Naturwissenschaft
Das fliegende Klassenzimmer
Gleich hebt Minas Flieger ab.
Gleich hebt Minas Flieger ab.
Foto: Johanna Blum
Adelsdorf – Wie mach ich Kindern den Modellflug schmackhaft? Ein ehemaliger Gymnasiallehrer aus Höchstadt findet die Antwort.

„Alles fliegt“ war das Thema des Besuchs von Klaus Strienz, ehemaliger Gymnasiallehrer in Höchstadt, in der Klasse 4 c der Grundschule Adelsdorf. Seine Assistentin war Anika Schwandner aus der Klasse 7 im Gymnasium Höchstadt. Sie besucht im Moment das gymnasiale Wahlfach „Technisches ExperiMINTieren“ (Mint bedeutet Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften,Technik).

Die Klasse mit Simone Schwarzer: Die jungen Flugkünstler hatten viel Freude.
Die Klasse mit Simone Schwarzer: Die jungen Flugkünstler hatten viel Freude.
Foto: Johanna Blum

Mit einem chinesischen Bild „Mein erster Flugversuch“, das die Vision eines neunjährigen Mädchens zeigt, kommt der erfahrene Pädagoge gleich zum Thema. Nach einem Gespräch über Flugobjekte in der Natur wie Samen, Insekten und Vögel, aber auch über Dinge, die fliegen, erhielt jedes Kind einen Ahornsamen und durfte damit „spielen“.

Samen als Vorbild

Alle Schüler erkannten sofort, dass die Samen fliegen, und gleich probierten sie es mit Begeisterung aus und stiegen auf Tische und Bänke. Weiter ging es mit Papiermodellen, ausgeschnitten nach dem Vorbild von Ahornsamen. Immer technischer wurden die Modelle. Anhand eines kleinen Kunststoffpropellers erkannten die Viertklässler, dass bei schnellerer Drehung dieser sogar an die Decke des Klassenzimmers fliegt.

Flugstunden im Pausenhof: Janaavi übt mit einem Propellerblatt.
Flugstunden im Pausenhof: Janaavi übt mit einem Propellerblatt.
Foto: Johanna Blum

Weiter ging es mit einem kleinen Hubschraubermodell. Weshalb fliegt denn der Hubschrauber? Diese Frage versuchten die Kinder zu beantworten und erkannten, dass der Propeller, der Rotor, die Luft nach unten bläst. Mit einem großen „Rotorblatt“ konnten die Schüler im Pausenhof nun Flugzeug spielen. Durchs Drehen mit gestreckten Armen erfuhren sie, dass sich die Tragfläche bei zunehmender Geschwindigkeit hebt – das nennt sich Auftrieb.

Die Propeller

Schnell fanden sie durch Ausprobieren den idealen Anstellwinkel und die richtige Drehrichtung heraus. Mit einem Flugzeugmodell mit zwei „Propellerblättern“ (den Tragflächen des Flugmodells) liefen sie begeistert durch den Pausenhof. Sie erspürten: Je schneller man sich bewegt, desto größer wurde der Auftrieb. Nun ging es zurück ins Klassenzimmer und zur Natur.

Otto Lilienthal stürzte ab

Strienz berichtete von Otto Lilienthal (1848 bis 1896), dem ersten Menschen, der erfolgreich Gleitflüge mit einem Flugapparat (Gleitflugzeug) durchführte und mit seiner Arbeit wichtige Grundlagen für die Flugzeuge schaffte.

Lilienthal stürzte bei einem Flugversuch aus 15 Metern Höhe ab und starb kurze Zeit später. Durch genaue Beobachtung der Störche hatte dieser entdeckt, dass die Flügel der Vögel stark gewölbt sind, was den Auftrieb noch mehr vergrößert als bei ebenen Flächen – eine wichtige Erkenntnis, die auch der Grund ist, warum die Flugzeuge bei Start und Landung die Teile der Tragflächen an der Vorderseite und am hinteren Rand nach unten klappen.

Erstaunt über leichte Bauweise

Anhand der gezeigten und erfühlten verschiedenen Tragflächen mit dieser Wölbung waren die Kinder über die leichte Bauweise erstaunt. An einem mitgebrachten Flugmodell ging Strienz noch auf die Begriffe Rumpf, Tragfläche, Höhenleitwerk und Seitenleitwerk ein.

Wieder im Pausenhof wurde begeistert noch das Auffangen eines zugeworfenen Modells sowie der richtige Startwurf von Kunststoffmodellen mit den Banknachbarin, dem Banknachbarn trainiert.

Die Geheimsprache der Lotsen

Zum Abschluss erhielten die Schüler und Schülerinnen eine Einführung in die „Geheimsprache“ der Fluglotsen und Piloten, in das Fliegeralphabet. Es verwendet weltweit genormte englische Begriffe, um Buchstaben beziehungsweise Worte sicher zu kommunizieren.

Davor hatte Strienz die 4 b in Adelsdorf besucht und in diesen Tagen „fliegt“ er noch mit vielen Kindern der Höchstadter Anton-Wölker-Schule.

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