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Trauriges Jubiläum
Hilfe aus Höchstadt: Gedenken an Beginn des Ukrainekriegs
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gleicht Charkiws Stadtteil Nord-Saltivka einer Trümmerlandschaft. Hilfe erhalten Ukrainer seit drei Jahren auch aus Höchstadt.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine gleicht Charkiws Stadtteil Nord-Saltivka einer Trümmerlandschaft. Hilfe erhalten Ukrainer seit drei Jahren auch aus Höchstadt. // Viktoriia Babych-Veprieva
Signet des Fränkischen Tags von Viktoriia Babych-Veprieva
Höchstadt a. d. Aisch – Seit drei Jahren wütet der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Eine Mutter, die ihre Tochter vor russischen Granaten rettete und ein Mann aus Höchstadt, der den Menschen in der Ukraine hilft.

Der 24. Februar 2022 teilte das Leben von Millionen von Menschen in ein Davor und ein Danach. Für Ukrainer begann an diesem Tag der erbarmungslose russische Angriffskrieg auf ihr Land. Bei Menschen in Deutschland wuchs der Wunsch zu helfen und zu trösten. Seit drei Jahren nun wütet der Krieg in der Heimat der Geflüchteten, ihren Familien und Köpfen. Eine geflüchtete Ukrainerin und ein Helfer aus Höchstadt erinnern sich.

Anna flüchtete aus Charkiw: „Ich wohnte mit meinem Mann und meiner Tochter in der Zvezdnaya-Straße im 5. Stock. Am Tag zuvor war mein Mann bei seiner Mutter im Stadtbezirk Nord-Saltivka, und wir verbrachten die Nacht mit unserer Tochter. Um 5 Uhr morgens wurde ich von Explosionen geweckt. Ich rannte zu den Fenstern und sah in der Ferne schwarzen Rauch und Feuer. In den sozialen Medien wurden Videos und Kommentare über die russische Invasion gepostet. Ich rief meine Schwester an und sie bestätigte meine schlimmsten Befürchtungen.“

Charkiw: Explosion und Soldaten in der Stadt

Das Haus ihrer Schwester lag in der Nähe der Straße. Die Bewohner wurden aus dem Haus geholt, und ukrainische Soldaten gingen in Stellung. Von den Fenstern aus konnte man die Hauptstraße sehen. 5.10 Uhr. Annas Flucht beginnt. „Alles war schnell erledigt: Dokumente, Telefone, das Nötigste wurde in die Tasche gesteckt. Die Tochter, die nichts verstand und um die ich große Angst hatte, sie zu erschrecken, führte gehorsam meine Anweisungen aus.“

Nachbarn fuhren schnell mit ihren Autos weg. Anna wurde klar, dass sie entweder mit dem Taxi oder dem Bus zu ihrem Mann fahren musste. 5.20 Uhr. „Ich schaute ständig auf die Uhr. Das disziplinierte mich und brachte mich zur Vernunft. Wir verließen das Haus, aber es war unmöglich, ein Taxi zu rufen, also gingen wir zur Bushaltestelle, um auf den Minibus zu warten.“ In der Nähe gab es eine Explosion.

Krieg in der Ukraine: Menschen flüchten aus Charkiw

Ein Wäschehaufen in einem Hof wurde in Stücke gerissen. Anna hat Angst um ihre Tochter Elena, fünf Jahre alt: „Sie ist wie ein kleines Häschen, das sich an mich kuschelt, ich bin sehr nervös, ich halte mir die Ohren zu. Es ist unmöglich, die Straße zu überqueren, wegen der Autos, die in Kolonnen aus der Stadt fahren.“ Dann erreicht sie die Nachricht, dass russische Soldaten auf die Kolonnen geschossen haben und viele getötet haben.

