Das dritte Jahr in Folge befindet sich das ukrainische Militär im Krieg mit russischen Invasoren. Der Krieg schafft schwierige Bedingungen für die Bevölkerung. Aber ihnen kamen Menschen zu Hilfe, die ein Herz haben und das ukrainische Militär unterstützen.
Deutsche medizinische Hilfe wie Allergieimpfstoffe und humanitäre Unterstützung aus der Stadt Höchstadt wurden nun von ukrainischen Ärzten aus Kiew in den Osten der Ukraine geschickt – mehr als 800 Kilometer weit. Organisiert hat die Hilfe aus Höchstadt Gabriele Kaiser.
Ukraine-Krieg: Chefarzt an Klinik „Forpost“ in Kiew
Sie engagiert sich im hiesigen Helferkreise. Sie war eine von zwei Organisationen, die vor dem Transport der Hilfsgüter in die Ukraine reiste. „Wir sind nach Osten gefahren. Unsere Reise ging durch die Regionen Charkiw, Luhansk und Donezk, durch die Städte Krasny Liman, Slawjansk, Druschkiwka, Richtung Bakhmut. Wir trafen mehr als zehn verschiedene Einheiten. Für einige brachten wir Medikamente und medizinische Gegenstände, für das Militär brachten wir Lebensmittel und Kleidung. Aber unsere wichtigste Aufgabe war es, dem Militär eine allergenspezifische Immuntherapie zur Verfügung zu stellen, die von einer deutschen Pharmafirma zur Verfügung gestellt wurde“, sagt Alexander Nazarenko, Chefarzt der Kiewer Klinik für Immunologie und Allergologie „Forpost“.
Der Weg der Ärzte führte durch verminte Gebiete, entlang zerstörter Dörfer. „Viele Militärs sind allergisch gegen Ambrosia, gegen verschiedene Gräser, was sie während der Blütezeit sehr behindert und ihre Kampffähigkeit einschränkt, und sie leiden sehr. Mit deutscher Hilfe unterziehen sie sich einer Therapie, die Menschen unempfindlich gegen das Allergen macht. Die allergenspezifische Immuntherapie ermöglicht es dem ukrainischen Militär, die Allergien loszuwerden, aber dazu ist eine moderne molekulare Diagnostik erforderlich“, sagt Nazarenko. Die Analyse ist Grundlage einer jahrelangen Therapie mit einer monatlichen Injektion.
Front in der Ukraine: Probleme mit Ratten und Mäuse
Ergebnisse stellen sich nach vier Monaten ein. „Jetzt haben wir mit dieser Therapie begonnen und hoffen, dass sich unsere Soldaten während der Blütezeit der Sommergräser und der Ambrosia viel besser fühlen und in der Lage sind, ihre militärische Arbeit zu verrichten“, sagte Nazarenko.
Ein Problem in Unterständen seien außerdem Ratten und Mäuse, die sich in großer Zahl vermehren und sich im Winter nicht scheuen, Soldaten anzufallen. Sie sind nicht nur natürliches Allergen für Wollallergiker, sondern können auch Krankheiten wie das Mäusefieber verbreiten, Militärkleidung, Schuhe und Ausrüstung ruinieren und Soldaten im Schlaf traumatisieren. „Mäuse sind der reinste Horror“, erklärt Dmytro Manul, Soldat in der Nähe von Bakhmut.
„Kaum haben wir sie vernichtet, kommen andere angerannt.“ Um die Mäuse zu verscheuchen, nutzt das Militär verwilderte Katzen. Aber das schreckt Ratten nicht ab. In Unterständen gibt es so riesige Exemplare, vor denen Katzen Angst haben.
Krieg in der Ukraine: Hinterhalt in der Nacht
„Manchmal sitzt man da, und etwas Großes läuft an der Schulter entlang, man denkt, na ja, wahrscheinlich eine Katze, aber dann merkt man, dass es gar keine Katze ist. Es ist eine fettgefressene Ratte, die das Bein eines Soldaten als Leiter benutzt. Die Hauptsache ist, dass man sich nicht bewegt, damit sie einen nicht beißt. Ratten richten großen Schaden an − sie fressen Lebensmittel und zerstören die Ausrüstung. Nachts lenken sie das Militär durch ihr Rascheln ab. Die Nacht wird vom Feind für Hinterhalte und Angriffe genutzt, also achten wir auf jedes verdächtige Geräusch und jeden Lärm. Die Jungs schießen auf Ratten“, sagt er.
