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Rundflug über die Region
Trotz Herzfehler so tapfer: Nicos großer Wunsch erfüllt sich
Für Nico ist es quasi der erste Flug seines Lebens. Er saß zwar ein einmal in einem Hubschrauber, war allerdings zu jung, um sich noch daran zu erinnern.
Für Nico ist es quasi der erste Flug seines Lebens. Er saß zwar ein einmal in einem Hubschrauber, war allerdings zu jung, um sich noch daran zu erinnern. // Foto: Martin Landeck
Herzogenaurach, Gräfenberg – Nico aus Gräfenberg hat einen angeborenen Herzfehler. Jahrelang prägen Operationen, Klinikaufenthalte und Untersuchungen sein Leben. Jetzt macht ein Flugverein dem 10-Jährigen ein besonderes Geschenk.

Angeschnallt und mit aufgesetzten Kopfhörern grinst der blonde Junge fröhlich in die Kamera und reckt den Daumen hoch. Dann wird die Tür zugemacht. Das Kleinflugzeug rollt auf die Landebahn des Flugplatzes in Herzogenaurach. Nico Kögel, zehn Jahre, aus Gräfenberg, hebt ab.

Nico ist ein „Herzkind“ der Kinderherzen Stiftung Erlangen. Bei ihm wurde der sogenannte „Shone-Komplex“ diagnostiziert – eine Kombination von angeborenen Herzfehlern. Er und auch andere herzkranke Kinder, die von der Kinderherzen Stiftung unterstützt werden, haben am Donnerstag die Gelegenheit gehabt, an Rundflügen über der Region teilzunehmen.

Nico und Bettina Kögel (beide in der Mitte) begutachten das Flugzeug aus der Ferne. Trotz Flugangst ist Mama Kögel für ihren Sohn ins Flugzeug gestiegen.
Nico und Bettina Kögel (beide in der Mitte) begutachten das Flugzeug aus der Ferne. Trotz Flugangst ist Mama Kögel für ihren Sohn ins Flugzeug gestiegen. // Foto: Martin Landeck

Nico sitzt an diesem Tag zum ersten Mal in einem Flugzeug. „Das ist eigentlich mein erster Flug“, sagte er auf dem Flugplatz. „Ich bin schon mal mit einem Hubschrauber geflogen. Da war ich aber noch klein und kann mich nicht mehr daran erinnern.“

Von Herzogenaurach aus ging es an diesem Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein nach Nürnberg und zurück. „Das ist alles so klein“, sagt der Junge beim Blick aus dem Flugzeug. Aus etwa tausend Meter Höhe erscheint der meterhohe Ball bei Adidas plötzlich wie ein Stecknadelkopf, die vielen Weiher, wie kleine Regenpfützen.

Euphorische Gesichter nach dem Flug. Für Mutter und Sohn war der Flug ein ganz besonderes Erlebnis.
Euphorische Gesichter nach dem Flug. Für Mutter und Sohn war der Flug ein ganz besonderes Erlebnis. // Foto: Martin Landeck

Schweizer Verein „Strong Wings“ steigt für Herzkinder in die Lüfte

Möglich gemacht hat den beflügelnden Ausflug ein Verein aus der Schweiz. Die kostenlosen Aktionen von „Strong Wings“ aus Bern richten sich vor allem an Menschen mit besonderen Schicksalsschlägen. Der Verein finanziert sich vollständig aus Spenden. Normalerweise sind die Ehrenamtlichen in der Schweiz und in Österreich tätig. Am Mittwoch und Donnerstag haben sie ihre starken Flügel nun zum zweiten Mal nach Deutschland gebracht. Beat Fankhauser, der Vorsitzende des Vereins, war früher oft beruflich in Mittelfranken und hat das Ganze mithilfe eines Bekannten aus der Region organisiert.

Zwei Tage lang war der Betrieb am Flughafen sehr geschäftig – denn Fankhauser und sein Team sind ihn mehreren Touren in die Lüfte gestiegen. Insgesamt haben sie etwa 50 Menschen, von der Kinderherzen Stiftung, dem Nürnberger Verein für Menschen mit Behinderungen sowie Diakoneo aus Bruckberg befördert. Der Name des Vereins ist dabei Programm. „Strong Wings“ möchte Menschen durch das Fliegen neue Perspektiven geben sowie Mut und Selbstbewusstsein schenken.

Beat Fankhauser ist der Vorsitzende des Vereins Strong Wings.
Beat Fankhauser ist der Vorsitzende des Vereins Strong Wings. // Martin Landeck

Herzkrank geboren und Dauergast im Krankenhaus

Mut und Selbstbewusstsein hat der Nico Kögel schon von Natur aus mitgebracht. Auf dem Schoß des Jungen fliegt der Kinderherzen-Bär mit. Das kleine Stofftier hat eine aufgenähte OP-Naht auf seiner Brust. Sie verweist ohne Worte darauf, was herzkranke Kinder wie Nico und deren Familien durchmachen. Denn der Zehnjährige hat seit einem turbulenten Start ins Leben schon einiges mitgemacht. Seine Geschichte wird auf der Website der Kinderherzen Stiftung erzählt. Schon wenige Tage nach der Geburt musste er als Säugling operiert werden, weil sein Körper wegen des Herzfehlers nicht ausreichend durchblutet wurde. Dem folgten über Jahre hinweg unzählige Untersuchungen, viele Tage und Wochen als Dauergast im Universitätsklinikum in Erlangen.

