Seit Anfang Juli steht im Eingangsbereich des Kauflands in Höchstadt ein neuer Automat. Befüllt ist er mit Päckchen aller Größen, Formen und Farben. Was für Kunden in Eile unscheinbar wirken mag, ist in Wahrheit ein Trend, der sich rasend schnell in Deutschland ausbreitet: Mystery oder Secret Pack Automaten.
Für zehn Euro kann man sich am Automaten in Höchstadt ein Paket kaufen, weiß aber vorher nicht, was drin sein könnte. Da es sich bei den Paketen um Retouren und nicht zugestellte Pakete von Onlinehändlern handelt, kann hier wortwörtlich alles dabei sein: ein Set Kugelschreiben oder das neueste Smartphone.
Bisher läuft das Geschäft extrem gut, berichtet Betreiberin Barbara Galvanek. Bis zu fünfmal täglich müsse sie den Automaten auffüllen, so groß sei die Nachfrage. Sogar aus Erlangen und Forchheim seien schon Kunden gekommen.
Mystery Pack Automat: Drei Leserinnen machen den Test
Auch die Leser des Fränkischen Tags sollten den neuen Trend einmal testen dürfen. Aus rund 50 Anfragen entschied das Los: Sandra Lutz und Maria Hagen aus Höchstadt sowie Hildegard Brustmann aus Forchheim durften jeweils ein Päckchen ziehen.
Mystery Pack Automat Höchstadt
„Ich fand es gut, dass wir sowas haben und ich war sehr neugierig, weil ich sowas noch nie gemacht habe“, erzählt Sandra. „Ich bin quasi Automatenjungfrau“, scherzt sie. Ganz anders sieht das bei Maria aus: „Tatsächlich liebe ich den Automaten“, berichtet sie freudestrahlend. Schon mehrfach hat sie Päckchen gekauft. Das große Los war bisher zwar nicht dabei – für sie aber kein Problem. „Genau das macht den Reiz aus, das nächste Paket zu holen“, sagt sie. Auch Hildegard hat einen ähnlichen Automaten schon einmal getestet, auf einem Junggesellinnenabschied. Erwartungen hat sie an den Test an diesem Tag keine. „Aber ich freue mich über jede Kleinigkeit“, sagt auch sie.
Keine Garantie: Es kann alles dabei sein
Los geht's: Nacheinander schieben die drei den Geldschein in den Automaten, dann hat jede die Qual der Wahl. Groß oder klein? Weich oder fest? Karton oder Folie? Schließlich haben alle drei ihr Paket ausgesucht und öffnen sie neugierig. Das Smartphone hat an diesem Tag leider keine der Leserinnen gezogen, enttäuscht sind sie trotzdem nicht. „Braucht man zwar nicht, aber man kann man gebrauchen“, sagt Maria lachend, als sie ihre bunten Partygirlanden in die Höhe hält. Sie nimmt es sportlich: „Damit muss man halt rechnen.“
Ihre Mitstreiterinnen sehen es ähnlich. Über ihren goldenen Dekodraht kann Sandra sogar herzlich lachen. „Tatsächlich kann ich das gebrauchen, weil wir auf der Arbeit viel basteln.“ Auch die zehn Euro findet sie nicht zu viel. „Just for fun ist es echt okay. Und es hat ein bisschen was von Fußabdruck, es wird was aufgearbeitet, was sonst liegen bleiben würde.“
Positivbeispiele: Smartphone aus dem Secret Pack Automaten
Hildegard hingegen hält schwarze Motorradhandschuhe in den Händen. „Kein Motorrad“, sagt sie grinsend. „Mein Mann auch nicht. Aber mein Schwiegervater hat solche Sachen, ich frage den mal, ob er sie mag.“ Ob sie es nochmal probieren würde? „Vielleicht just for fun mal wieder.“
Auch wenn die drei Testerinnen an diesem Tag kein Glück hatten: Es soll auch schon echte Punktlandungen gegeben haben. So zeigt ein Video auf Facebook, wie eine glückliche Gewinnerin auf dem Pondsland Festival in Höchstadt ein brandneues iPhone aus dem Automaten holt. Und auch Galvanek selbst berichtet von positiven Rückmeldungen. „Ich habe manchmal Pakete, die zu groß für den Automaten sind. Die nehme ich dann zum Befüllen mit und verkaufe sie einfach auch für zehn Euro direkt vom Einkaufswagen“, berichtet sie. Ein Kunde habe dabei ein Paket für seine Frau gekauft. „Später hat er mir dann ein Foto geschickt: Es war eine Handtasche im Wert von 480 Euro.“ Erwarten dürfe man das aber natürlich nicht, wie auch unsere drei Leserinnen bestätigen. Vor allem gehe es dabei um den Spaß – und den gewissen Kick.
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