„Es ist eine der schönsten Arten, den Boden unter den Füßen zu verlieren.“ Das ist es, was für Manfred Mühlfriedel die Faszination am Ballonfahren ausmacht. Der Heißluftpilot ist Vorsitzender des Ballonsportclubs Erlangen. In Zusammenarbeit mit diesem richtete die Raiffeisenbank in Hannberg auch heuer wieder ein Ballonmeeting aus.
Zu viel Wind und trotzdem gute Stimmung
1996 entstand im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der Bank und der Tatsache, dass ein Ballon des Ballonclubs dort niederging, was die Freundschaft der beiden Parteien besiegelte, die Idee für dieses Meeting. Auch einen hauseigenen Ballon weiß die Raiffeisen vorzuweisen, liebevoll „Grundl“, genannt, wie Andreas Heilmann, Vorstand der Bank berichtet, „Ballonfahren ist ein Erlebnis der Ruhe und der Weitsicht“, fasst er seine Begeisterung zusammen.
Allein dem Unmut Petrus‘ ist es wohl geschuldet, dass keiner der angereisten Ballonfahrer seinen Ballon überhaupt erst auspackte. Zu viel Wind. „Es müssen unter fünf Knoten sein“, erläutert Mühlfriedel, soll heißen unter zehn Stundenkilometer. Allerdings tat dies der Stimmung auf dem großen Areal zwischen Hannberg und Heßdorf keinen Abbruch. Für die Kleinen sorgten eine Schokokuss-Wurfmaschine, eine Seifenblasen- und Fußballtor-Station sowie eine Kreativecke für Abwechslung, organisiert von dem „Jugendmarkt“, etwa 15 jungen Mitarbeitenden der Bank. Die Erwachsenen hatten so Zeit sich untereinander auszutauschen und vom Stammtisch „Die Nimmermüden“ sowie der Eisdiele Capri mit Leckereien verwöhnen zu lassen.
"Man merkt die Höhe nicht"
Zur Verfügung gestellt wird der Platz seit 28 Jahren wie immer von der Familie Windisch. „Die Kinder können hier laufen, ohne dass man Angst haben muss, dass sie auf die Straße laufen“, führt Gabriele Windisch einen der Vorteile der Größe des Areals ins Feld. Die 69-Jährige ist vor 25 Jahren das erste Mal mit einem Ballon gefahren. „Man gleitet so dahin“, erinnert sie sich. Auch ihr Mann Karl würde jedes Jahr stark auf das Event hin fiebern.
Elisabeth und Herbert Kraft kommen aus Frauenaurach und sind zum zweiten Mal hier. Beide sind schon mehrfach gefahren. „Bei mir war es ein Höhenangstbewältiger“, sagt Elisabeth Kraft. „Man ist abgelenkt.“ Beim Ballonfahren "merkt man die Höhe nicht“, ergänzt ihr Mann, „Man schaut nicht nach unten, sondern geradeaus.“ Dass man mit allen möglichen Leuten ins Gespräch kommt, ist einer der Gründe, warum Roland Berger zusammen mit Frau Irmintraut wann immer es sich ergibt, zum Ballonmeeting kommt. „Das sollte auch Pflichtprogramm sein für Hannberger“, sagt Angela Windisch-Essl lachend, die selbst jedes Jahr vor Ort ist und die „Nimmermüden“ unterstützt.
Im Ballon ist es, als würden alle Sorgen von einem abfallen
In den 28 Jahren, in denen sie vor Ort war, hat sie einiges erlebt, „Es gab Höhen und Tiefen, viele Ballons, keine Ballons, Regen, kein Regen. Einmal sind die Ballons aufgrund der Thermik hochgezischt, ein anderes Mal war es so heiß, dass sie nach 2 Kilometern wieder herunterkamen.“ Auch Doris Lochner, die seit 2009 die Leitung des Marketings der Bank innehat, ist schon mal mit einem Heißluftballon gefahren, „Heute weiß ich, was Totenstille bedeutet“, sagt sie. „Wenn man da oben ist… Diese Stille ist beeindruckend. Es ist, als würden alle Sorgen von einem abfallen.“
Helmut Engelhardt, ehemaliger Vorstand des Ballonclubs, ist seit 25 Jahren als „Verfolger“ dabei. So nennt man diejenigen, welche dem Ballon folgen und die Gäste nach der Landung wieder zurück zum Ausgangspunkt kutschieren. „Es ist spannend, das zu schaffen“, erläutert Engelhardt, „Man lernt die ganze Gegend und alle Feldwege kennen. Man muss halt früh aufstehen, so zwischen 4 und 6 Uhr.“ Frühmorgens und vor Sonnenuntergang sei aufgrund der Thermik die beste Zeit zum Ballonfahren.
Mit dem Ballon über die Alpen
350 Verfolgungen hat er hinter sich, 150 Mal war er selbst im Korb. „Heute nehmen wir das Handy zum Verfolgen“, berichtet er. Früher war es von Vorteil, wenn man wie Engelhardt Karten lesen konnte. Für ihn machen das Erhabene, das Runterschauen und das Suchende die Faszination des Ballonfahrens aus. „Das tollste waren die Alpen“, schwärmt er, „4000 Meter Höhe, Auge in Auge mit dem Drei-Zinnen-Gebirge.“
Tony Jay ist einer der fünf Ballonfahrer, die vor Ort sind. Gebürtig in Oxford /England ist er seit neun Jahren in Deutschland und genauso lang auch beim Ballonsportclub. Der 55-Jährige hat einen „Hopper“, einen Ein-Personen-Heißluftballon ohne Korb. Otto Öffner ist seit 1990 im Verein. Für ihn sind „das Schweben in der Luft, dass man dreidimensional unterwegs sein kann und die Perspektive“ das Tolle am Ballonfahren, „Es schaut aufgeräumter aus von oben.“
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