5.50 Uhr. „Wir besteigen das einzige Taxi. Es bringt uns in das Viertel, in dem mein Mann auf mich wartet. Ich war erstaunt über die Reife meines Kindes, das ganz ruhig war. Ich habe ihr gesagt, dass alles gut wird, und sie hat mir geglaubt.“

Kampf um Militärstützpunkt in Charkiw 

Anna war sehr aufgeregt, ihr liefen Tränen übers Gesicht. Damals wusste sie noch nicht, dass sie und ihre Tochter, als sie Nord-Saltowka betraten, Mitten in ein Schlachtfeld laufen. Dort befand sich ein Militärstützpunkt, den russische Soldaten beschossen.

„Ich habe die Situation nicht richtig verstanden. Es war wichtig für mich, zu meiner Familie zu gehen und zu entscheiden, wie es weitergehen sollte. Die Familie meines Mannes stammte aus Abchasien. Sie zogen 1993 in die Ukraine. Die Mutter meines Mannes erinnerte sich sehr gut an den Krieg, der ebenfalls um 4 Uhr morgens begann, und an das Vorgehen der Russen.“

Ukrainekrieg: Russische Panzer in Charkiw

Sie wollte Sachen aus ihrem Haus holen, die Katzen rauslassen. „Niemand will für Geld in mein Viertel fahren. Um 10 Uhr morgens fuhren russische Panzer dort ein. Ein Mann half uns aus Mitleid und sagte, dass ich es in zehn Minuten schaffen müsse, sonst fahre er. Ich ließ die Katzen raus, schnappte mir, was ich brauchte, dann gab es eine solche Explosion, dass mir die Ohren dröhnten.“

Annas Tochter stürzte zu Boden, packte das Bein ihrer Mutter und flehte sie an, wegzufahren. Sie rannten, aber der Mann war schon weg. Zuerst rannten sie in die Schule, um sich zu verstecken. Kurz darauf explodierten auch dort Granaten.

Wegen Krieg: Hilfe aus Höchstadt für Ukraine

„Ich hatte große Angst, dass es ein Massengrab für Menschen werden würde. Wir rannten hinaus und liefen zur U-Bahn. Wir fuhren in Richtung Zentrum. Die Lichter gingen aus. Gott, dachte ich, wenn die Lichter ausgehen, wird es auch in der U-Bahn Tote geben. Deshalb stiegen wir an der nächsten Station aus und gingen zu Fuß.“

Im Zentrum herrschte Stille. Anna und ihre Tochter erreichten das Haus ihrer Cousine, zwei Tage lang glaubten sie, in Sicherheit zu sein. Doch in der Nähe befand sich ein Kraftwerk, das Kampfflugzeuge angriffen. Für Anna die schrecklichste Erinnerung ihres Lebens: „Wir saßen in den Kellern, die überhaupt nicht als Schutz geeignet sind, hörten die Erde beben und beteten.“ Währenddessen wird Andriy aus Höchstadt, der Ukrainer lebt seit mehr als 25 Jahren in Deutschland, zu einem der ersten Freiwilligen, die von Erlangen aus Hilfsgüter in die Ukraine schickten.

Kontakt aus Höchstadt zu Militärs in der Ukraine

„Ich bin um 5 Uhr morgens aufgewacht. Aus der Ukraine kamen zahlreiche Meldungen über den Einmarsch der Russen. Ich ging zur Arbeit, aber den ganzen Tag dachte ich an meine Freunde und Verwandten, die in der Ukraine geblieben waren.“ Er habe Freiwilligenorganisationen in Kiew und Bekannte von Militärs in der Ostukraine kontaktiert, und gefragte, was er sammeln sollte: Erste-Hilfe-Kästen.

Viele Freiwillige, die zu Kriegsbeginn halfen, helfen noch immer. Andriy sagt: „Wenn man das Gefühl hat, selbst etwas zu tun, wird es leichter für die Seele. Ich kenne diese Militärs, denen ich geholfen habe. Viele von ihnen sind in diesen drei Jahren gestorben.“

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