Die Löwenbrauerei im Adelsdorfer Ortsteil Neuhaus/Aisch samt Gasthaus und Hotel gehören zu den gastronomischen Institutionen im unteren Aischgrund. Jetzt plant Hans-Günter Wirth, das familiengeführte Hotel in einen Neubau am Ortsrand von Neuhaus in Richtung Heppstädt zu verlagern. Doch gegen diesen Plan regt sich Widerstand in den beiden Dörfern.
Ende Januar waren die Planungen für das neue Wellness-Hotel mit dem Namen „Resort Neuhaus“ bereits Thema im Gemeinderat von Adelsdorf. Damals fand die Bauleitplanung zur Änderung des Adelsdorfer Flächennutzungs- und Landschaftsplans zur Ermöglichung des Hotel-Neubaus breite Zustimmung im Ratsgremium. In der Sitzung wurde unter anderem der „unternehmerische Mut“ des Hoteliers gelobt.
Gegner des Neuhauser Hotel-Neubaus wollen zum Nachdenken anregen
Georg Spielberger, der in Neuhaus wohnt, ist allerdings gegen das Projekt, wie er im Gespräch mit dem Fränkischen Tag erklärt. Er und weitere Kritiker des Hotel-Neubaus haben nach seinen Angaben in fünf Tagen in Neuhaus und Heppstädt rund 200 Unterschriften von Bürgern gesammelt, die die Pläne ebenfalls kritisch sehen.
„Wir wollen die Gemeinderäte damit zum Nachdenken anregen“, meint Spielberger. Denn das Baugrundstück für das geplante Hotel grenze an ein Vogelschutzgebiet „und die Touristen kommen zum Teil deswegen zu uns in den Aischgrund, um sich hier die Vogelwelt anzuschauen.“
Außerdem, so Spielberger weiter, sei geplant, das Oberflächenwasser, das etwa bei Regen von Hof- und Wegflächen oder von den Dächern des Hotelgebäudes abfließt, über Gräben in naheliegende Karpfenweiher zu leiten. Hier befürchtet Spielberger, der selbst Karpfenteiche bewirtschaftet, dass diese dann verschmutzt werden könnten.
Der Landwirt Wilfried Funke betreibt in der Nachbarschaft des angedachten Hotelstandorts seit rund zehn Jahren eine Trocknungsanlage, wie er gegenüber dem Fränkischen Tag erklärt. Diese habe seine Familie damals bewusst außerhalb des Dorfs am östlichen Ortsrand errichtet, weil durch die Trocknung Gerüche entstehen können. Je nach Trockungsgut riecht es etwa nach Zitronenmelisse, Pfefferminze, Lauch, Zwiebeln oder Baldrian.
Gäste des neuen Hotel könnten verschiedene Gerüche abbekommen
Jetzt befürchtet Funke, dass sich die späteren Hotelgäste womöglich durch diese Gerüche belästigt fühlen könnten – und er infolgedessen Ärger mit dem Hotelbetreiber bekommen könnte. Denn das neue Hotel solle genau in der Hauptwindrichtung errichtet werden. Funkes Trocknungsanlage läuft seinen Angaben nach von Mitte April bis Anfang Dezember rund 16 Stunden pro Tag.
„Das ist auch mit einer gewissen Geräuschentwicklung verbunden“, so Funke weiter. Nicht zuletzt argumentiert Georg Spielberger damit, dass die Erschließungskosten für den Hotel-Neubau womöglich von der Allgemeinheit übernommen werden müssten und damit auch von Leuten, die von dem neuen Hotel im Dorf gar keine Vorteile hätten.
Der bauwillige Hotelbesitzer Hans-Günter Wirth kann diese Bedenken nicht nachvollziehen, wie er auf Nachfrage erklärt: Die Trocknungsanlage der Familie Funke „wäre für uns nicht störend und das können wir auch gerne schriftlich festhalten“, sagt Wirth. Auch eine Verschmutzung von Karpfenweihern sei nicht zu befürchten: „Das kann man mit Regenrückhaltebecken und einer entsprechenden Planung im Vorfeld lösen.“
Der Adelsdorfer Bürgermeister hofft auf Aufwertung des Aischgrunds
In diese Planung sei neben der Gemeinde Adelsdorf auch das Wasserwirtschaftsamt eingebunden. Das Vogelschutzgebiet werde durch den Hotel-Neubau ebenfalls nicht beeinträchtigt, so Wirth: „Das liegt weit genug davon entfernt und die Verträglichkeit wird behördlich überprüft.“
Eine Feststellung ist dem bauwilligen Hotelier, Brauer und Gastwirt besonders wichtig: „Unsere ganze Familie ist sehr naturverbunden. Der Neubau wird sich gut in die Landschaft einfügen.“ Der Adelsdorfer Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) hat sich bereits bei der Gemeinderatssitzung Ende Januar für das Projekt ausgesprochen. „Für die Tourismusregion Aischgrund wäre so ein Wellness-Hotel eine Aufwertung“, ergänzt der Bürgermeister jetzt auf Anfrage des Fränkischen Tags.
Normales Bauleitverfahren läuft, danach entscheidet der Gemeinderat
Das, was jetzt stattfinde, sei ein normales Verfahren zur Bauleitplanung. Die von den Kritikern des Projekts gesammelten Unterschriften „nehme ich gerne entgegen“, so Fischkal weiter, „denn wir wollen ja nichts Böses und das wollen die Gegner des Projekts auch nicht.“ Ganz im Gegenteil handele es sich bei der kritischen Auseinandersetzung mit einem derartigen Projekt und dem Austausch von Argumenten um gelebte Demokratie und über die freue er sich als Bürgermeister ausdrücklich.
Übergabe der Unterschriften unmittelbar vor der Gemeinderatssitzung
Bei der Übergabe am Mittwochabend gegen 18:30 Uhr unmittelbar vor der nächsten Gemeinderatssitzung sagte Markus Kraus, für ihn sei der Hauptgrund für seine Beteiligung an der Unterschriftensammlung die befürchtete Zerstörung des Landschaftsbilds: „Das ist das einzige Eck, das noch halbwegs unangerührt ist.“ Man habe außerdem nichts dagegen, dass sich ein ortsansässiger Betrieb vergrößern will. Lediglich den angepeilten Standort sehe man kritisch.
„Ich stehe hier für den Naturschutz“, ergänzte Jasmin Drescher: Der geplante Standort sei „schlecht gewählt“, weil damit eines der letzten Refugien für Rebhuhn und Kiebitz in der Gemeinde Adelsdorf beeinträchtigt oder womöglich sogar zerstört werde.
Wie Bürgermeister Fischkal nach der Unterschriftenübergabe informierte, haben die Bürger im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung im Laufe des weiteren Verfahrens noch die Gelegenheit, ihre Einwände zu dem Projekt einzubringen. Genau wie Träger öffentlicher Belange wie etwa Naturschutzverbände. Diese würden allesamt von den Planern geprüft und von den Gemeinderatsmitgliedern zur Kenntnis genommen, die am Ende eine Entscheidung treffen müssten.
Womöglich wird ein Ratsbegehren zu dem Projekt in die Wege geleitet
Außerdem kündigte Fischkal an, über das Projekt eventuell ein Ratsbegehren in die Wege zu leiten, so dass letztlich alle Wahlberechtigten in Adelsdorf über das Projekt abstimmen könnten. Aber auch über die Frage, ob es ein Ratsbegehren geben soll oder nicht, müsse das Gemeinderatsgremium entscheiden.

















