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Tag des offenen Denkmals
Lonnerstadt: Was zeigen uns unsere Denkmäler?
Der ehemalige Betsaal der Synagoge MühlhausenBarbara Hollfelder
Der ehemalige Betsaal der Synagoge MühlhausenBarbara Hollfelder // 
Signet des Fränkischen Tags von Barbara Hollfelder
Lonnerstadt/Mühlhausen – Ein verfallenes Haus enthüllt das Geheimnis eines alten Handwerks. Der Tag des offenen Denkmals offenbart spannende Entdeckungen in und um Lonnerstadt.

Manchmal liegt die Geschichte buchstäblich unter den Füßen. In einem beinahe verfallenen Haus in Lonnerstadt kam bei Sanierungsarbeiten ein alter Färbertopf zum Vorschein. In der ehemaligen Synagoge von Mühlhausen stießen Archäologen unter dem Fußboden auf Mauern eines Vorgängerbaus aus der Zeit um 1680. Zwei ganz unterschiedliche Denkmäler – und zwei Entdeckungen, die am Tag des offenen Denkmals zeigten, welche Geschichten alte Gebäude noch immer preisgeben können.

Bildergalerie Tag des offenen Denkmals Lonnerstadt

Am Tag des offenen Denkmals konnten Besucher am Sonntag vielerorts hinter Türen schauen, die sonst verschlossen bleiben. Das bundesweite Motto lautete in diesem Jahr „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Wie viel Unbekanntes selbst in alten Gebäuden stecken kann, zeigte sich besonders eindrucksvoll in Lonnerstadt und Mühlhausen.

Als Pauline Dürr und ihr Mann das ehemalige Färberhaus in Lonnerstadt 2019 kauften, war sein Zustand alles andere als einladend. Ein anderes Paar, das es ebenfalls besichtigt hatte, machte angesichts des Verfalls gleich wieder kehrt. Die Dürrs dagegen sahen das Potenzial. „Es tut weh, wenn man alte Häuser so verfallen sieht“, sagt die 40‑Jährige. „Diese alten Häuser haben viel mehr Charme.“

Das 1786 errichtete Gebäude wird inzwischen im vierten Jahr denkmalgerecht saniert. Wer heute das Haus betritt, steht zwischen freigelegtem historischem Gebälk, provisorischen Treppen und Baumaschinen. Während der Arbeiten gab das Haus auch ein Geheimnis preis: Im Boden wurden ein Färbertopf und außerdem Färbermarken entdeckt. Damit bestätigte sich, was im Ort lange erzählt worden war: Hier wurde tatsächlich einst das Färberhandwerk ausgeübt.

Seitdem hat das Haus auch einen Namen: Liebevoll nennen die Eigentümer es „Färbi“. Alte Häuser hätten schließlich Persönlichkeit, findet Dürr – und damit auch einen Namen verdient. Bis Ende 2027 wollen die beiden zunächst die oberen Räume beziehen und anschließend Stück für Stück weitermachen. Auch Reste alter Wandbemalungen könnten freigelegt und geschützt werden.

Die schönsten Bilder der besuchten Denkmäler gibt es in der FT-Bildergalerie:

Tag des offenen Denkmals ERHTag des offenen Denkmals ERH
 // FOTOGALERIE Foto: Barbara Hollfelder
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 // FOTOGALERIE Foto: Barbara Hollfelder
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 // FOTOGALERIE Foto: Barbara Hollfelder
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 // FOTOGALERIE Foto: Barbara Hollfelder

Viele Denkmäler rund um Lonnerstadt und Mühlhausen

Nur wenige Minuten entfernt erinnert ein weiteres Denkmal daran, wie eng Geschichte und Gegenwart miteinander verbunden sind: An der historischen Mühle in Lonnerstadt klappert noch immer weithin hörbar das Mühlrad am Wasser – fast so, wie es das alte Volkslied verspricht. Auch sie gehörte zu den Stationen des Denkmaltages.

