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Paukenschlag im Aischgrund
Fischkal: Adelsdorfer Bürgermeister tritt 2026 nicht mehr an
Karsten Fischkal erklärte am Donnerstagabend, dass er bei der Kommunalwahl im März 2026 nicht mehr für das Amt des Adelsdorfer Bürgermeisters antreten will.
Karsten Fischkal erklärte am Donnerstagabend, dass er bei der Kommunalwahl im März 2026 nicht mehr für das Amt des Adelsdorfer Bürgermeisters antreten will. // Martin Regner
Adelsdorf – Seit 1948 hatte Adelsdorf erst vier Bürgermeister. Im März 2026 wird der fünfte gewählt werden müssen, denn der aktuelle Amtsinhaber Karsten Fischkal will nicht mehr antreten. Das ist der Hintergrund.

Es ist ein Paukenschlag, den der Adelsdorfer Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) am Donnerstagabend im Rahmen einer Mitgliederversammlung der örtlichen Freien Wähler verkündete. Und nein, es ging nicht etwa darum, dass er sich bei den Kommunalwahlen im März 2026 für das Amt des Landrats im Landkreis Erlangen-Höchstadt bewerben will. Diesbezügliche Ambitionen wurden Fischkal immer wieder nachgesagt. 

Nein, was Karsten Fischkal da vor den versammelten FW-Mitgliedern im Landhotel 3Kronen zu sagen hatte, war das genaue Gegenteil: Er gab nicht mehr und nicht weniger als seinen Rückzug aus der Lokalpolitik bekannt. Zur Wiederwahl als Adelsdorfer Bürgermeister wolle er im März 2026 nach dann 18 Jahren im Amt jedenfalls nicht mehr antreten, so Fischkal. 

Wahl zum Adelsdorfer Bürgermeister erstmals 2008 gewonnen

Er habe über diese Entscheidung gründlich nachgedacht und sich gefragt: „Will ich das jetzt nochmal sechs Jahre machen, mit allem, was dazu gehört? Immer unterwegs, jeden Tag auf 120 Prozent?“ Denn sich noch einmal wählen zu lassen und dann auf halber Flamme die Zeit abzusitzen, das sei seine Sache nicht, machte der langjährige Bürgermeister klar.

So sei der Entschluss gereift, nicht noch einmal für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Schließlich seien aller guten Dinge drei und dementsprechend mache er dann nach drei Amtsperioden Schluss. Jeglichen Spekulationen über die Gründe seines Rückzugs erteilte Karsten Fischkal bei dieser Gelegenheit eine Absage: „Mir geht es gut und ich bin kerngesund.“ 

Karsten Fischkal gewann die Wahl zum Adelsdorfer Bürgermeister zum ersten Mal im März 2008. Damals folgte er auf Alfons Trapp (Adelsdorfer Bürgermeister von 1948 bis 1978), Ewald Münch (von 1978 bis 1996) sowie Armin Groß (von 1996 bis 2008) und wurde somit der vierte Adelsdorfer Bürgermeister seit dem Jahr 1948. Bei der Wahl 2008 setzte sich Fischkal gegen Andreas Röckelein und Christian Dorsch durch, gegen Letzteren erst in der Stichwahl. Seitdem hat er sein Amt bei den Wahlen 2014 und 2020 jedes Mal verteidigen können. 

Bonbonproduktion von Em-Eukal im Ort gehalten

Bis zu seinem Amtsantritt war Karsten Fischkal als Geschäftsführer des ASB Regionalverbands Erlangen-Höchstadt tätig gewesen. Zu seinen ersten großen Erfolgen im neuen Amt gehörte es, das seit 1960 mit der Bonbonfabrik der bekannten Marke Em-Eukal in Adelsdorf ansässige Unternehmen Dr. C. Soldan im Ort zu halten. Dieses erwog im Jahr 2010, entweder die Produktion aus Adelsdorf zur Verwaltung nach Nürnberg zu holen – oder umgekehrt. Das Unternehmen rang sich später dazu durch, Nürnberg den Rücken zu kehren, und vergrößerte sich in Adelsdorf, wofür Fischkal hart gekämpft hatte.

Zu den ersten kommunalen Projekten in Fischkals Verantwortung zählt die Sanierung des Adelsdorfer Rathauses im Ortskern von 2009 bis 2011. In den drei Jahren der Bauzeit hatten der damals neue Bürgermeister und die Gemeindeverwaltung interimsmäßig im ehemaligen Aldi-Zentrallager arbeiten müssen, das später zu Gunsten des neuen Wohngebiets „Reuthsee“ abgerissen wurde. 

