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Regierung streicht Förderung
Weniger Obst für Schulen und Kitas: „Abokiste“ schlägt Alarm
Abokiste Hemhofen
Hanna Winkler schlägt Alarm: Wegen fehlenden Fördergeldern streicht die Regierung etliche Lieferungen ihrer Abokiste an bayerischen Schulen. // Barbara Herbst/ Archiv
Signet des Fränkischen Tags von Johanna Blum
Hemhofen – Hanna Winkler, Inhaberin der „Abokiste“ in Hemhofen, ist empört: Der Freistaat reduziert das Förderprogramm für gesundes und Obst und Gemüse für Kindergärten und Schulen. Was das für Auswirkungen hat.

Der Gesundheitserziehung in der Schule kommt gerade heute in Zeiten von Fast Food eine besondere Rolle zu. Die Kinder und Jugendlichen müssen zu einer kritischen Reflexion ihres eigenen Ernährungsverhaltens befähigt werden. Viele von ihnen, aber auch Jugendliche und Erwachsene, haben jedoch Ernährungsprobleme. 

Abokiste Hemhofen: Weniger Obst und Gemüse für Schulen

Hier spielte die Einführung des EU-Schulprogramms 2011 eine tragende Rolle. Es sollte Mahlzeiten fördern, die den Kindern ab drei Jahren schmecken und ihnen eine gesunde Ernährung näherbringen – alles kostenlos dank einer Förderung des Freistaates Bayern und der EU. Im Schuljahr 2022/2023 profitierten 323.779 Kindergartenkinder und 451.362 Schulkinder in zahlreichen Kindergärten und Schulen vom EU-Schulprogramm.

Abokiste Hemhofen: Von Streichungen betroffen

Im gesamten Verbreitungsgebiet wirkt hier die „Abokiste“ Hemhofen, die es seit mehr als 30 Jahren gibt, mit. Nun hat sich jedoch durch eine finanzielle Kürzung des Programmes alles geändert. Der FT besuchte Hannah Winkler von Mohrenfels, Geschäftsführerin der Abokiste, in Hemhofen. Es ging die steinerne Treppe hinunter in den kühlen Gewölbekeller des Landguts – dem unterirdischen Reich der Abokiste. 

„Uns hat es kalt erwischt“, so die Freifrau. Die Kürzungen seien kurz vor Weihnachten ohne Vorwarnung nur über die Homepage kommuniziert worden. „Es hat keine Kommunikation zwischen uns und den staatlichen Stellen zu den Gründen für diese Kürzung gegeben.“ Bis letztes Jahr habe die Abokiste noch 34 von 38 Schulwochen an Schulen und Kitas geliefert. Nun wurde die Anzahl mittlerweile auf voraussichtlich 24 Wochen reduziert. Planungssicherheit sehe anders aus.

Gesunde Ernährung für Kinder 

Die Schulen und Kitas seien sehr erstaunt gewesen, als sie von dieser Reduzierung erfuhren. „Für Kinder aus prekären Verhältnissen bedeutet diese Mahlzeit einen kleinen, jedoch wichtigen Baustein im Rahmen ihrer Gesundheitsvorsorge“, so Winkler. Den Kindern gegenüber setze man mit einer solchen Sparmaßnahme ein völlig falsches Signal, schließlich wolle man sie an gesunde Ernährung und Umweltbewusstsein heranführen.

Abokiste Hemhofen
Mit dem Förderprogramm sollen Schüler bayernweit eigentlich mehr Bezug zu Obst und Gemüse vermittelt bekommen. // Barbara Herbst/ Archiv

Weiter könnten Eltern und Verpflegungspersonal in den Einrichtungen aufgrund kurzfristiger und spärlicher Kommunikation kaum planen. So haben auch Lieferbetriebe und Vorlieferanten, vor allem die regionalen Erzeuger, mit einem eklatanten Umsatzrückgang zu kämpfen. „Wir beliefern 200 Schulen und Kitas, das sind rund 18.000 Kinder im gesamten Liefergebiet.“  

Hanna Winkler: Eltern sollen Petition unterschreiben

Aber auch über große personelle Probleme klärte sie auf: „Die Lieferbetriebe hatten sich in den vergangenen Jahren auf konstante Abnahmemengen eingestellt und nun fehlen uns 120.000 Euro an Umsatz.“ Letztendlich wirke sich eine Reduzierung des Schulprogramms völlig kontraproduktiv auf das gemeinsame Ziel „30 Prozent Ökolandbau bis 2030“ aus. „Bitte unterzeichnen Sie die Petition online“, so der dringende Appell der Geschäftsführerin der Abokiste.

Auf Anfrage der Redaktion teilt die Pressestelle des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung mit, dass das EU-Schulprogramm dazu diene, die Wertschätzung für Obst und Gemüse bei Kindern zu steigern und die Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Ernährungsverhaltens zu unterstützen. „Es ist daher auch für uns ein wertvolles Programm. Es ist jedoch kein Versorgungsprogramm für Obst, Gemüse, Milch und Milchprodukte für Kitas und Schulen, das die tägliche Ernährung der Kinder ersetzen soll“, so die Pressestelle.

Weniger Fördermittel vom Bayerischen Staat

Das Programm erfreue sich wachsender Beliebtheit, die Zahl der teilnehmenden Einrichtungen steige stetig. Die zur Verfügung stehenden EU-Mittel für Bayern jedoch würden sinken. Eine Neukalkulation der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel erfordere daher nun eine Anpassung der förderfähigen Portionsanzahl. „Wir waren in den letzten Jahren in der glücklichen Lage, zurückgehende EU-Mittel durch Haushaltsreste aus der Coronazeit auszugleichen und zusätzliche Landesmittel über den Haushaltsansatz hinaus ​einsetzen zu können“, so die Pressestelle. 

Trotz knapper werdender Haushaltsmittel behalte Bayern jedoch den Kurs bei, alle vorschulischen Einrichtungen sowie auch die Grund- und Förderschulen im Schulprogramm zu berücksichtigen. 

 

 

 

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