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Familienstreit eskaliert
Missbrauch und Zerstörungswut? Herzogenauracher vor Gericht
Amtsgericht Erlangen
Am Amtsgericht Erlangen musste sich ein Herzogenauracher wegen sexuellen Missbrauchs an einem Kind sowie Körperverletzung verantworten. // Anna-Lena Reif
Herzogenaurach/Erlangen – 15.000 Euro Schaden und ein umstrittener Missbrauchsvorwurf: Ein Prozess am Amtsgericht Erlangen offenbart einen eskalierten Familienstreit in Herzogenaurach.

„Kein normaler Mensch macht sowas“, erzählt die Herzogenauracherin vor Gericht. Fast die ganze Küche sei zerstört gewesen, die Scheiben an der Haustür zerbrochen, das Küchenfenster eingeschlagen, erinnert sich die zweifache Mutter. „Ich habe mich mit meinem Sohn im Waschkeller versteckt, bis die Polizei gekommen ist. Ich hatte so große Angst.“ 

Sie erinnert sich vor Gericht gut an den Tag im April 2023. Ihr ehemaliger Lebensgefährte habe ihr mit Sprachnachrichten gedroht. „Heute rettet dich niemand“, soll er ihr auf Arabisch gesagt haben. „Dann stand er vor der Tür und wollte rein“, so die Zeugin. Als sie ihn nicht in die Wohnung gelassen habe, habe er die Scheiben an der Haustür mit Werkzeug eingeschlagen, doch auch das habe nicht funktioniert. Dann habe er das Küchenfenster eingeschlagen und sei so in die Wohnung gekommen, wo er seiner Wut freien Lauf gelassen habe. 

Amtsgericht Erlangen: Angeklagter aus Herzogenaurach

15.000 Euro Schaden seien entstanden, berichtet der Vermieter vor Gericht. „Der Kühlschrank wurde umgeworfen, das Laminat beschädigt. Ich würde sagen, 60 bis 70 Prozent der Küche waren kaputt. Fast alle Elektrogeräte und die Hängeschränke“, schildert er. Der Angeklagte habe aber schon rund 7000 Euro zurückgezahlt und stottere den Restbetrag in kleinen monatlichen Raten ab, betont er.

„Das ist so passiert“, gibt auch der Angeklagte vor Gericht zu. „Ich war aufgebracht, weil mein Vater kurz zuvor gestorben war.“ Außerdem habe er seinen Sohn sehen wollen. „Er stand am Fenster und hat gerufen 'Papa, Papa'. Ich will nur meinen Sohn in meinen Armen sehen.“ 

Auf eine mögliche psychische Ausnahmesituation angesprochen, lenkt auch seine ehemalige Lebensgefährtin ein. „Es kann sein, dass er eine Depression hatte.“ Er sei eigentlich ein guter Vater, betont sie, das ehemalige Paar habe damals nur eine schwere Zeit gehabt. An einer Strafverfolgung sei sie längst nicht mehr interessiert. „Ich will nicht, dass mein Sohn ohne seinen Papa aufwächst.“

Stieftochter missbraucht? Herzogenauracher streitet Vorwurf ab

Getan ist es damit für das Gericht an diesem Tag aber nicht. Denn der Angeklagte steht noch wegen zwei weiteren Punkten vor Gericht – und diese will er nicht zugeben. 2018 soll er die damals 13-jährige Tochter seiner Lebensgefährtin an der Brust berührt haben. Die inzwischen 19-Jährige zeigt sich vor Gericht extrem nervös, unterbricht ihre Erzählungen immer wieder und gibt an, sich an vieles nicht zu erinnern. 

Am besagten Tag soll sie in ihrem Zimmer Playstation gespielt haben, als ihr Stiefvater hereinkam, um ihr einen Schokoriegel zu geben. „Er ist dann nochmal rausgegangen und dann wieder hereingekommen. Er hat mir etwas ins Ohr geflüstert, dann hat er mich am Brustansatz berührt“, berichtet sie. Was genau er gesagt habe, daran könne sie sich heute nicht mehr erinnern. „Sie müssen wissen, das ist so lange her“, erklärt sie mehrfach.

Faustschlag ins Gesicht: Ex-Partnerin sagt aus 

Auch Aussagen, die sie zwei Jahre zuvor bei der Polizei getätigt hatte, seien so nicht korrekt. Damals hatte sie laut Protokoll davon gesprochen, dass der Angeklagte ihre Brüste massiert haben soll. „Ich weiß nicht, was ich da gesagt habe, aber das stimmt nicht“, gibt sie zu. Stattgefunden habe der Vorfall aber ganz sicher. „Ich wusste, es ging schon zu weit“, erklärt sie. „Da habe ich schon Schaden davon genommen.“ Heute belaste der Vorfall sie jedoch nicht mehr.

Der Angeklagte bestreitet vehement, seine Stieftochter jemals auf diese Art berührt zu haben. „Ich weiß nicht, ob sie in Behandlung war, aber sie hatte schon früher Probleme. Sie hat sich manchmal Sachen vorgestellt, die nicht wahr waren“, behauptet er. Noch während des Verfahrens zieht die Staatsanwaltschaft den Anklagepunkt schließlich zurück. 

Die Mutter des Mädchens, die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten, bringt neben der Verwüstung ihrer Wohnung noch einen weiteren Punkt vor. So soll ihr Partner sie 2021 in der Küche der gemeinsamen Wohnung mit der Faust auf den Mund geschlagen haben – während sie ihren etwa einjährigen Sohn auf dem Arm hielt. „Er war wütend, weil ich das Essen nicht rechtzeitig auf den Tisch gebracht hatte, weil ich mit dem Kind beschäftigt war“, erklärt sie. 

Gericht vertagt Urteil

Das sei nicht das einzige Mal, dass es zu körperlicher Gewalt gekommen sei. „Am Anfang hat er mich öfter geschlagen“, berichtet die Zeugin. Meist aber eher an der Schulter, nur dieses eine Mal ins Gesicht. Es hätte oft Streit gegeben in der Beziehung. Diesen Teil räumt der Angeklagte vor Gericht ein. „Wir haben sehr laut gestritten, die Nachbarn haben sich immer beschwert“, sagt er. Gewalt habe es ihm zu folge jedoch nie gegeben. 

Zwar gibt die Zeugin vor Gericht schließlich an, dass sie keine Bestrafung für den Angeklagten wünscht. „Ich habe ihm verziehen, wegen meinem Sohn. Ich will mein neues Leben anfangen und wir wollen nur unsere Ruhe“, sagt sie. Zu einem Urteil kommt die Richterin an diesem Tag jedoch noch nicht. Die Verhandlung wird Mitte März fortgesetzt. 

 

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