Das Lernen der Texte und die vielen Proben unter der Leitung des Lehrers Markus Bedruna hat sich für die Schüler der Theater AG an der Realschule erneut ausgezahlt. Nach einer sensationellen Premiere, gemäß der Aussage Bedrunas, folgten zwei weitere äußerst gelungene Abendvorstellungen des Stücks „Die zwölf Geschworenen“.
Auf minimalistischer Bühne setzen die zwölf Schüler nebst Gerichtsdiener den anspruchsvollen und bereits mehrfach aufgeführten und verfilmten Klassiker hervorragend um. Emotional alles geben musste Geschworene Nummer drei, Tiana Mitrovic. „Letztes Jahr hatte ich nach der langen Corona-Pause eine kleinere Rolle und dieses Jahr, in meinem letzten Jahr an der Schule, sozusagen die Hauptrolle.“
Natürlich seien in dem Stück kaum Unterschiede zwischen Haupt- und Nebenrolle, beschwichtigt die Zehntklässlerin. Doch sie stellt den Letzten der zu überzeugenden Geschworenen dar. Fast zerbrochen am eigenen Schicksal weigert sich Geschworener drei hartnäckig, trotz aller Gegenargumente der anderen elf, auf unschuldig zu plädieren.
„Teils erschrecken sich die Leute, wenn ich Gefühlsausbrüche habe und laut schreie“, erklärt sie ihre heftige Rolle. Erstaunt ist Klassenkameradin Emilie Schneider über die positiven Reaktionen des Publikums auf ihre Darstellung des zehnten Geschworenen.
Der Flair der Schule
„Ich bin sehr böse und voller Vorurteile, gehe aggressiv und laut die anderen Geschworenen an. Das Publikum mag zum Glück mehr meine Darstellung, als den Charakter der Rolle“, resümiert sie. Ihr passioniertes Spiel zeichnet sich in Sprache und gesamter Körperlichkeit aus, wie auch bei allen anderen aus dem Team der Theater AG.
Nicht nur die Neugierde, vielmehr auch der spezielle Flair der Schule lockt Jahr um Jahr auch ehemalige Schüler und Darsteller in die Vorstellungen. Die durch einen Geschworenen angeregten Zweifel am Schuldspruch, die Entwicklung der innersten Gedanken, Diskussion und Nachfragen, Streit und eine beinahe körperliche Auseinandersetzung fordern den Schülern alles ab.
Ist ihnen doch in den Momenten ohne Text, deutlich anzusehen, wie ihr Gewissen zwischen Schuld und Unschuld, dem im Gericht Gehörten und allen Indizien schwankt − weil ein Geschworener alles hinterfragt, vieles widerlegt oder Nachlässigkeiten der Verhandlung aufdeckt. Die Darsteller sitzen nicht nur die Zeit bis zum nächsten Einsatz ab, sie durchleben die 120 Minuten mit Leib und Seele.
Ausschau nach neuen Talenten
Bedruna hat seine Schützlinge immer gut im Griff und brachte die aufgeregten und teils überdrehten Darsteller gut durch die Premiere. Die zweite und dritte Vorführung verlief wie erwartet wesentlich entspannter. Sentimental wurde es nach dem letzten Auftritt, da dieses Jahr für viele Schüler der Theater-AG das letzte Schuljahr wird und sie nach der erlangten Mittleren Reife weiterziehen werden.
Antonia Mehler aus der achten Klasse, steht der Weg auf die Bühne erwartungsgemäß noch bevor. „Es ist eine tolle Erfahrung nach dem letztjährigen lustigen Stück, die Leute mit diesem ernsten Thema mitzunehmen.“ Doch der Lehrer hält schon Ausschau nach neuen Talenten, steht doch für 2024 ein neues selbstverfasstes Stück auf dem Plan.
Viel zuzutrauen ist dem kreativen Lehrer hinsichtlich Geschichte und musikalischer Untermalung. Nach Charakteren wie Wurst Inge, Kupfer Kalle, Frau Prachtvogel und Hundedame Lizzy − einem echt tierischen Darsteller − wird es bestimmt wieder unterhaltsam.
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