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Exklusives Gespräch
Von Leidenschaft und Innovation: Was Puma antreibt
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Als Vice President des Innovationsteams bei Puma hat Romain Girard viele Ideen. Ihm liegt vor allem die Zusammenarbeit mit den Athleten am Herz. // Anna-Lena Reif
Herzogenaurach – Von Herzogenaurach in die Welt: Die Ideenschmiede des Sportgiganten Puma sitzt auch heute noch in Franken. Romain Girard spricht über die bevorstehenden Olympischen Spiele – und über die Zusammenarbeit mit Profisportlern.

Wenn Romain Girard von der Arbeit seines Teams erzählt, könnte man beinahe vergessen, dass es sich hier um Spitzentechnologie und hochgradig wissenschaftliche Prozesse handelt, die da hinter verschlossenen Türen in Herzogenaurach ausgetüftelt werden. Im Gespräch mit dem Vice President des Innovationsteams bei Puma geht es vor allem um Leidenschaft: für ein Produkt, ein Team, ein Unternehmen. „You give everything you have to win“, erzählt er im Puma Headquarter. Man gibt alles, was man hat, um zu gewinnen. Und man müsse den Willen haben, besser zu werden.

Neuer Weltrekord in Puma-Schuhen

Gewinnen – das tun vor allem die Athleten, die überall auf der Welt in den Entwicklungen von Puma den Rasen, die Bahn oder das Feld betreten und die neuesten Kreationen auch in den bald startenden Olympischen Spielen in Paris tragen werden. Erst vor rund einer Woche hat die 22-jährige Yaroslava Mahuchikh aus der Ukraine in Puma-Schuhen einen fast 40 Jahre alten Rekord im Hochsprung gebrochen. Auf genau solche Momente arbeiten Girard und sein Team monate- und jahrelang hin. 

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Erst vor wenigen Tagen hat die ukrainische Sportlerin Yaroslava Mahuchikh in innovativen Puma-Schuhen einen knapp 40 Jahre alten Weltrekord gebrochen. // PUMA

Die Zusammenarbeit mit den Sportlern steht dabei im Mittelpunkt. „Was unseren Ansatz einzigartig macht: Die Athleten kommen immer an erster Stelle“, sagt Girard. Dabei starte die Zusammenarbeit immer mit einem Gespräch, um den Sportler kennenzulernen, seine Bedürfnisse und Wünsche anzuhören. Erst dann könne das Team loslegen, anhand von 3D-Simulationen und Laborergebnissen ein passendes Produkt entwickeln. Manchmal sei die Zusammenarbeit dabei herrlich unbeschwert. „Neulich hat mich ein Sportler abends angerufen, während er in der Badewanne lag, um von seinem Trainingstag zu berichten“, erzählt der Puma-Visionär lächelnd. In anderen Fällen könne die Arbeit mit dem Sportler natürlich auch schwierig sein, manchmal schon allein wegen sprachlicher Probleme. „Aber es ist wie in einer Beziehung oder einer guten Freundschaft: Wenn man eine ehrliche Unterhaltung führt, können wir immer eine Lösung finden“, so Girard. 

Rund 800 Versionen bis zum Endprodukt

Er legt mehrere Sportschuhe auf den Tisch im Besprechungsraum, darunter ein auffällig geformter Laufschuh in neongelb und -orange mit pinker Sohle: Der Schuh, den der Norweger Karsten Warholm bei den Olympischen Spielen tragen wird. Auch Warholm gehört zur Weltrekord-Familie von Puma. Seit 2021 hält er den Weltrekord im 400-Meter-Hürdenlauf. Die Schuhe, die er nun tragen wird, sehen auf den ersten Blick ausgefallen aus, sie sind mit der speziellen Nitro-Technologie des Unternehmens gefertigt – dabei wird Stickstoff so in ein Stück Plastik injiziert, dass das Material sich immer mehr ausweitet.

