Im Januar erhielt die Verwaltung der Stadt Iwankiw einen offiziellen Brief von Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm. Dies ist der zweite offizielle Briefwechsel zwischen Höchstadt und der ukrainischen Stadt. Die Grundlage für das Vertrauen, das gegenseitige Verständnis und das Angebot zur Zusammenarbeit, das die Verwaltung von Iwankiw im Jahr 2024 an die Stadt Höchstadt gerichtet hat, wurde von der Güte und Solidarität der Frauen der Höchstadter Kleiderkammer des Helferkreises mit dem ukrainischen Volk ermöglicht.
Ukraine-Krieg: Wie Höchstadt den Menschen in Iwankiw hilft
Sie sind die Grundlage für Vertrauen, Verständnis und einen Vorschlag zur Partnerschaft. Diese Geschichte zeigt, wie ein Tropfen Güte aus dem Herzen der Frauen Respekt, Vertrauen und Dankbarkeit, den Wunsch nach Kennenlernen und den Aufbau enger Freundschaften zwischen Ukrainern und Deutschen bewirken konnte.
Diese Geschichte begann am 21. Dezember 2022, als eine Initiativgruppe von Frauen aus Höchstadt eine humanitäre Fracht für das ukrainische Militär sammelte. Es handelte sich um ein Weihnachtsgeschenk, das mit drei Flix-Bussen innerhalb von 45 Stunden eine Strecke von 1692 Kilometern zurücklegte. Die humanitäre Ladung bestand aus zwei Koffern und zwei Kartons. Sie wog 60 Kilogramm und enthielt warme Kleidung und Socken, Schuheinlagen und Thermounterwäsche, T-Shirts und Weihnachtssüßigkeiten für das ukrainische Militär. Einer der Kartons war in Festtagspapier eingewickelt und trug einen Weihnachtsgruß in deutscher und ukrainischer Sprache: „Frohe Weihnachten an alle tapferen Soldaten“.
Vor Hilfe aus Höchstadt: Konzert in Iwankiw
Während der beschwerlichen Fahrt erregte die bunte Schachtel die Aufmerksamkeit und das Lächeln von Fahrern, ukrainischen und ausländischen Passagieren. Valeria Bondarenko, Leiterin des Wohltätigkeitsprojekts „Resonanz der Zerstörung“, nahm die humanitäre Fracht in Kiew entgegen. Die Fracht wurde von Koffern in praktische Boxen umgeladen und für den Transport zu einer Militäreinheit in der Ostukraine vorbereitet. Bondarenko war auf die Weihnachtssüßigkeiten aufmerksam geworden. Sie setzte sich mit dem Leiter der Militäreinheit in Verbindung, die die Fracht entgegennahm, und bat ihn, die Weihnachtssüßigkeiten für die Kinder aus Iwankiw dazulassen.
In Iwankiw sollte in ein paar Tagen eine Kulturveranstaltung stattfinden, um die Öffentlichkeit auf das zerstörte Maria Prymatschenko-Museum aufmerksam zu machen. Am 29. Dezember 2022 gaben Kinder der Kunstschule Marija Prymatschenko ein kleines Konzert in der Nähe des zerstörten Geschichts- und Heimatmuseums der Stadt Iwankiw, das den Namen von Marija Prymatschenko trägt. Marija Prymatschenko, die den Titel „Volkskünstlerin“ trug, wurde am 30. Dezember 1908 im Bezirk Wyschhorod in der Region Kiew geboren. Sie malte „naive Kunst“. 1937 erhielt sie auf der Weltausstellung in Paris eine Goldmedaille und überraschte die Fachwelt mit ihren Bildern, die auch von Pablo Picasso und Marc Chagall bewundert wurden. 2009 erklärte die Unesco zum Jahr der Marija Prymatschenko.
Russischer Vormarsch über Hostomel und Butscha
Bei der Veranstaltung erinnerte Nadja Biriuk, Abteilungsleiterin für Kultur im Gemeinderat Iwankiw, an die schrecklichen 36 Tage der Besetzung der Stadt Iwankiw durch russisches Militär. Im Jahr 2022 nutzten Russen das strahlenverseuchte Gebiet der Tschernobyl-Zone als militärischen Brückenkopf und als militärische Transitroute nach Kiew. Auf ihrem Weg in die ukrainische Hauptstadt zerstörten sie Städte und Gemeinden. Am 24. Februar 2022 wurde die Siedlung Iwankiw im Norden der Region Kiew als eine der ersten in der Ukraine von russischen Truppen eingenommen. Iwankiw umfasst 81 Siedlungen und erstreckt sich über eine Fläche von 362.000 Quadratkilometern.
