Bei der Telefonseelsorge Erlangen finden Menschen eine Anlaufstelle, die mit ihren Ängsten und Sorgen nicht mehr alleine umgehen können. 65 Ehrenamtliche sorgen dafür, dass die Telefonseelsorge rund um die Uhr besetzt ist – gerade nachts und am Wochenende, wenn andere Stellen geschlossen sind. Dabei bleiben sowohl die Anrufer als auch die Mitarbeiter anonym. Um das zu gewährleisten, ist auch der Telefonort der Seelsorge nicht im Verwaltungssitz in der Offenen Tür.
Weitere 30 Ehrenamtliche helfen vor Ort bei der Offenen Beratung, die wie die Telefonseelsorge vom Erzbistum Bamberg getragen wird.
Die Bandbreite der Themen ist groß, doch eines sticht immer wieder heraus: Einsamkeit. „In der großen Einsamkeit ist der Anruf der letzte Weg, mit Menschen in Kontakt zu treten“, sagt Helmut S. (Name von der Redaktion geändert), einer der Ehrenamtlichen, die bei der Offenen Beratung die Möglichkeit für persönliche Gespräche bieten. Oft sei es aber nicht ein einzelnes Problem, das die Betroffenen umtreibe. Viel mehr sei es ein komplexes Netz aus Sorgen und Problemen, das am Ende zum Hilferuf bei der Seelsorge führe.
Seelsorge: Menschen durch Zuhören eine Pause verschaffen
„Es lässt sich in der kurzen Phase auch nicht immer etwas bewirken“, sagt der Seelsorger. „Aber man ist das Ohr, das entlastet.“ Genau dieses fehle den Menschen oft. Ein soziales Netz, wie viele es für selbstverständlich halten, sei eben nicht immer gegeben. Oder man brauche einfach mal eine andere Perspektive von jemandem, der die Probleme noch nicht kenne.
Dass man nicht alle Probleme lösen könne, lerne man auch in der Ausbildung, die jeder Ehrenamtliche vor der Arbeit in der Seelsorge bekommt. „Man kriegt erstmal erklärt, dass es nicht um Ratschläge geht, sondern ums Zuhören. Den Menschen zu helfen, Atem zu schöpfen“, erklärt Friederike B. (Name von der Redaktion geändert). „Man lernt Gesprächstechniken: Wie höre ich zu? Wie kann ich Negativbotschaften in Positivbotschaften umändern? Man lernt, dass die Lösungen im Gespräch der Anrufer oft selbst anbietet und ich sie nur hören und positiv widerspiegeln muss.“
Ehrenamtliche müssen auf Selbstschutz achten
Wichtig sei bei aller Empathie aber auch, sich selbst zu schützen. Bei der Offenen Beratung steht dafür beispielsweise immer auch eine ausgebildete Fachkraft im Haus zur Verfügung, falls eine Situation in einem Gespräch Unterstützung erfordert. Bei der Telefonseelsorge gibt es ein Krisentelefon, an das die Ehrenamtlichen sich wenden können – auch, um selbst verarbeiten zu können, was sie im Gespräch zu hören bekommen. Doch was macht es eigentlich mit einem, mit dieser geballten Negativität konfrontiert zu sein?
„Es erfüllt mich mit einer unendlichen Dankbarkeit“, sagt Friederike B. „Das Leben ist ungerecht. Gott sei Dank habe ich selbst genügend Härte in meinem Leben erfahren, dadurch kann ich es gelassener sehen. Ich kann erkennen, wie viel Kraft und Stärke es gebraucht hat, um da herauszukommen. Allein, dass man diese Sprachmöglichkeit hat, ist eine Bereicherung.“
„Ich vergesse auch nie, dass es für niemanden, der hierherkommt oder anruft, einfach ist“, fügt Helmut S. hinzu. „Es ist immer eine Leistung vom Gegenüber, sich auf den Weg zu machen. Auch der Anruf ist eine Leistung.“
Distanz und Demut sind wichtige Eigenschaften
Dennoch müsse man darauf achten, genug Distanz zu wahren und die Gespräche auch hinter sich zu lassen, wenn sie vorbei sind. Auch das sei ein Teil der Ausbildung. Sich selbst nehme er als Mensch aus so einem Gespräch komplett heraus, schildert Helmut S. „Ich sehe mich da wie eine Art Medium“, erklärt Friederike B. „Ich bin nicht mehr da, sondern nur der andere ist in dem Moment da.“
Zuhören können, Distanz wahren, sich selbst zurücknehmen können, das alles sind Eigenschaften, die ein Ehrenamtlicher in diesem Bereich mitbringen sollte. Friederike B. findet aber noch einen anderen Punkt wichtig: „Ich glaube, die beste Voraussetzung für dieses Ehrenamt ist die Demut. Also zu erkennen, dass ich jetzt nicht der große Zampano bin, der weiß, wo es lang geht. Sondern dass mir jemand gegenübersitzt, der Hilfe sucht und der Hilfe braucht.“
Ein Ehrenamt ohne öffentliche Wertschätzung
Durch die Anonymität auf beiden Seiten unterscheidet sich das Ehrenamt bei der Telefonseelsorge und der Offenen Tür in einem weiteren Aspekt von anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten: Die öffentliche Wertschätzung und Dankbarkeit, die zum Beispiel die Feuerwehr oft erfährt, bleibt aus.
Für Helmut S. und Friederike B. ist diese aber auch nicht nötig. „Ich fühle mich nicht wie der große Geber. Aber die Menschen geben einem was zurück. Man ist in seiner eigenen Welt, aber durch diese Kontakte bekommt man auch andere Welten zu sehen. Das nehme ich davon mit“, erklärt Helmut S. „Es wirft ein Licht auf das eigene Leben. Man kann das eigene Leben unter einem anderen Gesichtspunkt betrachten. Es geht nicht um die Anerkennung von außen, sondern um die Anerkennung in sich selber“, fügt Friederike B. hinzu.
Ausbildungskurs startet im September
Die Offene Tür Erlangen bietet im Herbst wieder einen gemeinsamen Ausbildungskurs für ehrenamtliche Berater für die Telefonseelsorge Erlangen und für die Offene Beratung Erlangen an. Der Ausbildungskurs beginnt Ende September und verteilt sich über zehn Monate bis Juli 2025. Bei Interesse für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Telefonseelsorge wenden Sie sich gerne an die 09131 97 98 30 oder kontakt@telefonseelsorge-erlangen.de. Bei Interesse für eine ehrenamtliche Mitarbeit bei der Offenen Beratung wenden Sie sich gerne an die 09131-25046 oder kontakt@offene-tuer-erlangen.de.
Die Offene Tür Erlangen am Katholischen Kirchenplatz 2 ist Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag von 9 bis 17 Uhr und am Dienstag von 9 bis 18 Uhr für Besucher geöffnet. Sowohl die Offene Tür als auch der Verwaltungssitz der Telefonseelsorge sind telefonisch unter 09131/25046 zu erreichen.
