Die Technologie sei nicht spezifisch für Puma, auch andere Sportmarken nutzen sie. Puma jedoch habe zweieinhalb Jahre daran gearbeitet, das richtige Rohmaterial zu finden, das sich ausdehnt, ohne Löcher zu bilden und so elastisch wird, wie die Sportler es brauchen. Sie halten aber alle offiziellen Vorgaben ein, wie Girard betont. Immerhin wolle man die Sportler nicht Gefahr laufen lassen, vom Wettkampf ausgeschlossen zu werden. 

Einen festen Prozessablauf gibt es bei der Entwicklung nicht. „Jedes Projekt ist einzigartig“, so Girard. Man habe unterschiedliche zeitliche Vorgaben, unterschiedliche Teamkonstellationen, einen anderen Anfang und ein anderes Ende bei jedem Projekt. Bei Warholms Schuhen habe das Team rund 800 Versionen per 3D-Simulation erstellt. Zwölf davon seien tatsächlich gebaut worden, ehe das Endprodukt erreicht war. „Abgesehen von der Logoplatzierung und der Farbe ist jede einzelne Linie, jede einzelne Entscheidung an diesem Produkt anhand vom Feedback des Athleten, von Wissenschaft und von 3D-Simulationen getroffen worden“, erklärt Girard.

Der Schuh sei so designt, dass er den Sportler unterstützt. Gerade beim 400-Meter-Lauf bilde man in den letzten hundert Metern Milchsäuren, die für Muskelkrämpfe sorgen. „Man fängt automatisch an, sich zurückzulehnen“, führt Girard aus. „Der Aufbau des Schuhs zwingt den Sportler, sich stattdessen nach vorne zu lehnen und die komplette Energie nach vorne zu orientieren. Es dreht sich also alles um Physik! Und darum, die biomechanischen Abläufe des Sportlers zu unterstützen.“

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Die Schuhe sehen definitiv unkonventionell aus. Doch, wie Romain Girard erklärt, müssen sie sich an gewisse Richtlinien halten, denn kein Athlet soll durch besondere Schuhe einen unfairen Vorteil haben. // Anna-Lena Reif

Gerade diese enge Zusammenarbeit und das hohe Engagement macht einen Sieg der Sportler auch für das Innovationsteam ganz besonders. „Natürlich kommt es auf ihr Training an, ihre Diäten und so weiter. Aber wir wissen, dass wir ein kleines bisschen dazu beigetragen haben. Wenn sie gewinnen, fühlt es sich für uns und das Unternehmen auch wie ein Sieg an“, so Girard. Das gelte allerdings auch in die entgegengesetzte Richtung. Bei aller Vorbereitung und Technologie könne auch ein Sportler mal einen schlechten Tag haben, im entscheidenden Moment einen Krampf bekommen – und manchmal sei eben ein anderer noch besser. „Das ist eine sehr tiefgreifende Enttäuschung. Die Emotionen sind sehr tief, aber in beide Richtungen.“ 

Leidenschaft ist wichtiger als Expertise

Als Vice President der Abteilung brennt Romain Girard also für Innovation. Aber welchen Stellenwert hat diese bei Puma generell? „Innovation wird unterschiedlich ausgelegt“, so Girard. „Für uns aber ist sie einer der entscheidenden Aspekte, die dem Unternehmen helfen, zu wachsen.“ Beispielsweise sei Puma lange Zeit keine große Marke im Laufsport gewesen. Seit 2021 jedoch habe das Unternehmen sich gerade hier technologisch neu ausgerichtet und sich mit der neuen Nitro-Technologie wieder als Performance-Marke im Laufsport etabliert. „Wir haben massive Fortschritte gemacht“, sagt Girard.

Im Moment sei man dabei, ein neues Produkt zu finalisieren, das im kommenden Jahr auf den Markt kommen soll. „Es ist wirklich, wirklich gut“, verspricht er. Auch wenn Girard selbst von den Produkten, die sein Team hervorbringt, begeistert ist, ist er überzeugt davon, dass immer noch ein bisschen mehr geht: „Wir wollen immer besser werden.“ Was dabei noch wichtiger sei als Expertise und Erfahrung? „Leidenschaft“, sagt Girard mit voller Überzeugung. „Leidenschaft und Aufgeschlossenheit. Und dass man sich nie auf seinen Erfolgen ausruht.“

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