Diesen Mann wird man mit Sicherheit auch in den kommenden Jahren auf der Erlanger Bergkirchweih antreffen. Allerdings nicht mehr beruflich und nicht mehr mit seinem Erkennungszeichen, dem schwarzen Hut.
Seit 2012 war Armin Mangold Platzmeister der Bergkirchweih. Als zentrale Figur war er jahrelang für die Organisation verantwortlich und maßgeblich dafür zuständig, dass der Berg jedes Pfingsten wieder so reibungslos wie möglich ablief. Am letzten Bergtag in diesem Jahr, „am 16. Mai 2025, um 19 Uhr habe ich meinen Hut an den Nagel gehängt“, sagt er. Damit hat er auch sein Amt als Platzmeister nach mehr als einem Jahrzehnt niedergelegt.
Bergkirchweih Erlangen: Platzmeister Armin Mangold hört auf
An diesem Freitagvormittag im Juni steht der groß gewachsene Mann etwas ungewohnt ohne die selbst ernannte Insigne seines Amtes auf dem Gelände der Bergkirchweih. Statt dem Lärm von Menschenmassen und der Musik der Festtage ist heute nur der Wind hörbar, der durch die Bäume am Erlanger Berg rauscht und auch das weißgraue Haar auf dem nun hutlosen Haupt des Franken verwirbelt.
Vorbereitungen für Erlanger Bergkirchweih: Jede Minute zählt
Wie jedes Mal liefen auch dieses Jahr die Vorbereitungen für die Veranstaltung kurz vor Beginn auf Hochtouren. Vor allem am Anreisetag der Schausteller wird es normalerweise sehr hektisch. „Dieses Jahr war es ein entspannter Berg“, zieht Mangold Bilanz. Das liegt auch daran, dass nicht wie sonst achtzig Prozent der Schausteller am selben Tag angereist waren.
Zuweilen kommt es auch vor, dass Erlanger Anwohner just in diesem Moment mit dem Auto auf den Berg fahren wollen, um Bergmarken zu kaufen und damit den gesamten Verkehr dort oben blockieren. Da kann der Festplatzmeister auch etwas ruppig werden, um die Ordnung so schnell wie möglich wiederherzustellen. Zum Aufbau kurz vor dem Berg zählt normalerweise jede Minute.
Bergkirchweih raubte ihm den Schlaf
Heutzutage geht Mangold routiniert mit der Verantwortung für das Volksfest um. Rund um die Uhr Probleme zu lösen, ist Teil seines Jobs. „Man lernt mit der Zeit, den Überblick zu behalten. Probleme zu lösen und mit Einwänden und Widerständen umzugehen. Ohne das würde das Ganze nicht funktionieren“, beschreibt er seine Aufgaben. In den Anfangsjahren dagegen raubte ihm das Volksfest noch den Schlaf. „In den ersten zwei Jahren, 2013 und 2014, war mein Adrenalinspiegel enorm hoch“, erinnert sich Mangold. „Wenn Februar war, konnte ich damals vor lauter organisatorischer Fragen nicht mehr schlafen.“
Zum ersten Mal seit Jahren heißt es diesmal nicht, wie Mangold sagt, „Nach dem Berg ist vor dem Berg“. Als Herr der Bergkirchweih war der Platzmeister nicht nur während der Pfingstzeit mit dem Volksfest in Erlangen beschäftigt. Für den gebürtigen Unterfranken war in gewisser Weise das ganze Jahr lang Bergzeit. Jetzt hat der Mann, den die Bergkirchweih jahrelang eingenommen hat, wie keinen anderen, sich losgemacht. Warum er aufhört? „Weil ich alt genug bin“, antwortet der 64-Jährige schmunzelnd.
Als Platzmeister hat er verschiedene Festbereiche koordiniert, war für die Überwachung und Einhaltung von Vorschriften und für den geordneten Ablauf verantwortlich. Kurz gesagt: „Alles, was den Berg betrifft, wandert über den Schreibtisch des Platzmeisters“, sagt Mangold.
Zwölf Bergkirchweihen organisiert
Zwölf Tage Berg 2025 liegen hinter dem nun ehemaligen Chef des Festplatzes und damit auch die zwölfte und letzte Bergkirchweih. Mangold kennt jeden Quadratzentimeter dieses Geländes. Würde man ihm Stift und Papier geben, könnte der gelernte Bauzeichner vermutlich jeden Schaustellerplatz, jedes Fahrgeschäft, jede Kellerbierbank mitsamt den jeweiligen Veränderungen der vergangenen Jahre korrekt und maßstabsgetreu nachzeichnen.
Je näher ein Berg jedes Mal rückte, desto eher waren Mangolds Organisationstalent und Qualitäten in Sachen Problemlösung gefragt. Dazu gehört unter anderem die Auswahl der Schausteller und Platzanweisung der Fahrgeschäfte – von etwa 500 Bewerbungen wählte er sorgfältig und mit Bedacht die besten und unterhaltsamsten Fahrgeschäfte der fähigsten Schausteller aus.
Und als würde er Tetris spielen, fand Mangold fast jedes Mal für jedes Fahrgeschäft den richtigen Platz auf dem dicht belegten Raum des Bergs. Auf den Millimeter passgenau brachte er alles unter. „Das Fahrgeschäft unter dem Riesenrad darf nur eine bestimmte Höhe haben“, erklärt er. „Das Kettenkarussell muss so weit hochfahren können, dass es sich erst über den Bäumen drehen kann.“
Berg 2025: Platzmeister begrub das Fass zum Abschluss
„Die Bergkirchweih ist ein komplexes Geflecht“, sagt der Platzmeister. Fast so komplex wie die Fragen der Infrastruktur ist die Interaktion mit den zahlreichen Menschen, die am Fest beteiligt sind. „Im ersten Jahr als Platzwart habe ich vermutlich 2000 neue Leute kennengelernt“, erinnert er sich. Darunter Schausteller, Kellerwirte, Angestellte, Mitarbeiter der Stadt, von Hochbauamt, vom Tiefbauamt, von der Straßenverkehrsbehörde und so weiter, Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Sanitäter und viele, viele, viele mehr.
Neben den Fragen der Infrastruktur sind es aber die Menschen, die den Berg zu dem beliebten Volksfest machen, das es eben ist. Genau diese Menschen haben Armin Mangold während seiner letzten Bergkirchweih als Platzmeister mit allen Ehren verabschiedet.
Wenn er davon erzählt, ist er sichtlich berührt. „Das war eine wahnsinnige Wertschätzung, mit der ich verabschiedet worden bin“, sagt er. Der Oberbürgermeister holte ihn zum Abschiedszeremoniell des Bergs auf die Bühne. Das letzte Fass des Bergs 2025, eine Tradition zum Abschluss jeder Erlanger Bergkirchweih, hat in diesem Jahr Armin Mangold am Erich-Keller eingegraben. Der bayerische Landesverband der Schausteller hat ihm zum Ruhestand eigens einen Bierkrug geschenkt.
Vermissen wird der nun ehemalige Platzmeister vor allem die Zusammenarbeit mit seinem Team und die große Entscheidungsfreiheit, die seine Funktion mitbrachte. Die große Verantwortung, die er Jahre lang trug, wird ihm dagegen wird ihm nicht fehlen, wie er sagt. Vergessen wird er den Berg auf keinen Fall. Allein schon wegen des Tattoos nicht, das er sich hat stechen lassen: Das Bild auf Mangolds Unterarm zeigt das Riesenrad der Erlanger Bergkirchweih, drei Kellerhäuschen, Bier und Brezel und selbstverständlich auch den Platzmeister-Hut.















