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Hit von David Hasselhoff
Er hat „Looking for Freedom“ erfunden: Marc Seaberg ist tot
Marc Seaberg (Mitte) und Heinz Götz aus Effeltrich (l.) in der Band „The Mystic Eyes“ 2007Forchheim & Fränkische Schweiz
Marc Seaberg (Mitte) und Heinz Götz aus Effeltrich (l.) in der Band „The Mystic Eyes“ 2007 // Martin Meyer
Signet des Fränkischen Tags von Karin Hühnlein
Wichsenstein – Von wegen David Hasselhoff: Der wahre Erfinder des Hits „Looking for Freedom“ kommt aus Erlangen. Nun ist Franz Seeberger alias „Marc Seaberg“ in seinem Wohnort Wichsenstein gestorben.

Mit dem Namen Franz Seeberger können die wenigsten was anfangen. Mit seinen beiden Künstlernamen „Marc Sommer“ oder „Marc Seaberg“ vielleicht schon eher. Den Song „Looking for Freedom“ indes kennen viele Menschen hierzulande. Mit diesem erklomm der US-Schauspieler David Hasselhoff 1989 die Spitzen der Charts.

„Looking for Freedom“ von David Hasselhoff

Der einstige „Knight Rider“ und Rettungsschwimmer aus „Baywatch“ glaubt bis heute daran, damit die Berliner Mauer zum Einsturz gebracht zu haben und Initiator der deutschen Wiedervereinigung zu sein.

Doch schon mehr als ein Jahrzehnt vorher schaffte Franz Seeberger als „Marc Seaberg“ mit diesem Song den Sprung in die deutschen Charts, wo er sich von Oktober 1978 bis Januar 1979 für 13 Wochen lang hielt. Am Donnerstag, 28. November 2024, ist der seit 2013 in Wichsenstein wohnende und am 27. November 1946 geborene Sänger verstorben, just einen Tag nach seinem 78. Geburtstag.

Nachkriegszeit in Alterlangen

Über Herkunft und Kindheit von Seeberger ist wenig bekannt. Der in der zähen Nachkriegszeit in Alterlangen aufgewachsene Knabe war durch seine kleinere Statur und als unehelich geborenes Kind ohne Vater von Anbeginn gefordert, sich durchzusetzen. Schon früh erkannte er die Musik als Ziel seiner Reise und fokussierte sich darauf. Noch während der Schulzeit lernte er Geige, Bratsche und Gitarre. Seine Instrumente waren verlässlicher als halbherzige Freundschaften.

Die Band „Bentox“ 1969 mit Franz Seeberger (vorne) und Lucky Schmidt (2. v. l.)Forchheim & Fränkische Schweiz
Die Band „Bentox“ 1969 mit Franz Seeberger (vorne) und Lucky Schmidt (2. v. l.) // Archiv M. Seeberger

MIt Beat-Bands durchs Land getingelt

Die erste Schulband entstand 1959. Mit 17 Jahren gründete der junge Franz eine vierköpfige eigene Band, die „Tramps“, bevor seine musikalische Laufbahn Mitte der 60er Jahre richtig startete. In verschiedenen Beat-Bands wie den „Jokers“ tingelte er durchs Land. Er wollte nach der Schule unbedingt Geld mit Musik verdienen, um die Mutter zu unterstützen.

The Mystic Eyes: Marc Seaberg (Mitte) und Heinz Götz (Effeltrich) ganz links
The Mystic Eyes: Marc Seaberg (Mitte) und Heinz Götz (Effeltrich) ganz links // Martin Meyer/Repro Karin Hühnlein

Seeberger eröffnete in der Erlanger Fußgängerzone einen Plattenladen. Dort lief ihm 1967 auch Reinhard Steinbrecher über den Weg, ein seinerzeit erst 16-jähriger Erlanger, der im Laden von Franz anheuerte. Dieser Job war auch der Beginn einer lebenslangen Symbiose unter Freunden, denn Steinbrecher wurde später als Radiomoderator „Stoni“ bekannt und spielte die Songs seines „früheren Chefs“ öfter in seinen Programmen. Franz nannte ihn einst „seinen Promoter Nr. 1“.

