0
Parkchaos und Vandalismus
Bergkirchweih Erlangen: Anwohner wütend über Straßensperren
Anwohner wie André Plail müssen während der Bergkirchweih viel erdulden. Dieses Jahr kommen noch die verschärften Straßensperren, wie hier in der Haagstraße, hinzu.
Anwohner wie André Plail müssen während der Bergkirchweih viel erdulden. Dieses Jahr kommen noch die verschärften Straßensperren, wie hier in der Haagstraße, hinzu. // Foto: Adelheid Wagner
Erlangen – Mitten in der Feierlaune am Berg brodelt der Ärger. Straßensperren und Vandalismus fordern ihren Tribut. Anwohner werfen der Stadt Rücksichtlosigkeit vor. Darauf reagiert jetzt die Stadt Erlangen.

„Der Berg ist zu groß für Erlangen“, sagt André Plail. Plail wohnt zusammen mit seiner Freundin Sofia Rösl in der Nähe der Bergkirchweih. Das Paar ist entnervt darüber, was sie und viele weitere Anwohner in der Nähe des Bergkirchweihgeländes jedes Jahr während der Festtage über sich ergehen lassen müssen.

Erbrechen, urinieren, kopulieren – auch Notdurft wurde schon in der Nähe ihres Wohnhauses verrichtet. Außerdem können viele Anwohner während der Bergkirchweih trotz bezahltem Anwohnerparkschein ihre Parkplätze nicht benutzen. Hinzu kommt: Die in diesem Jahr verschärften Verkehrsbeschränkungen und Straßensperren verkomplizieren die Parksituation zusätzlich.

Plail lebt seit 2020 in der Nähe des Bergs in Erlangen. Normalerweise wäre die Einfahrt zu dem Gebiet rund um den Berg für Anwohner zwischen Mitternacht und 2 Uhr wieder erlaubt. Vergangenen Donnerstag, am Tag des Anstichs, musste das Paar stundenlang auf die Durchfahrt in der Bayreuther Straße warten. Erst nach 2.30 Uhr hätten Sicherheitskräfte und die Polizei sie durchgelassen. Obwohl sie schon seit Jahren dort wohnen, wurde das Paar dieses Jahr von der Sperrung überrascht. „Informationen gab es keine, auch nicht auf Nachfrage. Niemand wusste, wer zuständig ist“, schildert das Paar die Nacht.  

Zufahrtssperren wie diese in der Haagstraße sind Teil des verschärften Sicherheitskonzepts der Stadt Erlangen für die Bergkirchweih.
Zufahrtssperren wie diese in der Haagstraße sind Teil des verschärften Sicherheitskonzepts der Stadt Erlangen für die Bergkirchweih. // Foto: Adelheid Wagner

Kritik an der Stadt: Keine Informationen, Entlastungen oder Entschädigungen

„Die Stadt informiert uns weder über Sperrungen noch über Regeln, noch gibt es irgendeine Entlastung oder Entschädigung“, bemängelt das Paar.

Die Stadt teile den Anwohnern am Berg die Sperrungen nicht direkt mit. Über die Maßnahmen werde„vorab in der Presse, im Internet und über Social Media informiert.“ Das teilte eine Sprecherin der Stadt Erlangen auf Nachfrage schriftlich mit. Da das Verbot, die Straßen in den Abendstunden zu befahren, grundsätzlich keine Neuerung sei, habe es dazu keine zusätzliche Postwurfsendung gegeben.

Das Problem bleibt ungelöst: Wohin mit den Autos, wenn alle Anwohner das gleiche Problem haben? Parkt man das Auto auf der Straße, vorausgesetzt es gibt einen freien Parkplatz, sei laut Plail mit Vandalismus zu rechnen. Einer Nachbarin wären schon einmal beide Seitenspiegel abgebrochen worden. Parkt man das Auto in der sicheren Garage, vorausgesetzt es gibt eine solche, kann man wegen der Sperren über die Abendstunden nicht mehr damit wegfahren. Wie fraenkischertag.de berichtete, kritisieren auch Bewohner der Essenbacher Straße und der Rathsberger Straße die Parksituation für Anwohner am Berg.

Straßensperren während der Bergkirchweih Erlangen

Zu den Hochzeiten des Festbetriebs, vor allem an den besucherstarken Wochenenden, ist die Umgebung des Bergs weiträumig abgesperrt. Ab 17 Uhr ist in der Hauptstraße sowie in der Bayreuther Straße zwischen Martin-Luther-Platz und der Einmündung Baiersdorfer Straße keine Durchfahrt mehr möglich.  Das gilt auch für die Durchfahrt von der Essenbacher Straße in Richtung Westen und die Zufahrt aus den Seitenstraßen in die Haupt- und Bayreuther Straße, wie die Stadt Erlangen in einer Mitteilung informiert. An weniger frequentierten Tagen gelten die Straßensperrungen erst ab 20 Uhr.

