Wenn Thomas Heideloff, Rettungsdienst-Leiter beim BRK Erlangen-Höchstadt, zum 31. März in den Ruhestand tritt, endet eine beeindruckende Karriere: 46 Jahre hauptamtlicher Dienst im Rettungsdienst, dazu viele weitere Jahre ehrenamtliches Engagement. „Nicht Beruf, sondern Berufung“ – so beschreibt er seine Arbeit.
Er hat die Entwicklung der Notfallmedizin aus erster Reihe mitverfolgt, von den Anfängen mit einem einfachen Wagen, einer Trage und einem Verbandskasten bis hin zu den hochmodernen Rettungswagen von heute.
BRK Erlangen-Höchstadt: Thomas Heideloff geht in Ruhestand
Seine erste Ausrüstung? Eine Sporttasche mit Sauerstoffgerät und eine Werkzeugtasche für Medikamente. „Wenn man die falsch öffnete, fielen alle Medikamente heraus“, erinnert sich Heideloff schmunzelnd.
Er erlebte, wie die ersten EKG-Geräte in den Einsatz kamen − damals noch 20 Kilogramm schwer. Heute ist die Ausrüstung auf einem ganz anderen Niveau: Digitale Systeme, modernste Technik und perfekt ausgestattete Rettungswagen. „Diese Entwicklung war faszinierend, mitzugestalten.“
Industriekaufmann bei Schaeffler in Herzogenaurach
Heideloff wurde am 29. März 1958 in Ulm an der Donau geboren. 1968 zog er nach Herzogenaurach, wo er seine neue Heimat fand. Nach dem Abschluss der Realschule und dem Erwerb der Mittleren Reife absolvierte er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Schaeffler in Herzogenaurach. Später arbeitete er zwei Jahre in der Auftragsbearbeitung der chemischen Industrie in Erlangen.
Doch sein eigentliches Interesse galt stets der Arbeit mit Menschen. Als er hauptamtlich beim Bayerischen Roten Kreuz im Bereich Rettungsdienst einstieg, wusste er, dass er seine wahre Berufung gefunden hatte. Schon 1976 gründete er eine Schnelleinsatzgruppe mit ehrenamtlichen Helfern. Sein Weg führte ihn weiter nach Erlangen, wo er Einsatzleiter wurde.
BRK-Gesamtleitung für den Landkreis Erlangen-Höchstadt
Später übernahm er die organisatorische Leitung des Rettungsdienstes, bis er schließlich die Gesamtleitung für den Landkreis Erlangen-Höchstadt innehatte. Unter seiner Führung entwickelte sich der Rettungsdienst in der Region zu einer der leistungsstärksten Organisationen. Rettungswachen in Erlangen, Höchstadt, Herzogenaurach, Baiersdorf und Heroldsberg wurden koordiniert.
Besonders wichtig war ihm die enge Zusammenarbeit mit anderen Organisationen wie der Feuerwehr und der Polizei. „Man steht gemeinsam in der Verantwortung. Die Feuerwehr in Erlangen betonte immer, wie gut die Zusammenarbeit mit uns läuft, und das macht mich stolz.“
Herausforderungen des Berufs
Das Schöne an seinem Beruf war für Heideloff immer das Arbeiten im Team. „Egal ob im Rettungswagen mit drei Leuten oder im Krankenwagen mit zwei, es geht nur gemeinsam.“
Doch es gab auch schwierige Momente. „In den Jahrzehnten habe ich unzählige Notfälle erlebt, Tote gesehen, Schwerverletzte, Sterbende.“ Manchmal habe es ihn belastet, wenn er nicht mehr helfen konnte. Doch der Antrieb, anderen Menschen in Not zu helfen, war immer stärker.
Problem: Zunehmende Bürokratie
Ein weiteres Problem sei die zunehmende Bürokratie. „Früher konnten wir oft einfacher und direkter helfen, heute wird vieles von wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Entscheidungen beeinflusst.“
Auch die Frage, wie sich der Rettungsdienst in Zukunft entwickeln wird, beschäftigt ihn. „Wir müssen das Ehrenamt stärken, denn ohne Freiwillige ist der Katastrophenschutz nicht zu stemmen.“ Ein Thema, das Heideloff besonders am Herzen liegt, ist die Effizienz der Rettungskette. „Zu oft wird der Rettungsdienst für unnötige Einsätze gerufen, und dann fehlt ein Wagen dort, wo er wirklich gebraucht wird.“
Besonders nachts sei die Zahl der verfügbaren Rettungsfahrzeuge begrenzt. In Erlangen stehen dann gerade einmal zwei Rettungswagen, ein Krankenwagen und ein Notarzt zur Verfügung. „Es ist bitter, wenn ein Wagen für eine Bagatelle blockiert ist, während andernorts ein echter Notfall eintritt.“
Trotz dieser Herausforderungen bleibt er positiv gestimmt. „Wenn man einem Notfallpatienten helfen kann, lebend in die Klinik zu kommen, dann ist das einfach toll.“
Jugendschöffe am Amtsgericht Erlangen
Auch im Ruhestand wird Heideloff dem Rettungsdienst treu bleiben. Er plant, sich weiter ehrenamtlich zu engagieren, unter anderem in der Bereitschaft Erlangen und im Katastrophenschutz. Darüber hinaus wird er als Jugendschöffe am Amtsgericht Erlangen tätig sein.
Doch er freut sich auch darauf, endlich einmal Zeit für sich zu haben.
Ruhestand, nicht Stillstand
„Ich möchte mal ein Buch in Ruhe lesen oder einfach tun, was ich will – nicht, was ich muss.“ Und vielleicht genießt er dabei auch mal ein irisches Getränk zu seiner Lieblingsmusik. Denn eines ist sicher: Der Ruhestand bedeutet für Thomas Heideloff keineswegs Stillstand.