Auch die Mäuse sind ein Problem. Um sie loszuwerden, setzt das Militär Mausefallen, Gift, und selbst gebaute Fallen ein. Sie verderben Rucksäcke, Gürtel automatischer Gewehre, Gummistiefel, Helme und taktische Kopfhörer. „Mäuse klettern überall hin, knabbern alles an. In der letzten Saison habe ich mit einer normalen Mausefalle in drei Stunden eine volle Obstkiste gefangen“, sagt Manul.
Scharfschütze: Militärische Aufgabe im Krieg in der Ukraine
Am schlimmsten ist es, wenn sie Soldaten im Schlaf verletzen. Bei kaltem Wetter erfrieren oft ihre Gliedmaßen und werden weniger schmerzempfindlich. Soldaten waschen sich meist mit Feuchttüchern. Wenn sich ein Soldat nach einer Mahlzeit nicht richtig die Hände gewaschen hat, kann der Geruch Mäuse anlocken. Nachts können sie in einen Schlafsack kriechen und die Finger oder Fingernägel anknabbern.
„Einmal hatte unser Scharfschütze ein Paket mit gefrorenen Garnelen. Köstlich. Wir waren zu der Zeit im Urlaub, in einem Unterstand zwei Kilometer von der Front entfernt. Er ging zu Bett, und als er am Morgen aufwachte, waren seine Finger von Mäusen angeknabbert. Es war sehr kalt, so dass er den Schmerz nicht spürte. Als er morgens aufwachte, war es der reinste Horror. Er ist Scharfschütze. Für ihn sind seine Finger ein unverzichtbares Werkzeug, um militärische Aufgaben zu erfüllen“, sagt Soldat Dmytro Manul.
Ukraine-Krieg: Kaum Wasser an der Front
An der Front gibt es kein Brauchwasser. Trinkwasser wird herangeschafft. Brunnen in der Umgebung seien vergiftet mit Tierkadavern und Gift. Beim Entladen der Hilfsgüter für das Kramotor-Krankenhaus Nummer 3 sagt Roman Kalita, Militärzahnarzt, über den Zustand seiner Patienten: „Der Mangel an Wasser führt dazu, dass die Soldaten keine täglichen Hygienemaßnahmen wie das Zähneputzen durchführen können. An der Front wird das Wasser nur zum Trinken und Kochen verwendet. Meine Patienten verlieren ihre Zähne, haben Erkrankungen des Zahnfleisches, der Schleimhäute, Karies, Speichelsteine. Es gibt spezielle Tabletten zur Desinfektion der Mundhöhle, aber die gibt es an der Front so gut wie gar nicht. Junge Militärs kommen zu mir wie alte Großväter.“
Die Soldaten haben tiefe Falten, seien grau, fast zahnlos, sagt der Arzt. Kalita: „Ein Mann an der Front steht unter ständigem Stress, ist chronisch erschöpft. Es ist unmöglich, sich für kleinere Behandlungen von der Frontlinie zu entfernen. Wenn eine Operation in der Mundhöhle oder eine Zahnextraktion erforderlich ist und genäht werden muss, verwenden wir gewebtes, halb absorbierbares Nahtmaterial. Normalerweise kommen Militärpatienten nicht ein zweites Mal. Ich weiß nicht, wie sie die Fäden selbstständig herausbekommen.“
Humanitäre Hilfe für Soldaten in der Ukraine
Auf dem Gelände der Militäreinheiten leisten Ärzte humanitäre Hilfe, geben warme Kleidung und Lebensmittel aus. Sie hoffen, dass humanitäre Hilfe, wie aus Höchstadt, nicht unterbrochen wird. Nazarenko: „Der Krieg ist in vollem Gange.“
Lesen Sie auch:















