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Tag gegen Gewalt an Frauen
Frauenhaus Erlangen: Hilfe bleibt, Herausforderungen wachsen
Frauenhäuser bieten eine Zuflucht vor Gewalt. Das Angebot in Deutschland stagniert seit Jahren. Ein neues Gesetz soll helfen. Warum das Frauenhaus in Erlangen trotzdem besorgt in die Zukunft blickt.
Frauenhäuser bieten eine Zuflucht vor Gewalt. Das Angebot in Deutschland stagniert seit Jahren. Ein neues Gesetz soll helfen. Warum das Frauenhaus in Erlangen trotzdem besorgt in die Zukunft blickt. // Foto: Maja Hitij/dpa
Erlangen – Frauenhäuser bieten eine Zuflucht vor Gewalt. Das Angebot in Deutschland stagniert seit Jahren. Ein neues Gesetz soll helfen. Warum das Frauenhaus in Erlangen trotzdem besorgt in die Zukunft blickt.

Für manche Frauen bedeutet ein Aufenthalt in einem Frauenhaus den ersten Schritt aus einer Gewaltspirale. Manche Frauen bleiben nur kurz an diesem anonymen Ort. Andere dagegen bleiben Wochen und Monate. Für Frauen in der Region ist das Autonome Frauenhaus in Erlangen ein solcher Schutzort. 

Neben dem Schutzort für Frauen gehören eine Beratungsstelle, eine dauerhaft besetzte Telefonstelle und Öffentlichkeitsarbeit zu den Aufgaben der Mitarbeitenden. Damit das alles möglich ist, ist das Frauenhaus Erlangen, das vom Verein zum Schutz misshandelter Frauen getragen wird, auf öffentliche Mittel der Kommunen und des Freistaates Bayern als auch auf Spenden angewiesen.

Gewalthilfegesetz in Deutschland: Warum Finanzierung durch den Bund Zweifel bringt

In Zukunft könnte das Gewalthilfegesetz die Arbeit von Frauenhäusern in Deutschland verändern. In diesem Jahr verabschiedet, schafft es erstmals einen bundesweiten Rechtsanspruch für Frauen und Kinder in Deutschland auf kostenlosen Schutz und Beratung bei häuslicher Gewalt. Ab 2027 soll das Angebot erstmals auch durch den Bund mitfinanziert werden. 

Das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend beschreibt das Gesetz als „Rahmen für ein verlässliches Hilfesystem“. In Erlangen dagegen sehen die Mitarbeiterinnen im Frauenhaus der Veränderung mit Sorge entgegen. „Ab 2027 wird es eine bundeseinheitliche Finanzierung geben. Damit sind die Kommunen und Landkreise stärker aus der Verantwortung genommen“, sagt Annika Olschok, Mitarbeiterin im Erlanger Frauenhaus.  

Weil nicht sicher ist, wie viel der Bund in den kommenden Jahren beisteuern wird, „haben wir große Befürchtungen, dass wir hinter den Status quo zurückfallen könnten“, so die Mitarbeiterin. Dabei liegt der Status quo in der Region um Erlangen, wie vielerorts in Deutschland, sowieso schon hinter dem Bedarf zurück – aus mehreren Gründen. 

Frauenhaus Erlangen: Hier finden Gewaltopfer aus der Region Hilfe

Zwölf Plätze stehen im Frauenhaus in Erlangen für Frauen mit einer flexiblen Anzahl an Kindern zur Verfügung. Freie Kapazitäten gibt es selten. „Meistens sind die Zimmer sehr schnell wieder vergeben“, sagt Julia Peter, die seit etwas mehr als zehn Jahren beim Frauenhaus in Erlangen beschäftigt ist.   

Eigentlich würde das Frauenhaus gerne sein Angebot erweitern, mehr Kapazitäten zur Unterbringung anbieten und das Beratungsangebot auf Erlangen-Höchstadt ausweiten. Aber, bei den Aufnahmen aus „Erlangen Stadt plus Landkreis plus der Aufnahmen aus anderen Gegenden und aus dem Bundesgebiet“, wie Olschok aufzählt, kommt das Frauenhaus oft an seine Grenzen. „Manchmal müssen wir schon abwägen, welche Frau dringender einen Platz braucht“, ergänzt Peter. Wenn das Frauenhaus belegt ist, versuchen die Mitarbeiterinnen einen Platz in einem anderen Frauenhaus zu vermitteln oder andere Möglichkeiten zu finden. 

