Denkt man an Indien, haben viele direkt ein duftendes Curry oder einen farbenfrohen Bollywood-Film vor Augen. Doch mit seinen rund 1,4 Milliarden Einwohnern, 28 Bundesstaaten und mindestens sechs Religionen hat das Land in Südasien eine unglaubliche Vielfalt zu bieten.
Dieser will sich die Stadt Erlangen 2024 mit einer Veranstaltungsreihe widmen. Doch wieso ausgerechnet Indien? „Die Zahl der Zuwanderer aus Indien ist in den vergangenen Jahren sehr stark angestiegen", erklärt Silvia Klein vom Büro für Chancengleichheit. Waren es 2011 noch gerade einmal 568 Menschen aus Indien, leben inzwischen 3560 indische Einwanderer in Erlangen, viele davon Studierende oder Fachkräfte aus den Bereichen Mathematik, Information, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Damit bilden sie die größte Gruppe von Zugewanderten in Erlangen.
Deutschland hat guten Ruf unter indischen Migranten
„Meine These ist, dass viele Inder früher in englischsprachige Länder ausgewandert sind. Das hat die letzten Jahre wegen der migrationsfeindlichen Politik von Trump in den USA und dem Brexit stark abgenommen”, führt Klein aus. Deutschland habe demnach in Indien einen sehr guten Ruf als einwanderungsfreundliches Land, aber auch als Wirtschaftsstandort. In Erlangen und der Umgebung gebe es genug Jobangebote.
Außerdem hätten schon mehrere Einwanderer berichtet, dass Studenten, die ein Semester oder mehr an der Friechrich-Alexander-Universität (FAU) verbringen, Zuhause von der Stadt geschwärmt hätten. „In Indien kennen die Leute nicht Berlin, sondern Erlangen", scherzt Klein.
Als Antwort auf die steigenden Zahlen habe sie schon 2019 angefangen, Informationsveranstaltungen für die indische Community abzuhalten, um die Ankunft und die Integration in Erlangen zu erleichtern. „Wir hatten zum Beispiel im vergangenen Jahr mal einen Workshop zum Thema Energiesparen und richtig heizen", erzählt Klein.
Vielfalt Indiens: Feiertage, Kochkurse und mehr
2023 habe die SPD dann einen Antrag gestellt, laut dem das Büro für Chancengleichheit zusammen mit indischen Migranten ein Programm zur Vielfalt Indiens erarbeiten sollte. In mehreren Workshops haben die Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Akteure aus der indischen Community sich schließlich auf ein Programm mit rund 50 Veranstaltungen geeinigt.
Zur Eröffnung feierten die Teilnehmer beispielsweise am Sonntag das indische Neujahrsfest Makar Sankranti, das in allen Teilen Indiens gefeiert, aber überall anders genannt und mit unterschiedlichen Ritualen begangen wird. „Im Garten vom E-Werk gab es zum Beispiel ein Feuerritual", sagt Klein. Dazu Tänze, Musik, Kulturbeiträge. Das Ziel ist es, die Diversität Indiens nicht nur den Einheimischen in Erlangen, sondern auch den Einwanderern untereinander näherzubringen.
Vortrag zu Frauenrechten: Wissenschaftlerin spricht an der VHS
„Diese Arbeit macht viel Spaß, man lernt Neues und die Gruppe ist sehr interessant. Da braucht es keine Überzeugungsarbeit. Es ist eine Gruppe, die ein unglaublich hohes zivilgesellschaftliches Engagement an den Tag legt. Das ist für jede Stadt eine Bereicherung", sagt Klein.
Das Programm umfasst Quizabende, Kochkurse und eine Woche, in der die Mensa der FAU jeden Tag ein indisches Essen serviert. Andere Veranstaltungen haben einen ernsteren Anklang, wie beispielsweise der Vortrag der indischen Wissenschaftlerin Kushboo Jain über die Rechte von Frauen in Indien am 8. März im Frauenzentrum der Volkshochschule. „Uns geht es nicht nur um den folkloristischen Aspekt, sondern auch um Geschichte, Natur und soziale Fragen", erklärt Klein.
Kalender soll auf Themen der Vielfältigkeit aufmerksam machen
Und das Büro für Chancengleichheit hat sich noch ein weiteres Projekt überlegt, um auf die Veranstaltungen aufmerksam zu machen und die Vielfalt in Erlangen zu würdigen. Über Jahre hinweg habe das Jugendamt Wandkalender für Beschäftigte der Stadt ausgeteilt. Nun habe das Büro für Chancengleichheit entschieden, in diese Fußstapfen zu treten. Entstanden ist ein Kalender, der neben den herkömmlichen Feiertagen auch Feiertage aus anderen Religionen, sowie Welttage zu Diversität und Chancengleichheit beinhaltet.
„Wir wollen mit dem Vielfaltskalender Wissen, Info und Haltung zu den Themen vermitteln, die uns beschäftigen", erklärt Florian Sperber vom Büro für Chancengleichheit. So finden sich in dem Kalender zum Beispiel am 6. Februar der Internationale Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung, am 11. März der Beginn des Ramadan oder am 17. Mai der internationale Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie.
Vielfaltskalender kostenlos online oder im Rathaus
Außerdem spiegelt der Kalender passend zur Veranstaltungsreihe viele indische Feiertage wider, wie zum Beispiel das hinduistische Holifest am 25. März. Über 1000 Kalender sind laut Sperber allein in der Stadtverwaltung verteilt worden. „Rechnet man mit 3000 Beschäftigten, hängt in nahezu jedem Büro ein solcher Kalender", erklärt er.
Zusätzlich können Bürger sich den Kalender kostenlos auf der Homepage herunterladen oder in den Formaten A1 oder A3 ausgedruckt am Info-Tresen des Rathauses abholen.
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