An welches Bild denken Sie, wenn Sie an ein Fahrrad denken? Womöglich an ein schickes E-Bike für einen Ausflug am Wochenende? Oder an ein Trekkingrad für den sportlichen Lifestyle? In Burkina Faso oder Indien sehen Fahrräder ganz anders aus. Dort sind sie mitunter der entscheidende Faktor, der den Menschen ein selbstbestimmtes Leben überhaupt erst ermöglicht.
Das ist eine Erkenntnis von Peter Rex aus Erlangen, der seit Jahrzehnten die ganze Welt bereist. Immer dabei: Seine Kamera. Von seinen Touren bringt Rex immer eine Menge Bilder mit. Und oft sind darauf Fahrräder zu sehen. Doch woher kommt diese Vorliebe? „Wenn man in Erlangen wohnt, liegt das Thema Fahrrad sehr nahe“, sagt Rex.
Meist ohne jeden Schnickschnack
In den Ländern Afrikas und Asiens haben Fahrräder „eine existenzielle Bedeutung“, so Rex weiter. „Wenn zum Beispiel eine Wasserstelle weit entfernt liegt, müsste der Wasserkanister auf dem Kopf getragen werden.“ Um die benötigte Menge für die Familie zu holen, wäre eine Frau oder ein Mädchen drei bis vier Mal am Tag zur Wasserstelle und zurück unterwegs. „Das bedeutet einen unheimlichen Kraft- und Zeitaufwand“, erklärt Peter Rex.
Mit dem Fahrrad geht das Wasserholen nicht nur bedeutend schneller als zu Fuß. Sondern es ermöglicht auch, mehrere Kanister auf einmal zu transportieren. Das Ergebnis: „Die Mädchen und Frauen gewinnen so Zeit für sich, zum Beispiel um eine Schule besuchen zu können.“ Aus Sicht von Rex ist das Fahrrad in solchen Ländern oft „der Schlüssel für einen Alltag, der nicht allein von Arbeit bestimmt wird.“
Fester Kreis an Interessenten
Ausgewählte Motive aus der Fotosammlung, die der Erlanger über die Jahrzehnte zusammengetragen hat, finden sich aktuell in einer Ausstellung in der Erlanger Stadtbibliothek wieder, die den Titel „Reisemomente Fahrräder“ trägt. Was die Fotos aus vielen Ländern der Welt zeigen: Es handelt sich überwiegend um einfache Drahtesel im Wortsinne – „ohne jeden Schnickschnack“, wie es Rex beschreibt. Oft gibt es nicht einmal eine Gangschaltung.
Seit rund zehn Jahren entstehen außerdem Fotokalender aus seinen Bildern. Der Erlös aus dem Verkauf fließt komplett an die Hilfsorganisation „Stop“, die in Indien gegen Kinderhandel und Zwangsprostitution kämpft. „Dafür haben wir einen festen Kreis an Interessenten“, sagt Rex. So kommt es, dass die 300 Kalender, die er pro Jahrgang auflegt, immer schnell verkauft werden können. Der nächste Kalender, für den wieder ausschließlich Bildmotive aus Indien verwendet werden, erscheint im Oktober.
Mit dem Fotografen ins Gespräch kommen
Die Ausstellung zum Thema Fahrrad in der Stadtbibliothek Erlangen läuft noch bis 19. September und stößt offenbar auf reges Interesse: „Viele Besucher wollen mit dem Fotografen ins Gespräch kommen“, sagt Marlene Neumann von der Stadtbibliothek.
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