Wenn es brennt, dann kommt die Feuerwehr und löscht. Doch so selbstverständlich, wie das klingt, ist es nicht.
Damit die Feuerwehr Menschen in Not schnell helfen kann, braucht sie nicht nur genügend freiwillige und gut ausgebildete Helfer. Sondern auch eine Menge Ausstattung und Vorbereitung im Hintergrund.
Der FT hat deswegen mal näher hingeschaut: Was brauchen Hilfs- und Rettungsorganisationen wie die Feuerwehr für ihre Arbeit – und welchen Wert hat ihre Ausstattung? Klar ist: Im Ernstfall ist die Technik, die beim Löschen, Retten und Bergen hilft, unbezahlbar wertvoll.
Dennoch gibt es auch ganz nüchterne Zahlen, die hinter dem Equipment stehen und die kennt Rainer Weber, Kommandant der Feuerwehr Herzogenaurach. So repräsentiert etwa ein Feuerwehrhaus einen Wert von 1 bis 1,2 Millionen Euro – und zwar pro Fahrzeugstellplatz.
Theorie und Praxis der Feuerwehr
Darin eingerechnet ist alles, was dazu gehört: Fundament, Mauerwerk, Dach, Wasser- und Elektroinstallation, Büroräume, Sanitäranlagen, Rolltore und so weiter. Das bedeutet, dass man beispielsweise für den Bau eines Feuerwehrhauses mit fünf Fahrzeugstellplätzen Kosten von fünf bis sechs Millionen Euro kalkulieren muss.
Das Feuerwehrhaus beherbergt aber nicht nur die Einsatzfahrzeuge: Der Kommandant verfügt über ein Büro für Planungs- und Verwaltungsarbeiten. In Schulungsräumen werden die Feuerwehrleute unterrichtet.
Bei den regelmäßigen Schulungen geht es etwa darum, wie eine Pumpe funktioniert und wie sie bedient werden muss oder wie man ein brennendes Fahrzeug am besten löscht. Erst nach der Vermittlung der Theorie macht es Sinn, das Gelernte bei Übungen praktisch auszuprobieren.
Damit die Gerätschaften immer funktionsbereit sind, wird neben einer Atemschutzwerkstatt und einer Schlauchwaschanlage auch eine Werkstatt für den Gerätewart benötigt, der sich um die Fahrzeuge und die Pumpen kümmert. Diese werden regelmäßig geprüft, gewartet und mitunter auch repariert.
Fast 8000 Feuerwehrgerätehäuser in Bayern
Natürlich sind auch Räumlichkeiten vorhanden, die es so ähnlich auch in anderen Gebäuden gibt und die nicht typisch für Feuerwehrhäuser sind. Etwa Lager- und Abstellräume, Toiletten, Duschen, ein Foyer und Treppenhäuser.
Laut Angaben des Bayerischen Innenministeriums gibt es in Bayern insgesamt 7950 Feuerwehrgerätehäuser – von der Dorffeuerwehr, die lediglich über einen Anhänger verfügt, bis zu Berufsfeuerwehren mit mehreren Standorten in großen Städten wie etwa Nürnberg und München.
Das Herzstück jedes Feuerwehrhauses ist die Fahrzeughalle, in der die roten Einsatzfahrzeuge geparkt werden. Die Feuerwehr Herzogenaurach kann hier auf 20 Stellplätze in zwei Gebäudeteilen zurückgreifen.
Zu jedem Stellplatz gehören ein automatisches Sektionaltor, ein Stromanschlusskabel und eine Abgasabsaugung. Mit dem Stromkabel, das von der Decke hängt, werden die Einsatzfahrzeuge stetig mit Strom versorgt – damit im Ernstfall nicht die Batterie leer ist und sich die Fahrzeuge dann nicht mehr starten lassen.
Die Abgasabsaugung sorgt dafür, dass die Halle, durch die die Feuerwehrleute vor einem Einsatz zu den Fahrzeugen eilen, beim Starten der Motoren frei bleibt von Auspuffrauch und giftigen Abgasen.
Im Herzogenauracher Feuerwehrhaus werden zentral die Atemschutzgeräte für 25 Feuerwehren des Landkreises ERH gewartet, gereinigt, neu befüllt und geprüft. Dazu verfügt das Feuerwehrhaus über eine Atemschutzwerkstatt, in der täglich gearbeitet wird.
