deutschen Ausrüster zusammenarbeiten. Allein in Franken haben wir zwei große Sportartikelhersteller. Die gehören für uns in Franken zur DNA Made in Bavaria.“ Ihm würden die drei Streifen auf dem Trikot auf jeden Fall fehlen.

Und Herzogenaurach? Man werde vor allem die Besuche der Nationalmannschaft vermissen, sagt Bürgermeister Hacker: „Für uns, aber auch die ganze Metropolregion war das unbezahlbar.“ Fernsehsender aus der ganzen Welt berichteten regelmäßig von den Besuchen der DFB-Elf in Herzogenaurach. „Die Region hat das weltweit bekannt gemacht“, sagt er. Für den Tourismus das beste Marketing.

Doch die Sympathien, die hat sich der DFB zumindest in Herzogenaurach verspielt. „Hier wird sicher keiner ein Nationaltrikot von Nike tragen", sagt Hacker. Da ziehe man lieber die alten weiter an oder kaufe sich ein Trikot von einer anderen Nationalmannschaft.

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