Im November vergangenen Jahres hatte ein Waffenfund im Erlanger Hochhaus „Langer Johann“ für Aufsehen gesorgt. Nun hat die Generalstaatsanwaltschaft München Anklage gegen den Mann erhoben, der sich selbst als „Schamanen“ bezeichnet und sowohl in seiner Wohnung als auch in seinem Kellerabteil zahlreiche Kriegswaffen mit der dazugehörigen Munition aufbewahrt hatte.
Die Generalstaatsanwaltschaft wirft dem 62-Jährigen die unerlaubte Ausübung „tatsächlicher Gewalt über Kriegswaffen“ sowie den unerlaubten Besitz von „vollautomatisierten Schusswaffen sowie Munition“ vor. Laut einer Pressemitteilung soll es sich um insgesamt 16 Waffen gehandelt haben, darunter vollautomatische Maschinenpistolen.
Tatsächlich war die Polizei mehr oder weniger zufällig auf die Waffen gestoßen, denn die Durchsuchung beim sogenannten „Schamanen“ hatte im Zusammenhang mit einem anderen Ermittlungsverfahren wegen illegaler Arzneimittel gegen den 62-Jährigen stattgefunden. Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) hatte zunächst die Ermittlungen übernommen. Der Erlanger sitzt seit November in Untersuchungshaft.
„Schamane“ in Erlangen: Nach Waffenfund Anklage erhoben
Auch wenn die Waffen nach Angaben der Polizei einsatzfähig und teils geladen waren, als sie gefunden wurden, habe keine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestanden. Genaue Beweggründe blieben zum damaligen Zeitpunkt jedoch offen. Auf Nachfrage dieser Redaktion äußert sich die Generalstaatsanwaltschaft hierzu auch nach der offiziellen Anklageerhebung nicht. Es sei „Sache der Hauptverhandlung“, die „Hintergründe und Motivation“ des Angeklagten zu klären, so eine Sprecherin.
Im Januar dieses Jahres hatte die Polizei eine weitere Suchaktion durchgeführt. Gleich mehrere Polizeiwagen und ein Bagger waren dabei in einem Waldstück bei Alterlangen zugange, das nur wenige hundert Meter vom „Langen Johann“, entfernt liegt.
Prozess am Amtsgericht Erlangen könnte bald starten
Ob und wann das Verfahren gegen den 62-Jährigen eröffnet wird, liegt nun im Ermessen des Amtsgerichtes Erlangen. Dieses bestätigt auf Nachfrage von fraenkischertag.de aber bereits, dass von einer Eröffnung der Hauptverhandlung auszugehen sei. Auch wenn es noch keinen konkreten Termin gibt, könnte der Prozess schon Anfang August beginnen. „Das unerlaubte Ausüben der tatsächlichen Gewalt über Kriegswaffen ist als Verbrechen mit einer Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsstrafe bedroht“, heißt es in der Pressemitteilung der Generalstaatsanwaltschaft.
Der selbsternannte „Schamane“ war schon vor der Hausdurchsuchung vor allem in den sozialen Medien immer wieder aufgefallen. So hatte der Esoteriker beispielsweise auf Facebook seine Arbeit gezeigt und dabei von vermeintlichen Heilfrequenzen und Klang-Behandlungen gesprochen. Auch Verschwörungstheorien zur Corona-Pandemie und Impfungen hatte er auf seinem Profil verbreitet.
Nach eigenen Angaben soll der 62-Jährige im IT-Bereich tätig gewesen sein. Auch zahlreiche Bücher, unter anderem über nordische Götter oder die Heilkraft von Frequenzen, gehen auf sein Konto.













