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Amtsgericht Erlangen
Fall Alexandra R.: Wer schrieb Drohbriefe an die Mörder?
Das Bild zeigt Ugur T. während des Mordprozesses um Alexandra R. Eine unerwartete Folge des mysteriösen Falls: Eine Frau musste sich nun vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten, weil sie vermeintlich Drohbriefe an Ugur T.  und Dajan B. geschrieben haben soll.
Das Bild zeigt Ugur T. während des Mordprozesses um Alexandra R. Eine unerwartete Folge des mysteriösen Falls: Eine Frau musste sich nun vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten, weil sie vermeintlich Drohbriefe an Ugur T. und Dajan B. geschrieben haben soll. // Foto: Anna-Lena Reif/ FT-Archiv
Erlangen – Viele haben über den mysteriösen Mordfall Alexandra R. spekuliert. Manche haben sogar Drohbriefe an die Täter verschickt. Wegen eines öffentlichen Aufrufs zur Bedrohung wurde eine Frau nun angeklagt.

Der berühmt-berüchtigte Mordprozess ohne Leiche – Alexandra R. Seit ihrem Verschwinden im Dezember 2022 bis zur Verurteilung der Täter im Juli 2024 hielt der Fall lange Zeit ganz Franken in Atem. 

Nicht nur, dass viele Menschen ausgiebig über den Fall Alexandra R. rätselten – und das immer noch tun –, die Verhandlung am Amtsgericht Erlangen am Donnerstag, 8. Januar, hat eine andere Folge des Aufruhrs um den Mordfall offenbart. 

Im April 2023, nach dem Verschwinden und noch vor dem Alexandra.-R.-Prozess, befasste sich auch eine Frau aus Erlangen-Höchstadt mit dem Mordfall. Die Frau verschickte unter dem Alias „Fränkin“ in einem Online-Forum eine Nachricht, wegen der sie sich am Donnerstag, 8. Januar, vor dem Amtsgericht Erlangen verantworten musste. Die Anklage der Staatsanwaltschaft: Drohung gegen die Alexandra.-R.-Mörder (Dejan B. und Ugur T.) und öffentlicher Aufruf zu Straftaten.

„Sage denen, was Dejan und Du mit Alexandra gemacht habt“

Wie aus der Anklageschrift hervorgeht, habe die Angeklagte in der Nachricht Vorschläge an andere Forumsnutzer gemacht, die Täter durch Briefe und Postkarten unter Druck zu setzen. „Hierzu nennen Sie die Privatadressen von Dejan B. und Ugur T. Durch die Briefe oder Postkarten wollten Sie erreichen, dass die beiden ‚zermürbt‘ werden, damit sie die Tötung von Alexandra R. einräumen“, heißt es. 

Laut Anklageschrift schrieb die Angeklagte unter anderem: „Ugur, erleichtere dein Gewissen, gehe zur Polizei und sage denen, was Dejan und Du mit Alexandra gemacht habt, dann bleiben Deine 6. und 7. Rippe heil!“

Alexandra R.: Mörder erhielten Drohschreiben

Tatsächlich waren nur Tage zuvor anonyme Drohbriefe an Dejan B. und Ugur T. verschickt worden. Besteht ein Zusammenhang zwischen der Nachricht in dem Online-Forum und den Briefen an die Männer?

Briefe an Täter von Alexandra R. – war Selbstjustiz geplant? 

Es ist möglich, dass „Fränkin“ durch die Forums-Nachricht letztlich die größten Konsequenzen davontrug. Denn die Nachricht verbreitete sich im Forum und „Fränkin“ findet sich nun fast drei Jahre danach als Angeklagte vor Gericht wieder. 

Während der Verhandlung spricht der Anwalt für seine Mandantin. Sie habe die Nachricht nicht verbreitet, sondern als Privatnachricht nur an eine einzige Person geschickt. Dementsprechend könne man die Formulierungen von „Fränkin“ nicht als öffentlichen Aufruf zu Straftaten werten. 

Forums-Moderator zeigt vermeintliche Selbstjustiz an

Diese Frage, die Richterin, Staatsanwältin und Verteidiger vor Gericht zu klären versuchten, findet auch durch die Aussagen der Zeugen keine rechte Antwort.

Zur Anzeige gebracht hatte den Fall ein Forums-Moderator, der, wie der Zufall so will, hauptberuflich Polizeibeamter ist. Er sagt als Zeuge vor Gericht aus, dass er und das Team der Forumsverwaltung Kenntnis von der Nachricht erhielten. Weil er hinter dem Inhalt einen Versuch der Selbstjustiz vermutete, erstattete der Moderator Anzeige bei der Polizei.

Wie der Zeuge nachweist, hätte die Nachricht mindestens eine Handvoll der Forums-Nutzer erreicht. Wer die Nachricht an weitere Personen in dem Forum verschickte, kann der Zeuge nicht mit Sicherheit sagen: „Bei 10.000 Usern ist der Traffic auf der Website so groß, dass eine Person nicht den Überblick behalten kann.“ Auch die Ermittlungsakten der Polizei geben keinen Aufschluss.

Wer schrieb Drohbriefe an Dejan B. und Ugur T.?

Die eine Nachricht räumt „Fränkin“ ein. Wie sich aber diese private Nachricht an eine einzelne Nutzerin an weitere Nutzer verbreitet hat, damit habe sie nichts zu tun. 

Und die Drohbriefe, die an Ugur T. und Dejan B. verschickt wurden? Die habe „Fränkin“ nicht geschrieben. „Wer sind wir: eine Vereinigung von ganz vielen. Wir waren im Drachen-Game schon sehr erfolgreich. Dejan hält dich für einen Idioten, er verarscht dich und nutzt dich aus. Wir werden dich und alle in deiner Nähe jagen.“, las die Richterin einen der Briefe aus der Akte vor. „Fränkin“ habe mit den Drohbriefen nichts zu tun, beteuerte der Anwalt. Auch die Richterin zeigt Zweifel an einem Zusammenhang: „Die Drohbriefe wurden am 12. und 18. April 2023 verschickt.“ Die Nachricht im Forum hatte „Fränkin“ erst Tage später, am 24. April, verschickt. „Es gibt keinen Rückschluss, dass Sie das waren“, schlussfolgert die Richterin.

Ihre Online-Nachricht wird für die Frau aus Erlangen-Höchstadt aus juristischer Sicht ohne Konsequenzen bleiben. Nach einem Rechtsgespräch einigten sich die Vertreter der Justiz darauf, das Verfahren einzustellen. Während vor Gericht kein Ergebnis gefunden werden kann, werden die Urheber der tatsächlichen Drohbriefe an die verurteilten Mörder weiterhin unbekannt bleiben. 

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