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Von Herzo in die USA
Wie fränkische Bratwürste das Silicon Valley erobern
Ludwig’s Biergarten
Gisela Qasim und ihr Mann Stefan Welker genießen die Produkte aus eigener Produktion in ihrem Lokal. // Ludwig’s Biergarten
Signet des Fränkischen Tags von Gerd Ankermann
Herzogenaurach/Mountain View – Fränkische Bratwürste finden ihren Weg ins Silicon Valley. Gisela Qasim bringt bayerische Tradition nach Kalifornien und belebt alte Rezepte.

In „Ludwig’s Biergarten“ gibt es Bratwürste nach dem Originalrezept der alten Herzogenauracher Metzgerei Seeberger. Das schöne Gartenlokal liegt aber nicht in Mittelfranken, sondern im sonnigen Kalifornien, mitten im Herzen des Silicon Valley in Mountain View. Gisela Qasim betreibt das Lokal seit Oktober 2024. Den Namen „Ludwig’s“ hat sie vom Vorbesitzer übernommen. Ihr Mann Stefan Welker ist ein gebürtiger Herzogenauracher und hat die erste 3D-Brille für Google entwickelt, deshalb leben und arbeiten die beiden seit 2014 in den USA.

Die „Wirtin vom Silicon Valley“ wurde in Pakistan geboren und ist in München aufgewachsen. In Erlangen hat sie Sozialwissenschaften studiert und ist seitdem weit herumgekommen in der Welt. Nach ihrer Tätigkeit im Technologiebereich hat sie sich als Gründerin von „FrankoniYum“ selbstständig gemacht. Sie ist zu einer Genussbotschafterin der bayerischen und fränkischen Lebensart geworden.

Neustart in den USA durch Bratwürste

Ihre Schwester hat bei einem Besuch festgestellt, dass es keine gescheiten Würste in Kalifornien gibt. Das war der Auslöser für Gisela Qasim, sich beruflich neu zu orientieren. Folgerichtig hat sie den Biergarten übernommen. Gerade zur richtigen Zeit, meint sie. Es findet eine Transformation statt. „Die Leute gehen von ,Tech zu Trade‘“, sagt sie. Die disruptive Technologiewelt von KI, Blockchain und FinTech wandle sich in den Staaten mehr und mehr zum Handelsbereich mit „handfesten Berufen“.

Ludwig’s Biergarten
Florian Hilberg aus Herzogenaurach ist Stammgast im „Ludwig’s“, wenn er dienstlich in Kalifornien ist. // Ludwig’s Biergarten

Das Motto: „Liebe geht durch den Magen“ setzt sie mit Leidenschaft um. Mit selbstgemachten Speisen aus „old Germany“ bringt sie die bayerische Gemütlichkeit in das hektische Treiben in die Wachstumsregion. Ihr Schwager Armin Welker hat nach der Schließung der alten Metzgerei Seeberger in Herzogenaurach das Bratwurstrezept ergattert.

Biergarten-Tradition in Kalifornien

Der Kontakt zur alten Heimat wird aber auch durch einen Stammgast aufrechterhalten: Florian Hilbert pendelt beruflich zwischen Herzogenaurach und Palo Alto gleich neben Mountain View. Er versorgt das „Ludwig’s“ mit Devotionalien, wie einem originalen Bierkrug der Polster-Brauerei oder einem Kunstdruck von Herzogenaurach aus dem Stadtarchiv. Christian Hoyer, der Leiter des Stadtmuseums, ist auch ein großer Fan vom Konzept des „Ludwig’s“ und freut sich über die Kontakte, die über den großen Teich gepflegt werden.

„Ludwig’s Biergarden“ ist der einzige Ort an der Westküste der USA, wo es fränkische Bratwürste nach altem Seeberger-Rezept gibt. Eine Metzgerin wurde eingestellt, die rund 1000 Würste im Monat fabriziert. Das Essen wird vormittags frisch vorbereitet. Die Spätzle sind hausgemacht, die Brezen selbst gelaugt. Die Wirtin will so wenig Convenience-Food wie möglich. Das gilt auch für die Schweinshaxe nach bayerischer Art. Die Speisekarte enthält aber auch vegane Currywurst.

Bier und Verantwortung

Dazu gibt’s bayerisches Bier: Hacker Pschorr „Munich Gold“ ist der Favorit bei den Gästen des „Beergardens“. Umgerechnet 15 Euro kostet dort die Maß Bier. Das importierte Bier ist deutlich stärker als so manches „Dünnbier“ aus den Staaten. Die Wirtin brauchte eine spezielle Ausbildung, damit sie rechtzeitig erkennen kann, dass ihre Gäste nicht allzu schnell betrunken sind.

Worauf die Gäste im „Ludwig’s“ verzichten müssen, ist der Anblick von Dirndl und Lederhosen. Die Servicekräfte tragen normale Kleidung und ein T-Shirt mit dem Firmenlogo. Der meiste Umsatz wird nach 18 Uhr gemacht, etwa 300 Gäste können gleichzeitig bewirtet werden. Denn auch die amerikanischen Gäste gehen am liebsten abends in den Biergarten, nach der Arbeit.

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