Es handelt sich um die flächenmäßig größte Gebietskörperschaft der Ukraine. Mit Kriegsbeginn war die Stadt von der Wasser-, Strom- und Wärmeversorgung abgeschnitten, und mehr als einen Monat lang gab es weder Mobilfunk noch Internet. Eine Woche nach Beginn der Besetzung gab es in den Geschäften keine Lebensmittel mehr. Es kam zu heftigen Kämpfen. Iwankiw hielt den Vormarsch der Besatzungstruppen auf und wurde zu einem Schutzschild für Städte wie Butscha, Hostomel, Irpin und Kiew.
Russischer Angriff auf Museum in Iwankiw
Am Morgen des 25. Februars 2022 versteckten sich die Einwohner in ihren Kellern. Hubschrauber flogen über den Fluss und das Rumpeln russischer Fahrzeuge war im ganzen Dorf zu hören. Granatsplitter flogen in Richtung der Häuser, und einige gepanzerte russische Mannschaftswagen fuhren bereits durch das Dorf. Der Wachmann Anatolij Charytonow wurde Zeuge, wie eine russische Granate zuerst das Museum für Geschichte und Heimatkunde traf und wie dann dort ein schreckliches Feuer ausbrach. Mit zwei Dorfbewohnern kletterte er durch ein Fenster ins Museum und lief zu einem alten Eichenfass, in dem man am Vortag die Gemälde von Marija Prymatschenko versteckt hatte.
Als sie alle 14 Werke herausgeholt hatten, begannen sie mit der Rettung anderer Exponate – derjenigen, die noch nicht brannten. Nicht alle Exponate konnten sie retten. Das Feuer zerstörte auch die Werke der berühmten Weberin Hanna Weres. Ihre Tücher weisen einzigartige Muster auf, entstehen nach traditionellen Techniken. Bei der Besetzung Iwankiws wurden 49 Zivilisten getötet, darunter zwei Kinder.
Stadt Iwankiw schickt Brief an Höchstadt
Die Anzahl beschädigter Objekte betrug 2544, hauptsächlich Privathäuser. In 46 Siedlungen wurden etwa 2300 Häuser beschädigt, 481 vollständig. Nach dem Konzert erhielten die Kinder, die daran teilgenommen hatten, von Frauen aus Höchstadt Leckereien. Unter ihnen waren auch Waisenkinder. Ihr Vater, ein angesehener Priester, wurde vom russischen Militär brutal ermordet.
Er saß in seinem Auto, als ein russischer Panzer auf ihn schoss. Tagelang konnten sie die Leiche ihres Vaters und geistlichen Mentors vieler Bewohner nicht begraben. Fast zwei Jahre sind seit dem Konzert vergangen, bei dem Bewohner beider Städte humanitäre Hilfe für ein Krankenhaus, eine Kunstschule und einen Kindergarten austauschten. In der Kulturfabrik fanden kulturelle Veranstaltungen und Kinderausstellungen statt. 2024 erhielt Höchstadt einen Brief von der Stadt Iwankiw.
Partnerschaft zwischen Höchstadt und Iwankiw
Es heißt darin: „Der Gemeinderat von Iwankiw, ich persönlich als Leiter des Gemeinderats von Iwankiw, bezeugen Ihnen meinen Respekt. In dieser besonderen Zeit des Kampfes um den Weltfrieden und zur Förderung von Partnerschaften möchte unser Gemeinderat mit dem Gemeinderat von Höchstadt enge, für beide Partner vorteilhafte Beziehungen in humanitären und anderen Bereichen aufbauen. Wir danken der Initiativgruppe von Frauen aus Ihrer Stadt, die den Kindern der Siedlung Iwankiw geholfen haben. Die Marija-Prymatschenko-Kunstschule erhielt verschiedene Kunstmaterialien, Bleistifte, Papier und süße Silvestergeschenke.“
Im Mai wurden fünf Gemälde mit Höchstadter Motiven präsentiert, die von zwölf- bis 14-jährigen Schülern der Marija-Prymatschenko-Kunstschule gemalt wurden. Ein Gemälde zeigt Höchstadt im 19. Jahrhundert. Ein anderes zeigt das Museum Höchstadts. Bürgermeister Gerald Brehm wies darauf hin, dass die Werke das Talent der ukrainischen Kinder zeigen. Die Einwohner von Iwankiw hoffen nun, dass die Partnerschaft mit Höchstadt und ihren Bewohnern bestehen bleibt.
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