Die Bergkirchweih ist nicht das Einzige, für das Erlangen und die Region bekannt sind. Medizin, Technik, Sport und Kultur: Diese Erfindungen und Rekorde haben nicht nur ihre Bereiche, sondern von Franken aus die ganze Welt verändert.
1000 Songs in deiner Hosentasche: Das MP3 -Format
„1000 Songs in deiner Hosentasche“. Mit diesem Slogan präsentierte Apple-Gründer Steve Jobs im Jahr 2001 den I-Pod. In den kommenden Jahren und mit steigendem Absatz wurde der MP3-Player von Apple gewissermaßen zum Synonym der neuen Ära der digitalen Musik.
Soweit bekannt. Was das mit Erlangen zu tun hat? Ohne die Erfindung des MP3-Formats am Fraunhofer-Institut in Erlangenwäre das nicht möglich gewesen. Am 14. Juli 1995 wurde das Verfahren zur Audiokodierung offiziell getauft, auf „MPEG-1 Audio Layer-3“, kurz MP3, wie das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen auf seiner Website schreibt.
Im Ergebnis seien die MP3-Dateien bis zu zehnmal kleiner als die umcodierten Originale, und das ohne hörbare Unterschiede.
Diese bahnbrechende Kombination machte den weltweiten Siegeszug von MP3 möglich. Wo jungen Musikhörern MP3-Player nicht mehr bekannt ist, verzeichnet einer der bekanntesten Streamingdienste Spotify nach eigenen Angaben (Stand: November 2025) weltweit mehr als 713 Millionen Nutzer.
Looking for Freedom: berühmter Song der Weltgeschichte stammt von Erlanger
„Mister Hasselhoff, tear down this wall!“ Zugegeben, es ist ein besonderes Kuriosum der deutschen Geschichte, dass ausgerechnet der berühmte US-amerikanische Schauspieler für die Ewigkeit mit dem Fall der Berliner Mauer in Verbindung gebracht wird. An Silvester 1989 sang Hasselhoff seine Single „Looking for Freedom“ von einem Kran aus vor dem Brandenburger Tor.
Der Song, der zu einer Art Hymne der Einheit wurde, stammt eigentlich vom Erlanger Frank Seeberger. Mehr als ein Jahrzehnt vor Hasselhoffs Adaption, hielt sich „Looking for Freedom“ zwischen Oktober 1978 und Januar 1979 für 13 Wochen in den deutschen Charts.
Seeberger war unter dem Alias „Marc Seaberg“ und als Mitglied der Bands „The Mystic Eyes“ und „Bentox“ bekannt. Mit letzterer war er während des Vietnamkriegs in den 1960er-Jahren in Südostasien auf Tour. Seeberger betrieb viele Jahre lang das Lokal „Star-Club“ in Erlangen. 2024 verstarb er im Alter von 78 Jahren.
Medizinische Wunder: Retortenbaby und erste Bypass-Herzoperation in Deutschland
Gleich zwei Meilensteine der Medizin und Forschung kann die Frauenklinik des Universitätsklinikums Erlangen ihr Eigen nennen.
Dieses Jahr wäre es der 44. Geburtstag für Oliver W. Seine Geburt am 16. April 1982 in Erlangen war eine Sensation. Oliver war das erste Baby in Deutschland, das durch die künstliche Befruchtung in einem Reagenzglas, (In-vitro-Fertilisation) gezeugt wurde. Heutzutage ist die IVF ein medizinischer Standard, schreibt das Universitätsklinikum Erlangen auf seiner Website. In den 1980er-Jahren allerdings löste die Geburt des 4.150 Gramm schweren Jungen ethische Debatten aus.
Nur ein paar Jahre später gelang Forschern aus Erlangen eine weitere Entwicklung der Reproduktionsmedizin: Am 17. Februar 1987 wurde das erste Baby geboren, das aus einem tiefgefrorenen Embryo gezeugt wurde. Die Medien sprachen von dem neugeborenen Mädchen damals als „Tiefkühlbaby“ und „Kind, das aus der Kälte kam“.
