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Neuer Betreiber gesucht
Buslinien rund um Höchstadt: Hohe Kosten und neuer Fahrplan?
Bus Vogel Höchstadt
Seit zehn Jahren fährt das Omnibusunternehmen von Werner Vogel aus Höchstadt auf den Strecken des Linienbündels zwei. Damian Breuer, Werner Vogel und Christian Knobl (von links) sind sicher: Die Neuausschreibung des Linienbündels 2 wird teuer. // Anna-Lena Reif
LKR Erlangen-Höchstadt – Neuausschreibung im ÖPNV: Der Landkreis Erlangen-Höchstadt muss wohl tief in die Tasche greifen, um verlässliche Busverbindungen zu sichern. Was auf Busfahrer in der Region jetzt zukommt.

Eigentlich ist es ein ganz normaler Vorgang: Alle zehn Jahre werden Linienbündel, das heißt einzelne Pakete von Buslinien im Landkreis, neu ausgeschrieben. So auch im kommenden Jahr. Ab 14. Dezember 2026 sucht der Landkreis Erlangen-Höchstadt einen Betreiber, der die Buslinien 202 von Rezelsdorf nach Erlangen, 202E von Weisendorf nach Erlangen, 246 von Herzogenaurach über Heßdorf und Adelsdorf nach Höchstadt sowie 251 von Rezelsdorf nach Neuhaus übernimmt. 

Im Kreistag hatte Landrat Alexander Tritthart jedoch bereits angekündigt, dass mit der Neuausschreibung mehrerer Linienbündel im Landkreis auch ein deutlicher finanzieller Mehraufwand einhergehen werde. Weil für die Linien von und nach Höchstadt kein privater Unternehmer mehr ins Risiko gehen werde, müsse der Landkreis die Kosten tragen, erklärte Tritthart damals. 

Die gestiegenen Kosten sind kein exklusives Problem des Landkreises Erlangen-Höchstadt. Im Landkreis Bamberg fielen die Angebote der Busunternehmen im vergangenen Jahr so hoch aus, dass die Ausschreibung zurückgezogen und eine Notvergabe durchgeführt werden musste, um die die Buslinien überhaupt aufrechterhalten zu können (der FT berichtete). 

ÖPNV Erlangen-Höchstadt: Linienbündel wird ausgeschrieben

Die Neuausschreibung, die in den kommenden Monaten erfolgen dürfte, wird erneut einen Konzessionszeitraum von zehn Jahren umfassen. Wie der Fahrplan dann aussehen soll, wird erst mit Veröffentlichung der Neuausschreibung klar sein. „Leichte Änderungen sind grundsätzlich möglich“, erklärt die Pressestelle des Landratsamtes auf Anfrage der Redaktion. „Ein großes Bestreben des ÖPNV des Landkreises besteht darin, möglichst keine Verbindungen zu kürzen oder den Takt der Busse zu verringern.“

Die Ausgaben für den öffentlichen Nahverkehr – hier zu sehen der Busbahnhof Schwedenschanze in Höchstadt – werden weiter steigen. Auch weil sich kein Busunternehmen findet, das Linien im Landkreis eigenwirtschaftlich betreiben möchte.
Ab Dezember 2026 ist das Linienbündel 2, das Strecken von und nach Höchstadt umschließt, neu ausgeschrieben. // Andreas Dorsch

Im Gegenteil: Einer Beschlussvorlage aus dem vergangenen Jahr zufolge empfiehlt ein Planungsbüro sogar, die Taktung auf manchen Strecken zu erhöhen, so zum Beispiel bei der Linie 202. Bisher fährt diese an Sonntagen alle zwei Stunden, die Empfehlung lautet nun jedoch, die Busse stündlich fahren zu lassen. An anderen Stellen soll auf weniger frequentierten Linien durch den Einsatz von Ruftaxis gespart werden, zum Beispiel auf den Linien 246 und 251. 

Neuvergabe wird teuer für Landkreis Erlangen-Höchstadt

Wie viel Geld der Landkreis hier genau in die Hand nehmen muss, ist derzeit noch nicht sicher. Klar ist aber wohl: Es wird teuer. Dass kein privates Unternehmen das Linienbündel eigenwirtschaftlich, also ohne staatliche Förderung, betreiben will, ist für Werner Vogel, der die Linien seit 2016 betreibt, nicht verwunderlich. „So etwas heute noch eigenwirtschaftlich zu finanzieren, ist unmöglich“, erklärt er. „Nur über den Fahrkartenverkauf geht das nicht.“

Das Landratsamt geht aber davon aus, „dass sich ein privater Anbieter für das Linienbündel Höchstadt finden wird“, sobald die Ausschreibung veröffentlicht wird.  Wenn es so weit ist, will auch Vogel sich mit seinem Busunternehmen aus Höchstadt erneut bewerben – wenn die Voraussetzungen stimmen.