Kaum freie Plätze bei Frauenhäusern in Deutschland

Im Internet bietet www.frauenhaus-suche.de eine Übersicht über freie Kapazitäten in Deutschland. Auf der Kartenansicht markieren große pinkfarbene Kreuze Häuser, bei denen „keine Aufnahme möglich ist“. Beinah ganz Deutschland ist mit Kreuzen übersät. Nur vereinzelt entdeckt man einen grünen Kreis, „Aufnahme möglich“, auf der Landkarte.

„Das spiegelt den aktuellen Zustand wider“, sagt Olschok und fügt hinzu, „Das ist frustrierend für die Frauen. Fast alle Häuser sind ausgelastet und es gibt viel zu wenig Plätze.“

In manchen Frauenhäusern gebe es außerdem Aufenthaltsfristen. Dann müssten Frauen nach einigen Monaten wieder die Einrichtung verlassen. Das ist in Erlangen anders. Hier können Frauen so lange bleiben, wie nötig. Zeit, die Frauen brauchen, eine neue Wohnung, einen neuen Job zu finden oder eine neue Schule oder Kindergarten für die Kinder oder Betreuungs- oder Erziehungsangelegenheiten mit dem ehemaligen Partner zu klären. „Zeit, die Frauen brauchen, um sich ein neues Leben aufzubauen“, bringt es Olschok auf den Punkt.

Region um Erlangen bräuchte doppelt so viele Plätze in Frauenhäusern 

Eigentlich ist die Anzahl der Frauenhausplätze in Erlangen für die zu versorgende Umgebung viel zu gering. Die zwölf Plätze decken gerade mal den Bedarf der Stadt mit rund 116.000 Einwohnern. „Die von der Istanbul-Konvention ermittelte Zahl schreibt einen Familienplatz, das heißt mit Kindern, pro 10.000 Einwohner vor“, sagt Olschok. (Die Istanbul-Konvention des Europarats ist das internationale Abkommen zur Bekämpfung geschlechtsspezifischer Gewalt gegen Frauen und Mädchen, welches Deutschland im Jahr 2017 ratifizierte.) Dazu kommt der Landkreis Erlangen-Höchstadt mit rund 135.000 Einwohnern und die umliegenden Regionen. Demnach müsste es im Frauenhaus Erlangen mindestens doppelt so viele Plätze geben.

Deutschlandweit gibt es mit etwa 6000 Plätzen in Frauenhäusern rund 2.500 zu wenig. Zu diesem Ergebnis kam eine Untersuchung des Familienministeriums im Jahr 2024. Allein 2022 mussten über 16.000 Frauen, teilweise mit Kindern, aufgrund von Platzmangel abgewiesen werden.

Damit Frauen in Not weiterhin einen sicheren Zufluchtsort finden, ist das Frauenhaus Erlangen auf Unterstützung angewiesen. Spenden helfen, Schutzplätze zu erhalten und Beratungsangebote auszubauen. Spendenkonto: IBAN: DE80 7635 0000 0019 0033 80, BIC: BYLADEM1ERH, Sparkasse Erlangen. 

Hilfesuchende Frauen können sich (auch außerhalb der Bürozeiten über Rufbereitschaft) unter der Telefonnummer 09131 25872 an das Autonome Frauenhaus Erlangen wenden. Eine persönliche Beratung in der Beratungsstelle (Gerberei 4, 91054 Erlangen, Eingang: Grüne Tür gegenüber der Bahnlinie) ist zu folgenden Zeiten möglich: Mittwoch 14 bis 16  Uhr, Donnerstag 17 bis 19  Uhr, Freitag 9 bis 11 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung. Weitere Informationen gibt es unterwww.frauenhaus-erlangen.de

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