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Kirche in der Krise
Gössl und Herrmann diskutieren bei Glaubenstag in Hannberg
Erzbischof Herwig Gössl im Gespräch mit Gläubigen in Hannberg.
Erzbischof Herwig Gössl im Gespräch mit Gläubigen in Hannberg. // Manfred Welker
Signet des Fränkischen Tags von Dr. Manfred Welker
Hannberg – Innenminister Joachim Herrmann und Erzbischof Herwig Gössl diskutieren beim Glaubenstag in Hannberg Kirchenfragen. Gössl spricht sich für soziales Engagement aus. Doch er benennt auch ein Problem.

Der 4. Glaubenstag in Hannberg hat für vielfältiges Leben innerhalb der Kirchenmauer gesorgt. Von den Gläubigen wurden Angebote wie Gottesdienste, spirituelle Katechese, musikalische Beiträge, der Bereich Familien, Kinder, Jugend sowie eine Podiumsdiskussion gerne angenommen. Teilnehmer der Diskussionsrunde unter dem Motto „Für was brauchst du noch Kirche?“ waren der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl, Staatsminister Joachim Herrmann (CSU), Miriam Gross, Seelsorgerin bei der Bundespolizei, Monika Tremel (Seelsorgerin Offene Tür Erlangen), Dekan Michael Pflaum und Astrid Schubert, Vorsitzende des Diözesanrats. Wie sich Erzbischof Gössl erinnerte, kam die Idee des Glaubenstags aus dem Jugendteam, er war auch zum 1. Glaubenstag eingeladen. Die Moderation hatte Thomas Willert inne.

Für Erzbischof Gössl haben Kirchen faktisch an Bedeutung verloren, da es weniger Personen werden, die sie tragen. Die Kirche solle sich nicht aus ihrem Engagement in Kindertagesstätten, Kliniken und Schulen zurückziehen. Denn es gibt eine Vielzahl von Engagements, die die Kirche ausmachten. Staatsminister Herrmann stellte fest, dass das Land die Kirchen braucht, sonst müsste der Staat viele Bereiche übernehmen. Der Trend weg von der Religion in Deutschland ist nicht typisch für die Welt, in der die Zahl der Gläubigen zunimmt.

Monika Tremel für Offene Tür in Erlangen

Kirchen betrieben tolle Kindergärten und Altenheime. Für Tremel ist die Offene Tür Erlangen etwas Urchristliches und ein unschlagbares Angebot. Allein die Telefonseelsorge hat 11.000 Anrufe jedes Jahr. Allerdings führt die Glaubwürdigkeitskrise der Kirche zum Abwandern von Gläubigen. Trotzdem schöpfen Menschen aus dem Glauben Kraft für das Leben.

Gross war Pastorin in New York, dort führt die schwindende Bedeutung der Kirche zu Trauer in Gemeinden. Inzwischen sind in New York die Christen in der Minderheit, werden aber durch ihr Engagement wahrgenommen. Auch in der Bundespolizei herrscht Glaubenspluralität, dennoch erlebt sie dort Vertrauen in die Kirchen. Sie war der Überzeugung: „Kirchen müssen zuhören, um zukunftsfähig zu bleiben.“ Für Dekan Pflaum ist in den Pfarreien die Ministrantenarbeit wichtig, die Jugendlichen erfahren dadurch Wertschätzung, sie erzählen noch nach Jahren von dieser Zeit und den guten Erfahrungen.

Gössl: Mesner wichtige Mitarbeiter 

„Ohne die Laien geht in der Kirche nicht viel“, war Schubert der Überzeugung. Es ist nur möglich, gemeinsam etwas zu bewegen. Die Kirche selber dürfe sich nicht immer schlechtreden, denn es gebe in ihr viele gute Seiten trotz negativer Schlagzeilen wie etwa dem Missbrauchsskandal. Für Erzbischof Gössl sind in den Kirchen auch Mitarbeiter wie die Mesner wichtig. Er erinnerte sich an den ehemaligen Mesner von Hannberg, denn es handelt sich bei ihnen um Menschen, die sich aus Liebe zu ihrer Kirche einsetzen.

Die Kirche bestehe aus Menschen und habe auch strukturelle Fehler. „Lassen wir uns nicht kleinmachen – Du bist geliebt von deinem Gott und setze das in deinem Leben um“, so Gössl. Herrmann bestätigte diese Einstellung mit den Worten: „Glauben muss mitten im Leben sein, dazu kann jeder beitragen.“ In einer weiteren Runde wurde jeder Beteiligte mit speziellen Fragestellungen konfrontiert. Die Vorstellung, als Papst wirken zu können, hätte bei Pflaum die Auswirkung, das Messbuch und den Katechismus zu reformieren, gemeinsame Eucharistie mit den Protestanten zu feiern und sich für das Diakonat und das Priestertum der Frauen einzusetzen.

Ugandaprojekt mit Stand bei Glaubenstag

Tremel konterte auf die Frage, ob man als Politiker Christ sein kann, dass die Klimafrage eine Menschheitsfrage ist. Auf die Frage, was die Befragten umsetzen würden, wenn sie ein höheres Amt hätten, versprach zum Schluss der Fragerunde Innenminister Herrmann, die Behinderung des Ehrenamts durch Bürokratie zu reduzieren. Während Mitglieder der Podiumsdiskussion der Meinung waren, es gelte den Glauben in die Öffentlichkeit zu transportieren und dass dazu soziale Medien genutzt werden müssen, war Erzbischof Gössl der Überzeugung: „Jeder und jede ist das Gesicht von Kirche.“

Mit Ständen vertreten waren innerhalb der Mauern der Vorstand des Diözesanrats, die Pfarrei Geburt Mariens Hannberg mit Vorstellung ihres Ugandaprojekts, die Pfarrei St. Josef Weisendorf mit „Kisi Kids“, die Pfarrei St. Georg in Höchstadt mit der Vorstellung der Lourdes-Grotte, der Katholische Deutsche Frauenbund Herzogenaurach, der Seelsorgebereich Fränkische Schweiz mit der Sommerkirche am Walberla. Außerdem präsentierte sich die Pfarrei St. Maria Magdalena Herzogenaurach mit dem Sachausschuss „Eine Welt“, Berufe der Kirche und Freiwilliges Jahr, der Bund Deutsche Katholische Jugend, die Pfarrei Herz Jesu in Erlangen, die evangelischen Pfarreien des Seebachgrunds sowie die Kolpingsfamilie Herzogenaurach.

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