Busunternehmen Vogel Höchstadt: Preisanstieg für Busse und Personalkosten

„Es hängt davon ab, was am Ende in der Ausschreibung steht“, erklärt Vogels Prokurist Damian Breuer. So könne das Landratsamt beispielsweise genau angeben, wie viele Diesel- oder Elektrobusse künftig auf den betroffenen Linien eingesetzt werden sollen. Finanziell würde das einen riesigen Unterschied machen, wie Breuer vorrechnet: Kostet ein Dieselbus je nach Anbieter und Modell um die 300.000 Euro, sind es bei einem Elektrobus rund  550.000 bis 700.000 Euro. Hinzu käme die Ladeinfrastruktur für einen Elektrobus, eine höhere Kilometerpauschale wegen geringerer Reichweite und die Kosten für den Bau einer Halle. Denn hier gibt es genaue Vorschriften. So darf zum Beispiel ein Elektrobus wegen der Brandgefahr nicht mit einem Dieselbus in der gleichen Halle stehen. 

Bus Vogel Höchstadt
Dass das Linienbündel den Landkreis in der kommenden Konzessionsperiode deutlich teurer zu stehen kommen dürfte, ist für Werner Vogel und seine Mitarbeiter klar. // Anna-Lena Reif

Doch nicht nur der Elektrobus ist teurer als der Dieselbus. „Die Preise sind in den zehn Jahren, seit wir uns das letzte Mal auf dieses Linienbündel beworben haben, auch extrem gestiegen“, erklärt Breuer. Ein Dieselbus koste heute rund ein Drittel mehr als damals. Bei rund elf Bussen, die derzeit auf dem Linienbündel im Einsatz sind, würden sich die Ausgaben mit der neuen Ausschreibung hier wohl summieren.

„Und man bekommt schwieriger Fahrpersonal. Auch die Löhne sind extrem gestiegen – zu Recht, eigentlich sollten die Fahrer auch noch viel mehr verdienen“, so Breuer. Ein Problem seien auch Veränderungen in der Gesellschaft. Immer wieder käme es zu Übergriffen auf Fahrer und Vandalismus in den Bussen. „Das ist viel mehr geworden in den letzten Jahren. Es gibt Fahrer, die haben deswegen aufgehört“, gibt Sachbearbeiter Christian Knobl zu bedenken. Der Landkreis könne hier in seiner Ausschreibung gegen wirken und beispielsweise Angaben über Innenraumkameras in den Bussen machen, wie es in Erlangen seit Kurzem die Regel sei. 

Raum Höchstadt: Zugewinn an Fahrgästen

Dass laut der Beschlussvorlage manche Linien auf Rufbusse umgestellt werden sollen, sei laut Breuer eine gute Idee, so könne der Landkreis ein wenig sparen. Insgesamt könne man auf diesen Linien aber nicht von zu wenig Kundenfrequenz sprechen – ganz im Gegenteil. „Wir sehen in den letzten zehn Jahren einen deutlichen Zugewinn an Fahrgästen“, erklärt Breuer. „Leute sagen manchmal, dass die Busse halb leer rumfahren. Aber man muss bedenken, dass der Bus vor zehn Jahren vielleicht nur zwei- oder dreimal am Tag gefahren ist und dann proppenvoll war. Heute fahren sie öfter, also sind weniger Leute in den einzelnen Bussen. Insgesamt fahren aber viel mehr Leute, als noch vor zehn Jahren.“

Wie teuer das Linienbündel den Landkreis zu stehen kommt, hängt nun also von der Ausschreibung ab, die Vogel circa Mitte des Jahres erwartet. Die Konzession soll, wie auch bisher, wieder zehn Jahre laufen, wie das Landratsamt mitteilt. Zusätzliche Linien sollen laut der Pressestelle des Landratsamtes derzeit nicht im Gespräch sein, auch wenn es „immer wieder Anfragen und Wünsche nach zusätzlichen Verbindungen“ gebe. 

Für die Fahrgäste dürfte sich die Neuausschreibung übrigens nicht unmittelbar auf die Preise auswirken, die Ticketpreise werden nämlich vom Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) vorgegeben, wie dessen Pressestelle auf Nachfrage bestätigt. Zwar würden im kompletten Gebiet des VGN die Preise anhand der prognostizierten Kostenentwicklung der Unternehmer sowie der Entwicklung des durchschnittlichen Haushaltseinkommens jährlich angepasst, mit der Neuausschreibung habe das aber nichts zu tun, erklärt ein Sprecher. 

 

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