Nach vier Korrekturen und einer großen Operation gilt sein Herz heute als „korrigiert“. Als geheilt werden herzkranke Menschen in der Regel nie bezeichnet. In den nächsten Jahren wird er wohl eine neue Herzklappe bekommen müssen. Im Moment kann Nico ein ganz normales Kinderleben, ohne Medikamente und Hilfsmittel führen und muss mittlerweile nur noch einmal im Jahr zur ärztlichen Kontrolle.

Nico Kögel vor dem Flieger aus der Schweiz.
Nico Kögel vor dem Flieger aus der Schweiz. // Foto: Martin Landeck

Mutter überwindet Flugangst: „Nico beeindruckt mich immer wieder“

Neben dem Teddybären auf seinem Schoß hat Nico außerdem seine liebste Begleiterin und ständige Beschützerin, seine Mutter Bettina Kögel, mitgebracht. Ihrem Sohn zuliebe würde sie vermutlich jedes Hindernis überwinden. Nico ist nämlich nicht wegen seiner Krankheit noch nie geflogen, sondern weil seine Mutter unter Flugangst leidet. Trotzdem hat die taffe Frau für ihren Sohn überwunden und ist ins Flugzeug eingestiegen.  

Aber, was würde sie nicht für ihren Sohn tun? „Nico beeindruckt mich immer wieder“, sagt Kögel über den Optimismus ihres Sohnes. Jetzt sitzt das eingeschworene Mutter-Sohn-Gespann sogar im Kleinflugzeug. Von oben gesehen, ist der Nürnberger Bahnhof so klein, als hätte jemand eine Miniatur-Modelleisenbahn gebaut. 

Zurück auf dem Flugplatz angelangt, wartet der Rest der Familie schon gespannt. „Es war toll“, berichtet Nico seinem Vater und den beiden jüngeren Schwestern. Die drei dürfen als nächste an der Flugtour teilnehmen.

Nicos Schwestern durften zusammen mit Vater Kögel auch bei einer Tour mit dabei sein.
Nicos Schwestern durften zusammen mit Vater Kögel auch bei einer Tour mit dabei sein. // Foto: Martin Landeck

Familien mit herzkranken Kindern kämpfen mit vielen Belastungen

Wer sich heute auch auf dem Flugplatz befindet, ist Antonia Rogler, die Leiterin der Kinderherzen Stiftung. Sie ist am Vormittag selbst mit ihrer Pflegetochter geflogen. „Es war super“, erzählt sie über die einmalige Gelegenheit. Rogler hat vor etwa einem Jahr die Leitung der Stiftung übernommen. Sie kennt viele der heutigen Fluggäste aus ihrer Zeit als Intensivkrankenschwester am Universitätsklinikum in Erlangen. Wie keine andere kennt sie darum das Schicksal der Familien herzkranker Kinder: Die wohl nie endenden Sorgen der Eltern. Endlos scheinende Krankenhausaufenthalte. Nadeln, Kabel und große Narben. Eine ständige Betreuung und monatelange stationäre Behandlungen stellen Eltern zudem oft vor finanzielle Herausforderungen.

Der Flug in Herzogenaurach soll nicht der Letzte für die Familie Kögel gewesen sein. „Wenn du das schaffst, dann musst du mit uns in den Urlaub fliegen“, haben die Kinder zu ihrer Mutter gesagt. Nico hat auch schon ein Ziel für die nächste Flugreise vor Augen. „Wir können ans Meer fliegen. Nach Spanien", schlägt er vor.

 

Die Kinderherzen Stiftung Erlangen ist eine Anlaufstelle, bei der Betroffene Beratung und Unterstützung finden können. Darüber hinaus bietet die Kinderherzen Stiftung Angebote und Projekte an, die über die medizinische Diagnostik hinausgehen, zum Beispiel schonendere Behandlungsverfahren, persönliche Betreuung oder psychologische Nachsorge. Auch außerhalb Deutschlands ist die Organisation aktiv und versucht durch internationale Projekte die medizinische Versorgung für herzkranke Patienten in anderen Ländern zu verbessern. Weitere Informationen über die Kinderherzen Stiftung Erlangen gibt es unter www.kinderherzen.de/erlangen

Spendenkonto für die Kinderherzen Stiftung Erlangen:
kinderherzen Fördergemeinschaft Deutsche Kinderherzzentren e.V.
IBAN: DE47 3702 0500 0008 1242 00
BIC: BFSWDE33XXX
Verwendungszweck: Herzkindern helfen in Erlangen

 

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