Herzchirurgie: Erster Bypass in Deutschland
Eine weitere bahnbrechende medizinische Errungenschaft führte der Professor und Chirurg Gerd Hegemann ebenfalls in den 1960ern am Erlanger Uniklinikum durch. 1969 führte Hegemann die erste Bypassoperation an einem Herzen durch, wie das Klinikum auf seiner Website angibt.
Bei einem Bypass wird meist mit einem körpereigenen Blutgefäß eine Umgehung gelegt, um eine verengte oder verschlossene Stelle in einem Blutgefäß zu umgehen. Laut der Techniker Krankenkasse zählt der Eingriff mittlerweile zu den häufigsten Herzoperationen in Deutschland.
Röntgen und Strahlentherapie: Siemens
Der Name dieses Unternehmens scheint untrennbar mit Erlangen verbunden: Siemens. Die Erfindungen von 1933 und 1934, für die Siemens in Erlangen bekannt ist, sind die Drehanodenröhre „Pantix“ und die Röntgenkugel. Beide Technologien haben die Technik des Röntgens und die moderne Medizintechnik geprägt.
Revolutionen der Mobilität: Bayerns erster Eisenbahntunnel
Hätten Sie es gewusst? Die Geschichte der Eisenbahn in Deutschland beginnt in Franken. Auf sechs Kilometern versetzte im Jahr 1835 die aus England importierte Lokomotive „Adler“ die Franken mit ihren maximal 30 Kilometern pro Stunde in Staunen – und zog die Industrialisierung und das erste Massentransportmittel mit sich, wie das Deutsche Bahn Museum angibt. Zehn Jahre später fuhr die erste Lokomotive in Deutschland durch den ersten Eisenbahntunnel Bayerns. 1844 wurde der Burgbergtunnel bei Erlangen in Betrieb genommen und bis heute wird der denkmalgeschützte Tunnel, nach einer Erweiterung, nach wie vor genutzt.
Das nächste Mobilitätsprojekt der Superlative für die Metropolregion Nürnberg mag die geplante Stadt-Umland-Bahn von Nürnberg nach Herzogenaurach sein, das derzeit größte Straßenbahnprojekt Deutschlands.
Der Vater des Schraubstollenschuhs aus Herzogenaurach?
Weil der Herzogenauracher Schuhhersteller und Adidas-Gründer Adi Dassler 1954 die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußballweltmeisterschaft ausrüstete, trug er mit der Innovation des Schraubstollenschuhs zum historischen Sieg bei.
Seitdem gilt Dassler oft fälschlicherweise als Vater des Schraubstollenschuhs. Auch wenn Dassler den Fußballschuh mit den auswechselbaren Stollen nicht erfunden hat (dem Deutschen Patentamt zufolge hat es bereits vor Dasslers Patentanmeldung 1952 ähnliche Patente gegeben), trug der Weltmeistertitel zur Bekanntheit seiner Marke bei.
Heute gehören sowohl die drei Streifen als auch der Sportartikelhersteller Puma aus Herzogenaurach zu den bekanntesten Sportmarken der Welt. Mit 23,7 Milliarden Euro Umsatz (umgerechnet ca. 27,5 Milliarden US-Dollar) im Jahr 2024 ist Adidas hinter Nike der zweitgrößte Hersteller auf dem globalen Sportartikelmarkt.
Langer Johann in Erlangen: größtes Wohngebäude in Bayern
27 Stockwerke über 80 Höhenmeter und eine Fläche von rund 24.000 Quadratmetern. Das ist der „Lange Johan“ in Erlangen. 384 Wohnparteien fasst der bunte Betonklotz, der Anfang der 1970er-Jahre erbaut wurde. Wie lebt es sich mit so vielen Nachbarn? Macht die Aussicht von den höheren Stockwerken den Lärm der nahe gelegenen A 73 wieder gut? Das hat eine Reportage des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2023 zu ergründen versucht.





















