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Pommersfelden
Zweite Chance vergeigt: Mitarbeiter bestiehlt Bäckerei
Für den vom Amtsgericht Bamberg verurteilten Dieb heißt es in Zukunft wieder kleinere Brötchen backen.
Für den vom Amtsgericht Bamberg verurteilten Dieb heißt es in Zukunft wieder kleinere Brötchen backen. // Symbolbild: Michel Euler/AP/dpa
Signet des Fränkischen Tags von Udo Güldner
Pommersfelden – Nach einer Haftstrafe erhält ein 41-Jähriger die Chance auf eine berufliche Perspektive. Doch der Facharbeiter gerät erneut auf die schiefe Bahn. Im anschließenden Prozess zeigt er sich kaum einsichtig.

Aus einer Bäckerei in Pommersfelden verschwindet über Monate hinweg Kleingeld. Zunächst glaubt man an eine harmlose Erklärung.

Dann stellt sich heraus, dass ein Mitarbeiter den Betrieb systematisch bestiehlt. Am Ende fehlen rund 6.500 Euro in der Kasse.

Jetzt musste sich der 41-Jährige aus dem Landkreis  Bamberg vor dem Amtsgericht Bamberg verantworten. Es ging um teure Tattoos, einen Müllsack voller Münzen und eine zutiefst enttäuschte Chefin.

Einmal pro Woche bringt ein Mitarbeiter das Wechselgeld zur Bank. Vier bis fünf Safebags voller Münzen sind es.

Diebstahl verschleiert

Eines Tages fällt ihm auf, dass einer der Safebags viel zu leicht ist. Jemand hat etwas herausgenommen – und auch an den Etiketten stimmt etwas nicht.

„Der Kollege hat festgestellt, dass es keine unserer drei ,Büroschriften‘ war“, sagt die Chefin. Intern beginnen die „Ermittlungen“, wer Zugang zu den Geldtaschen hatte.

Ein Schriftvergleich bringt Gewissheit. Ausgerechnet einer der zuverlässigsten Mitarbeiter, nennen wir ihn Reinhold, ist nachts irgendwie ins Büro gekommen und hat sich Hartgeld unter den Nagel gerissen.

Dazu hat er die Spinde seiner Kollegen durchwühlt, um an einen Schlüsselchip zu kommen. Dann entnahm er Kleingeld und steckte den Rest in neue, selbst beschriftete Safebags, damit der Diebstahl nicht so leicht auffällt.

Ein Tag in Untersuchungshaft

„Es war kurz vor Weihnachten und wir hatten keine Beweise, dass er das Geld gestohlen hatte. Man behält Reinhold im Auge, um ihn auf frischer Tat zu ertappen.

Nach den Feiertagen ist es wieder soweit. Als der Dieb seine Beute wieder in einen Münzautomaten in Hirschaid einwerfen will, schnappt die Falle zu.

Reinhold wird festgenommen und kommt für einen Tag in Untersuchungshaft. Im Helmfach seines Mopeds findet die Polizeistreife einen Müllsack voller Geld.

Auch zu Hause hat Reinhold noch „Reserven“ herumliegen. Insgesamt sind es rund 3000 Euro in Münzen und noch einmal 3000 Euro in Scheinen.

Vertraunsbruch mit Chefin der Bäckerei

Letztere stammen angeblich aus einem Nebenjob. Ob das stimmt, ist fraglich.

Jedenfalls hat er immer wieder krumme Beträge über den Münzautomaten auf sein eigenes Konto eingezahlt und anschließend sofort wieder in Scheinen abgehoben. Der Vertrauensbruch wiegt umso schwerer, als man Reinhold nach einem längeren Gefängnisaufenthalt geholfen hatte, wieder Fuß zu fassen.

Urteil am Amtsgericht Erlangen

Das Amtsgericht Erlangen verurteilte ihn im Oktober 2019 wegen Fälschung beweiserheblicher Daten in 92 Fällen zu zwei Jahren und drei Monaten. Das Familienunternehmen stellt ihn nach seiner Entlassung aus der Justizvollzugsanstalt Bayreuth im August 2021 nicht nur ein.

Man besorgt dem gefragten Fachmann mit jahrzehntelanger Erfahrung auch eine günstige Wohnung. Und dann das: „Wir sind menschlich schwer enttäuscht.“

Um Schadensbegrenzung zu betreiben, behält die Chefin das Dezembergehalt ein. Da sei gleich ein Anwaltsschreiben gekommen, dass man das nicht dürfe. „Das haben wir einfach ignoriert“ und fristlos gekündigt.

Das könnte weiteren Ärger bedeuten, denn Reinhold hat das letzte Drittel seiner Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt bekommen. Allerdings nur, wenn er sich eine Arbeitsstelle sucht und diese nicht gefährdet.

Obwohl Reinhold bei der Firma, die er bestohlen hat, rund 2100 Euro netto verdient und sich als Hausmeister noch etwas dazuverdient, reicht das Geld nicht. Glaubt man ihm, liegt das an seiner damaligen Freundin: „Er wollte ihr mehr bieten, als er konnte“, sagt sein Anwalt Maximilian Glabasnia aus Bamberg.

Von allerlei Extravaganzen ist die Rede, unter anderem von teuren Tätowierungen, aber auch von einer schicken Wohnung. „Er wollte die Beziehung retten, und sie hat ihn ausgenommen wie eine Weihnachtsgans."

Am Ende verhängte Strafrichterin Magdalena Becker gegen Reinhold eine Freiheitsstrafe von 14 Monaten, die trotz des zehnfachen gewerbsmäßigen Diebstahls zur Bewährung ausgesetzt wurde. Das lag daran, dass er alle Taten gestanden hatte und der Schaden mit dem bei ihm gefundenen Geld vollständig beglichen werden konnte.

Außerdem hat er sich von seiner geliebten Partnerin getrennt, ist aus Kostengründen wieder bei seiner Mutter eingezogen und arbeitet wieder, übrigens in der gleichen Branche, wenn auch etwas weiter weg. „Das klingt, als hätten Sie Ihr Leben wieder im Griff“, sagt Richterin Becker.

In den nächsten drei Jahren darf sich Reinhold nichts mehr zu Schulden kommen lassen. Er bekommt einen Bewährungshelfer zur Seite gestellt.

Und er muss eine Geldauflage von 1.500 Euro an die Fachambulanz für Sexual- und Gewaltstraftäter der Caritas Würzburg zahlen. Damit sich das Urteil nicht wie ein Freispruch anfühlt.

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