Noch weiter zurück führt die Geschichte der ehemaligen Synagoge in Mühlhausen. Schon beim Betreten des hohen Betsaals treffen Gegensätze aufeinander: zugemauerte Fenster und Spuren jahrzehntelanger zweckfremder Nutzung auf der einen, die erstaunlich erhaltene farbige Stuckdecke auf der anderen Seite. Dazwischen liegen derzeit Grabungsflächen, die von einer noch älteren Geschichte erzählen.

Die 1755/56 errichtete barocke Synagoge wurde während des Novemberpogroms 1938 geschändet. Die Inneneinrichtung wurde nach Angaben des Vereins auf dem Marktplatz verbrannt. Dass das Gebäude selbst nicht in Flammen aufging, hatte einen praktischen Grund: Die umliegenden Häuser standen zu dicht.

Nach dem Krieg wurde die ehemalige Synagoge landwirtschaftlich genutzt. Dafür brach man einen großen Torbogen für Fahrzeuge in die Wand. Doch ausgerechnet diese Nutzung trug auch zum Erhalt bei. Das Dach wurde instand gehalten, sodass größere Wasserschäden ausblieben. „Das war das Glück dieser Synagoge“, erklärt Kristina Fleischmann, dritte Vorsitzende des Forums Alte Synagoge Mühlhausen. Der Verein, der das Gebäude 2019 erwerben konnte, will daraus einen Gedenkort und Kulturraum mit Begegnungs- und Veranstaltungsraum sowie Archiv schaffen. Spuren der Zerstörung sollen sichtbar bleiben.

Archäologie gibt genauere Einblicke

Welche Geheimnisse das Gebäude noch birgt, zeigte sich bei archäologischen Untersuchungen. Dass vor dem heutigen Bau bereits eine Synagoge existiert hatte, war bekannt – nicht aber ihr genauer Standort. An den Grabungen beteiligten sich auch Schülerinnen und Schüler eines P-Seminars des Gymnasiums Höchstadt; später arbeiteten Fachleute der Universität Bamberg weiter.

Dann stießen die Grabenden unter dem Boden auf Mauerreste der Vorgängersynagoge aus der Zeit um 1680. Sie stand genau dort, wo später die neue Synagoge errichtet wurde. Als klar wurde, was man gefunden hatte, sei der Jubel groß und laut gewesen, erzählt Fleischmann. Für einen Moment wird Archäologie damit sehr gegenwärtig: Man gräbt händisch Zentimeter um Zentimeter – und plötzlich liegt vor einem ein Bauwerk, dessen Standort mehr als drei Jahrhunderte verborgen war.

Ein weiterer Schatz wartete unter dem Dach. Dort befand sich eine Genisa, ein Aufbewahrungsort für aus religiösen Gründen nicht weggeworfene Schriften und Gegenstände. Irina Gerschmann und Christian Plätzer, Vorsitzende des Vereins, entdeckten dort unter anderem einen Kalender aus dem Jahr 1830. Danach wurde die Suche Fachleuten überlassen. Zahlreiche Funde, darunter religiöse Schriften und Gebetsriemen, konnten inzwischen konserviert werden.

Synagoge soll nicht nur Gedenkort sein

Dass die ehemalige Synagoge künftig nicht nur Gedenkort, sondern auch Ort der Begegnung sein soll, war am Sonntag bereits im Kleinen zu erleben: Schon kurz nach der Öffnung drängten sich mehrere Dutzend Besucher im Betsaal, ließen sich die Grabungen erklären und betrachteten die Funde. Vor dem Gebäude gab es Kaffee und Kuchen – eine Begegnungsstätte, gewissermaßen schon einmal nach draußen verlagert.

Auch andernorts öffneten Denkmäler ihre Türen. In Herzogenaurach führte etwa ein historischer Spaziergang entlang der äußeren Stadtmauer, die als „längstes Denkmal“ der Stadt von deren mittelalterlicher Befestigung erzählt.

Ob Färberhaus oder Synagoge: Beide Gebäude haben einen Teil ihrer Geschichte erst während ihrer Rettung preisgegeben. In Lonnerstadt lag die Bestätigung einer alten Dorfüberlieferung im Boden, in Mühlhausen die Mauer einer längst verschwundenen Synagoge.

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