Das Landschaftsbild im westlichen Teil des Kreises Erlangen-Höchstadt wird sich in den nächsten Jahren noch einmal deutlich verändern. Vor dem bayernweiten Ziel, 80 Prozent erneuerbare Energien bis 2030 ins Stromnetz zu schicken, müssen weitere Windräder aufgestellt werden. Zu den 16 bereits laufenden Windkraftanlagen sollen noch 18 hinzukommen. Sie alle sind im Landkreis-Westen geplant, wobei der Schwerpunkt im ausgewiesenen Windkraft-Vorranggebiet Lonnerstadt/Höchstadt/Wachenroth liegt. Sieben Windräder drehen sich hier bereits, sechs weitere sollen folgen.
Auch wenn es sich bei der Genehmigung von Windrädern um eine staatliche Angelegenheit handelt, hat es Landrat Alexander Tritthart (CSU) doch für nötig gehalten, das Thema Windkraftanlagen im Landkreis in den Mittelpunkt der jüngsten Umweltausschusssitzung des Kreistags zu stellen. „Vieles in der Bevölkerung ist unklar, vieles ist in Fluss“, sagte Tritthart, dem es dabei um Aufklärung und Information ging. In unserer Planungsregion sei es schwierig, neue Flächen für Windkraftanlagen zu finden. „Die Standorte, die es jetzt schon gibt, müssen noch mehr Windräder verkraften“, kündigte der Landrat an. Warum im Erlanger Oberland im Osten des Kreises keine Windräder vorgesehen sind, liege an der Nähe zum Flughafen Nürnberg und an im Oberland installierten seismologischen Messstationen im Boden.
Neue Anlagen für Windkraftareal bei Höchstadt bis zu 261 Meter hoch
Deren Messungen könnten durch Erschütterungen von sich drehenden Windrädern beeinträchtigt werden. Hans Leuchs, Leiter des Sachgebiets Umwelt im Landratsamt, berichtete von den aktuellen Verfahren und Planungen. Haben die bereits laufenden Anlagen Gesamthöhen zwischen 185 und 212 Meter, erreichen die neuen Anlagen 261 Meter. Auch die Leistung ist deutlich höher. Sechs zusätzliche Anlagen sollen im Gebiet Lonnerstadt/Höchstadt/Wachenroth aufgestellt werden.
Dieses Gebiet mit 13 Windrädern wäre dann das größte in der gesamten Region Nürnberg. Für fünf der sechs Anlagen wurden Vorbescheide bereits erteilt, der sechste ist nach dem Bürgerentscheid in Wachenroth nur noch Formsache. Neben den vier Windrädern nördlich von Mühlhausen werden zwei weitere zugelassen. Auch die drei schon laufenden Anlagen bei Vestenbergsgreuth bekommen noch zwei dazu. Für drei Anlagen nördlich von Rezelsdorf läuft bereits das immissionsschutzrechtliche Genehmigungsverfahren.
Denkmalschutz und Fortbehörden nehmen Einfluss auf Windkraftareal bei Höchstadt
Im Vorranggebiet südlich von Niederndorf sind vier Windräder geplant. Gegen eines davon hat das Luftamt sein Veto eingelegt, weil die zulässige Gesamthöhe um 50 Zentimeter überschritten wird. Wie Leuchs erläuterte, werde diese Hürde genommen, indem das Fundament einen halben Meter tiefer gelegt wird. Über zwei Anlagen nördlich von Hammerbach werde laut Leuchs mit dem Luftamt noch verhandelt. Wegen des nahen Flugplatzes Herzogenaurach hat die Behörde bisher kein grünes Licht gegeben.
Dass es schwierig sei, in dicht besiedelten Gebieten Vorrangflächen für Windkraft auszuweisen, erläuterte den Kreisräten Philipp von Dobschütz vom Planungsverband Region Nürnberg. Stehen diese Gebiete einmal fest, hat darin „die Windkraft Vorrang vor jeder anderen Nutzung“. Die Auflagen für die Ausweisung solcher Gebiete seinen jedoch enorm. Einfluss nehme unter anderem Naturschutz, Wasserwirtschaft, Forstbehörden, Denkmalschutz, Luftverkehr, Mindestabstände und seismologische Messstationen wie im Landkreis-Osten. Für Landrat Tritthart können immer größere Windparks ganze Regionen verändern.
Karsten Fischkal kritisiert Windkraft im Landkreis Erlangen-Höchstadt
Er könne da auch die Bürger verstehen, die dagegen sind. Ländliche Regionen müssten den Strom produzieren, der dann in den großen Städten verbraucht werde. Tritthart: „Die größten Verfechter der Windkraft leben dort, wo sie nie ein Windrad sehen – in den Städten.“ Adelsdorfs Bürgermeister und Kreisrat Karsten Fischkal (FW) sprach in der Umweltausschusssitzung noch ein ganz anderes Problem beim Thema Windräder an: „Wir kriegen den Strom nicht weg, weil uns die Netzbetreiber im Stich lassen.“
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