Grundsätzlich sind die Sperrungen rund um die Bergkirchweih nicht neu. „Bereits in den Vorjahren durften die betroffenen Bereiche in den Abendstunden grundsätzlich nicht befahren werden“, teilt die Sprecherin mit. Weiter heißt es: „Dieses Jahr wurden jedoch zum Schutz der Besuche*rinnen zusätzlich zu Schildern und Absperrungen die Bereiche an den besucherstarken Tagen schon ab 17 Uhr für Fahrzeuge aller Art generell gesperrt und Überfahrsperren aufgestellt.“

Schutzmaßnahmen für Bergkirchweih 2025 erhöht 

Wie Konrad Beugel (CSU), Erlangens Kämmerer und „Bergreferent“, während der diesjährigen Pressekonferenz zur Bergkirchweih erklärte, seien die neuen Sperrungen ein „direktes Ergebnis von dem, was in Magdeburg passiert ist.“ Das bestätigt auch die Sprecherin der Stadt: „Das Konzept der Sperren wurde aufgrund der bekannten Vorfälle, bei denen Fahrzeuge in Menschen fuhren, in enger Abstimmung mit der Polizei entwickelt, um für die Sicherheit der Bergbesucher*innen zu sorgen.“

In der Tat, auf den Hauptzugangswegen zum Festgelände sind zahlreiche Menschenmengen unterwegs. „Gegen 20 Uhr und noch länger ist hier alles voller Leute“, schildert Anwohner Plail die Situation nahe der Bushaltestelle Haagstraße. Voller Bierflaschen, voller Zigarettenstummel. Auf dem Fußgängerweg Wöhrstraße Richtung Klinikum riecht es wie eine Kloake. Wegen der Scherben könne das Paar in der Gegend nicht mehr mit seinem Hund spazieren gehen. „Die Straßenreinigung rückt jeden Morgen um 3 Uhr aus und säubert das Stadtgebiet“, schreibt die Stadt dazu. Vollkommene Sauberkeit ließe sich aber nicht erreichen.

Das Fahrrad einer Bewohnerin wurde von Besuchern der Bergkirchweih in die Schwabach geworfen.
Das Fahrrad einer Bewohnerin wurde von Besuchern der Bergkirchweih in die Schwabach geworfen. // FOTOGALERIE Foto: Adelheid Wagner
Rund um die Bushaltestelle Haagstraße gibt es auch nach der täglichen Säuberung zahlreiche Glassplitter.
Rund um die Bushaltestelle Haagstraße gibt es auch nach der täglichen Säuberung zahlreiche Glassplitter. // FOTOGALERIE Foto: Adelheid Wagner
Der Bauzaun zum Schutz vor Pinklern und Betrunkenen wurde schon am ersten Bergtag eingerissen.
Der Bauzaun zum Schutz vor Pinklern und Betrunkenen wurde schon am ersten Bergtag eingerissen. // FOTOGALERIE Foto: Adelheid Wagner

Bergkirchweih auf Kosten der Anwohner?

„Die Situation ist in Ihrer Schärfe und Rücksichtslosigkeit gegenüber der Stadtbevölkerung aus unserer Sicht nicht mehr hinnehmbar“, kritisieren Plail und Rösl. Plail möchte auch andere Anwohner dazu motivieren, sich wie er schriftlich bei der Stadt zu beschweren. Die tue aus seiner Sicht zu wenig für die Anwohner am Berg. Von der bisherigen Kommunikation mit der Stadt sei er enttäuscht.

Die Verantwortlichen der Stadt scheinen sich der Problematik zumindest bewusst. „Die Bergkirchweih ist ein beliebtes Fest, aber sie fordert gerade den Anwohnern auch viel ab. Maßnahmen werden bei Beschwerden erklärt und es wird nach Lösungen gesucht. Nicht in jedem Fall lässt sich aber jedes Problem zur Zufriedenheit der Betroffenen lösen“, heißt es von der Pressestelle. Plain teilt die Darstellung der Stadt nicht: „Man wird nur vertröstet“, so seine Erfahrung. „Es ist mir ein Rätsel, das nicht mehr unternommen wird“, sagt er.

Als Anwohner wünscht er sich einen Berechtigungsschein fürs Parken. Dass Anwohner gemäß dem Sicherheitskonzept aus gesperrten Gebieten heraus, aber nicht hineinfahren dürfen, ergibt seiner Ansicht nach wenig Sinn. Auch das Wildpinkeln müsse viel strenger sanktioniert werden. „Wird jemand dabei erwischt, wird das auch zur Anzeige gebracht“, äußert sich die Stadt zu der Situation und erklärt: „Urinieren in der Öffentlichkeit stellt eine Ordnungswidrigkeit dar und kann mit einem Bußgeld bis zu 1.000 Euro (Höchstgeldbuße) geahndet werden.“ „Die Polizei und das Ordnungsamt müssten hier deutlich mehr tun“, findet Plail. Dieses Wochenende verspricht Sonnenschein und hohe Temperaturen. Das wird viele Besucher auf den Berg locken – zum Leidwesen so mancher Anwohner.

 

Inhalt teilen
  • kopiert!