Adelsdorf: Boom bei Wohngebäuden und Einwohnerzahl

In die Ära Fischkal in Adelsdorf fällt dementsprechend ein bemerkenswerter Boom bei der Einwohnerzahl: Allein zwischen 2012 und 2019 wurden in Adelsdorf 569 neue Wohngebäude fertiggestellt. Die Einwohnerzahl legte von 2010 bis 2023 um 2245 Menschen zu; nach den jüngsten Zahlen aus dem Sommer 2023 hat die Gemeinde aktuell 9435 Einwohner im Vergleich zu 7190 im Jahre 2010. 

Maßgeblich dafür war das schon erwähnte, in Fischkals Amtszeit geplante und realisierte Wohngebiet „Reuthsee“, das zwischen 2015 und 2020 aus dem Boden gestampft wurde und das Gesicht des Adelsdorfer Südens komplett verändert hat. Im Jahre 2015 beschäftigte außerdem ein mit harten Bandagen ausgefochtener Bürgerentscheid über den Verkauf des Schulsportplatzes den Adelsdorfer Bürgermeister. Mit dem Erlös wollte dieser insbesondere umfangreiche Bau- und Sanierungsmaßnahmen in der Gemeinde finanzieren, was die Adelsdorfer am Ende mit großer Abstimmungsmehrheit möglich machten. 

Aber nicht nur auf dem Gebiet des Wohnens hat sich Adelsdorf in der Ära Fischkal weiter entwickelt: Auch bei der Nahversorgung hat sich einiges getan. Etwa die Ansiedlung einer Aldi-Filiale an der Holzäckerstraße im Jahr 2016, in deren Nachbarschaft dann 2024 der Bioladen Ebl neu eröffnet hat. Noch im laufenden Jahr 2025 ist zudem die Inbetriebnahme eines Drogeriemarkts der Kette DM geplant. 

Karsten Fischkal war 2024 Bürgermeister des Jahres

Einen besonderen Titel hat man Karsten Fischkal im Jahr 2024 verliehen: Bürgermeister des Jahres. Diese Ehrung basierte auf einer Bewertung durch eine Expertenjury aus der Kommunalpolitik und der Kommunalberatung. In der Laudatio anlässlich der Auszeichnung wurde das außergewöhnliche Engagement von Fischkal für seine Gemeinde hervorgehoben, insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit. Gehört Fischkal doch zu den größten Antreibern etwa für Nahwärmenetze in der gesamten Region. 

Natürlich galt es auch, Rückschläge und Krisen zu verkraften. Das gilt zum Beispiel für die Coronazeit, die das Leben in Adelsdorf in den Jahren 2020 bis 2022 wie in ganz Deutschland schwer traf. Zu den Schicksalsereignissen im Bürgermeisterdasein von Karsten Fischkal gehört auch das schlimme Hochwasser im Juli 2021, das im ganzen Aischgrund zwischen Bad Windsheim und Hallerndorf drastische Schäden angerichtet hat. Nur ein knappes Jahr später folgte der Brand im eigentlich frisch sanierten Adelsdorfer Schwimmbad, der im April 2022 einen Millionenschaden und viel Arbeit für den Bürgermeister hinterließ. 

Karsten Fischkal ist ein Kämpfer, der auch bei unerwarteten Schwierigkeiten nicht so leicht aufgibt. Bei der Bewerbung um das fünfte Gymnasium im Landkreis Erlangen-Höchstadt ging Adelsdorf dennoch am Ende leer aus: Die Standortentscheidung fiel im Januar 2025 zu Gunsten des Heßdorfer Ortsteils Hannberg.

Zu Fischkals bis heute unerfüllten Wünschen gehört eine Direktbusverbindung von Höchstadt über Adelsdorf nach Forchheim entlang der B470 ohne Umsteigen in Zeckern. Dafür kämpfte Fischkal immer unermüdlich und bei jeder sich bietenden Gelegenheit, allerdings bislang ohne Erfolg. 

Und auch die vielen Unfälle entlang der B470, die der Adelsdorfer Bürgermeister seit Jahren beklagt und deswegen auf Abhilfe zum Beispiel in Form von Tempolimits und Kreisverkehren an der Bundesstraße drängt, werden vermutlich wohl auch seinen 2026 gewählten Nachfolger im Rathaus noch beschäftigen. 

Auch im benachbarten Höchstadt endet nach der Kommunalwahl 2026 eine Ära: Gerald Brehm hat bereits vor geraumer Zeit bekannt gegeben, nicht mehr als Bürgermeister von Höchstadt zu kandidieren. In Heßdorf wird bereits im Mai 2025 ein neuer Bürgermeister gewählt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Horst Rehder kürzlich aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten ist. 

 

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