Band „Bentox“ entstand

In der gleichen Zeitphase entstand die Band „Bentox“. Neben Franz gehörte Lucky Schmidt, der heute in Bammersdorf wohnt, zu den fünf Gründungsmitgliedern. Seeberger notierte später: „Eine aufregende Zeit und ein weiter Meilenstein. Für die erste Funkausstellung in Berlin hatte uns Siemens engagiert und wir durften zu Beginn und beim Abspann der halbstündigen Sendung je ein Lied spielen.“

Der Erfolg dieser bundesweiten Promotion b

Auf dem Original-Cover der Erfolgssingle „Looking for Freedom“ war die Bardame der damaligen Erlanger Edel-Disco „Marco Polo“ noch zu sehen, auf dem LP-Cover von „California Gold“ wurde sie jedoch wegretuschiert.
Auf dem Original-Cover der Erfolgssingle „Looking for Freedom“ war die Bardame der damaligen Erlanger Edel-Disco „Marco Polo“ noch zu sehen, auf dem LP-Cover von „California Gold“ wurde sie jedoch wegretuschiert. // Archiv M. Seeberger / Repro Karin Hühnlein

lieb nicht aus, der Schallplattenchef von Hansa-Records bot Seeberger noch in Berlin den ersten Plattenvertrag an. Der Kontrakt endete für ihn nach einem Jahr, er musizierte ohnehin parallel weiter mit den „Bentox“, meist in amerikanischen Clubs.

Einmal jährlich fand eine mehrtägige Audition in einem der großen US-Kasinos statt. Etwa 200 eingeladene Bands spielten jeweils eine Viertelstunde vor circa 100 Managern ihre Songs. Die nächste große Chance tat sich auf.

Auftritte im Kriegsgebiet Vietnam

Ein windiger Agent vermittelte ihnen eine vielversprechende Südostasientournee. Zu spät bekamen die Jungs von „Bentox“ mit, dass sie als Truppen-Entertainment geködert wurden und fast ausschließlich im Kriegsgebiet in Vietnam auftreten sollten. Der sechsmonatige Trip im Dschungel entpuppte sich als die Hölle. Sie spielten vor Soldaten in Armee-Dörfern als einzige deutsche Band. Bei Beschuss pausierten sie kurz in den Bunkern, dann wurde weitermusiziert.

 

Jener finanzielle Reinfall warf „Bentox“ noch nicht aus der Bahn, nach der Rückkehr konzentrierte sich die Band auf Gigs in Deutschland. Bei „Miller“ fanden zunächst noch Plattenaufnahmen statt, bevor sich die Wege letztlich doch trennten. Die musikalischen Ansprüche passten nicht mehr zusammen.

Song „Looking for Freedom“ komponiert

Seeberger jedoch schaffte mit einem Solo-Plattenvertrag bei Jack White den Durchbruch. White hatte bereits vielen Talenten den Weg geebnet. Unter dem Pseudonym „Mark Sommer“ sang Franz etwa zehn Singles ein, darunter „Hey Jude“ von den Beatles, mit der er in der Sendung „Disco“ bei Ilja Richter auftrat. Vergeblich bekniete Seeberger zunächst immer wieder Jack White, einmal englisch singen zu dürfen. Erst nach drei Jahren lenkte er ein und komponierte mit einem Text von Gary Cowton den englischen Song „Looking for Freedom“.

60er-Jahre-Revival-Band „The Mystic Eyes“ 

Erstmals verdiente „Marc Seaberg“, wie er nun hieß, richtig Geld. Als Solointerpret und später, nach der Zeit mit Jack White, auch als Bandleader verschiedener Formationen („Slow Madness“, „Marc Seaberg & Lipstick“, „The Magictones“, „Funkaholics“) veröffentlichte er mehrere selbst komponierte und getextete LPs und Singles. Marc Seaberg schloss sich 2007 als Sänger der Regensburger 60er-Jahre-Revival-Band „The Mystic Eyes“ an und musizierte zuletzt nur noch im privaten Kreis.

Dokumentarfilm „Mr. Hasselhoff, Tear Down This Wall“

Besonders stolz machte ihn ein unerwarteter Anruf Mitte 2014 aus Amerika. Die Regisseure Gabi und Mark Hayes planten einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Mr. Hasselhoff, Tear Down This Wall“. Er handelt vom Fall der Berliner Mauer 1989 und davon, dass David Hasselhoffs Song „Looking for Freedom“ für viele Menschen aus Ostdeutschland zu einer unerwarteten Hymne wurde.

Bei ihren Recherchen fanden sie heraus, dass Franz Seeberger der Originalinterpret des Liedes war und luden ihn erst zu den Dreharbeiten und später nochmals nach Berlin in die Hansa-Studios ein. Dort wartete auf Franz neben dem ursprünglichen Texter Gary Cowtan auch David Hasselhof, um gemeinsam mit ihm „ihr Lied“ zu präsentieren. Seebergers Suche nach Freiheit fand sich im Rock ’n’ Roll.

 

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