Niemand hätte gedacht, dass aus der spontanen Idee einiger Gläubiger der Höchstadter Pfarrei St. Georg eine Gebetsstätte werden könnte, zu der nicht nur Katholiken pilgern: Auf der Rückreise von einer Pfarreifahrt nach Lourdes war der Plan geboren worden, auch in Höchstadt zu Ehren der Gottesmutter Maria eine Lourdesgrotte zu bauen.
Mit einem Festgottesdienst feierte die Kirchengemeinde jetzt das fünfjährige Bestehen der Grotte, wozu auch der emeritierte Bamberger Erzbischof Ludwig Schick empfangen wurde. In Bezug auf die ehrenamtlichen Baumeister sprach Stadtpfarrer Kilian Kemmer von einer „großen Dankbarkeit für den Ort, der sich wunderbar entwickelt hat“.
Hatte Kemmer zunächst eine kleine Grotte erwartet, war er nach Beginn der Bauarbeiten tief beeindruckt, als sich das Ausmaß des monumentalen Bauwerks im Pfarrgarten in der Kleinen Bauerngasse abzeichnete.
Station auf Fränkischem Marienweg
Georg Geyer, Andreas Haas, Harald Dorsch und Lothar Güßregen hatten über Wochen ihre Freizeit auf der Baustelle verbracht und die Pläne, die sie zusammen mit dem nach der Planungsphase verstorbenen Professor Lothar Frey geschmiedet hatten, in die Tat umgesetzt. Inzwischen ist die Grotte auch schon eine Station auf dem Fränkischen Marienweg.
Die Einweihung vor fünf Jahren wurde zu einem großen Fest, das Stadt und Pfarrei gemeinsam feierten. Extra aus Rom angereist war damals Kardinal Paul Josef Cordes. Der Tölzer Knabenchor sang das „Ave Maria“. Kirchenpflegerin Tanja Schwägerl sah in der Grotte „ein Zeichen der Hoffnung gegen alle Formen kirchlicher Resignation“.
Lourdesgrotte Höchstadt: Gebete unter freiem Himmel
Unzählige Menschen seien schon gekommen, um an der Grotte zu beten, sagte Kemmer nun fünf Jahre später im Festgottesdienst in der Stadtpfarrkirche. Gerade als Corona aufkam, wurde die Lourdesgrotte zu einem begehrten Angebot, um gemeinsam unter freiem Himmel zu beten. Regelmäßig werden inzwischen Gottesdienste und Andachten an der Grotte gefeiert, jeden Tag finden Besucher den Weg zu der Marien-Gedenkstätte.
Zu dem kleinen Jubiläum hieß Kemmer auch den Alterzbischof willkommen, „für den Höchstadt ein Heimspiel bleibt“. Und er sei gerne nach Höchstadt gekommen, sagte Schick. In seiner Predigt nutzte er die Chance, vor den Höchstadter Gläubigen im gut besuchten Gotteshaus auf die aktuelle Situation der Kirche einzugehen.
2,6 Milliarden Christen weltweit
„Auch wenn bei uns die Kirche schrumpft, wächst sie doch weltweit“, sagte Schick und erinnerte daran, dass es inzwischen 2,6 Milliarden Christen gebe. Wo aber der Glaube abnehme, verändere sich alles zum Schlechteren.
Der Altbischof zitierte unter anderem einen Autor, der in seinem neuen Buch das Gefühl beschreibt, als gläubiger Mensch in der Gesellschaft nicht mehr verstanden zu werden. In den Medien komme das Thema Glaube nicht mehr vor, so Schick: Höchstens noch, wenn es um Skandale in der Kirche gehe.
Der Egoismus nehme zu, die Nächstenliebe nehme ab, Christus werde aus dem Leben verdrängt. Die Kirche − und auch die Lourdesgrotte – sei ein Ort, wo der Glaube noch gefeiert werde. In Christus fände man Heil, Liebe und Frieden. Die Wurzeln für den Glauben müssten für den Alterzbischof allerdings schon in der Familie, der „Heimatkirche“, gelegt werden. Schick: „Wenn die nicht lebendig ist, wird es nicht fruchten.“
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