Nach der Sanierung der Kapelle auf dem Höchstadter Heldenfriedhof soll jetzt dahinter im südlichen Teil des Grundstücks ein Friedenspark entstehen. Als erster Akt bekam der künftige Park vier mit längeren Texten versehene Stelen, die über Höchstadts Partnerstädte informieren und an alle Kriegsopfer in diesen Städten erinnern. Bei den Stelen für Castlebar in Irland, Kranichfeld in der ehemaligen DDR und der Pfarrei-Partnerschaft mit Swinemünde in Polen gab es keinen Diskussionsbedarf. Anders war das bei der Stele für Höchstadts russischer Partnerstadt Krasnogorsk.
In der Pfarrei St. Georg, Eigentümerin des Heldenfriedhofs, wurde ausgiebig diskutiert, ob wegen des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine eine Erinnerung an die Beziehungen zu dem Moskauer Vorort Krasnogorsk angebracht sei. Zusammen mit Adolf Wedel, dem ehemaligen Chef der weltweit agierenden Firmengruppe Martin Bauer, war man sich schließlich einig, für Krasnogorsk auch eine Stele aufzustellen. Stadtpfarrer Kilian Kemmer und Adolf Wedel sehen sie als „Stele der Hoffnung“. Wedel sponsert – zusätzlich zu einer EU-Förderung – nicht nur den geplanten Friedenspark. Sein Unternehmen war es auch, das Ende der 1990er Jahre die Städtepartnerschaft mit Krasnogorsk initiierte.
Gerald Brehm schließt Partnerschaft mit Krasnogorsk
Die Firma Martin Bauer betrieb im Krasnogorsker Stadtteil Opalicha eine Teefabrik mit mehreren hundert Beschäftigten. Die Gymnasien Höchstadt und Opalicha schlossen eine Schulpartnerschaft mit jährlichen Schüleraustauschen. Mit einem großen Festakt im Schlosshof besiegelten dann im Jahr 2003 Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm und sein Amtskollege aus Krasnogorsk den Städtepartnerschaftsvertrag. Die Beziehung mit der russischen Partnerstadt wurde jahrelang von beiden Seiten gepflegt.
Regelmäßig reisten Höchstadter Gruppen nach Krasnogorsk und umgekehrt. Zwischen Bürgern beider Städte entstanden Freundschaften. Mit Beginn von Putins Einmarsch in die Ukraine setzte Höchstadt die Schul- und die Städtepartnerschaft aus. Die Firma Martin Bauer gab ihren Betrieb in Krasnogorsk auf und pflegt keine geschäftlichen Beziehungen mehr mit Russland.
Neue Stele auf Heldenfriedhof in Höchstadt für Krasnogorsk
Bei einem Ortstermin an der Krasnogorsker Stele mit Stadtpfarrer Kemmer, betonte Wedel, dass Martin Bauer überall, wo die Firma wirke, auch ein gesellschaftliches Interesse habe. So sei es zur Schul- und zur Städtepartnerschaft gekommen. Wie auf der Stele zu lesen ist, hofft auch Wedel, „dass dem Größenwahn und der Gewaltbereitschaft des Aggressors und Diktators von Russland, Wladimir Putin, ein Ende bereitet wird“. Der Vestenbergsgreuther Unternehmer wünscht sich, dass nach dem Krieg die Beziehungen zu den Menschen in Krasnogorsk wieder aufleben.
Zum russischen Staat und den Institutionen habe man dagegen nie Beziehungen haben wollen. Es werde eine Zeit nach dem Krieg geben, sagt Wedel, „aber es wird nicht mehr sein, wie es einmal war“. Für den Friedenspark am Heldenfriedhof ist das katholische Pfarramt an alle sieben Höchstadter Schulen herangetreten und stellt ihnen jeweils eine Fläche zur Verfügung, die sie frei gestalten können. Das könne ein Kunstwerk oder auch etwas anderes sein, sagt Kemmer.
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