Wenn die Atemschutzgeräte nach einem Brandeinsatz in die Werkstatt kommen, wird zunächst der grobe Schmutz von Hand mit Wurzelbürste und Wasser abgeschrubbt. Der Lungenautomat und die Gesichtsmaske werden zerlegt und kommen in eine Art großen Geschirrspüler.
Nach der Desinfektion der Teile folgt der Trockenschrank, der die Feuchtigkeit von der Reinigung aus den Bauteilen holt. Zum Schluss baut der Gerätewart die Atemschutzgeräte wieder zusammen und prüft ihre Funktionsfähigkeit.
An einer bestimmten Stelle des Feuerwehrhauses schaut es ein bisschen aus wie in einem Folterkeller. Hier befindet sich die Atemschutzlehrstrecke für den gesamten Landkreis.
Jeder Atemschutzgeräteträger muss mindestens einmal pro Jahr die Atemschutzbelastungsübungsanlage durchlaufen. Darin befindet sich zum Beispiel eine Endlosleiter, die funktioniert wie ein Laufband oder eine Rolltreppe: Während der Proband in voller Montur, die er zuvor angelegt hat, die Leiter hochsteigt, fahren die Sprossen kontinuierlich nach unten.
Es folgt ein Labyrinth-Tunnel aus Gitterkäfigen, durch den sich die Feuerwehrleute bei Dunkelheit ihren Weg suchen müssen. Dazu wird der Raum von einer Nebelmaschine komplett „verraucht“.
Unterwegs lauern Hindernisse wie ein Autoreifen quer im Tunnel, der überklettert werden muss. Das Ziel: Die Belastung des echten Einsatzfalls simulieren, bei dem zum Beispiel ein Schrank in einen verrauchten Flur gekippt sein könnte.
Die Schlauchwaschanlage im Herzogenauracher Feuerwehrhaus ist rund 20 Meter lang. Auffälligstes Bestandteil: Eine lange Wanne aus glänzendem Edelstahl, in der die Schläuche der Länge nach ausgelegt werden können.
Jeder Schlauch, so erklärt es Rainer Weber, muss mindestens einmal im Jahr mit dem Höchstdruck von 15 bar abgedrückt werden – und zusätzlich nach jedem Einsatz. Damit wird überprüft, ob die Schläuche dem Wasserdruck im Einsatzfall noch gewachsen sind.
Zeigen sich undichte Stellen, kann ein Schlauch womöglich noch durch geschicktes Kürzen der Länge von 20 Meter auf 15 Meter weiter verwendet werden. Wenn das nicht mehr möglich ist, wird der fragliche Schlauch aussortiert.
Zusätzlich sind an der Schlauchwaschanlage Hochdruckwasserdüsen verbaut, mit denen die Außenseite der benutzten Schläuche vom Dreck und Schmutz der Einsatzstelle befreit wird. Die komplette Schlauchwaschanlage repräsentiert einen Gegenwert von rund 70.000 Euro, schätzt der Kommandant.
Der Schlauchturm ist das markanteste Merkmal eines Feuerwehrhauses und weithin sichtbar. Der Turm des Herzogenauracher Feuerwehrhauses ist 25 Meter hoch und dient dazu, die frisch gereinigten Feuerwehrschläuche trocknen zu lassen.
Wenn man sie nass ins Feuerwehrauto verladen würde, könnten sie schimmeln. Bei neuen Feuerwehrhäusern würde man heute auf den Bau eines Schlauchturms verzichten, meint Rainer Weber. Denn heutzutage seien Kompaktschlauchpflegeanlagen üblich, in denen die Schläuche nicht nur gewaschen, sondern in einer Art überdimensioniertem Wäschetrockner auch gleich getrocknet werden können.
Diese Anlagen kosten zwischen 50.000 und 100.000 Euro und arbeiten schneller als die natürliche Trocknung im Schlauchturm, die mindestens drei Tage dauert. Dafür ist die mechanische Abnutzung des Schlauchmaterials höher und die Anlage verbraucht mehr Energie.
Lesen Sie auch:

















