Über das Erdbeerfeld hoppelt ein Feldhase. „Das ist unser erster Kunde auf der Suche nach Erdbeeren“, scherzt Lukas Niedermann. Aber der Mümmelmann wird sich noch ein paar Wochen gedulden müssen. Viele der Erdbeerpflanzen blühen gerade noch. Hier und da erkennt man schon einige grüne Früchte.
Auf dem Selbsterntefeld Huckepack in Erlangen regiert die Natur, und die braucht eben ihre Zeit. Anders als im Supermarkt können Kunden hier rund 70 verschiedene Obst-, Gemüse- und Kräuterarten, über 150 verschiedene Sorten, reif und frisch vom Feld ernten. Auf siebzehn Hektar gibt es bei Huckepack saisonale und regionale Lebensmittel zur Selbsternte. Nach eigenen Angaben ist das Angebot in Erlangen-Hüttendorf wohl das größte seiner Art, schätzt Manager und Mitleiter Lukas Niedermann.
Vom Direktvermarktung zum Selbsterntekonzept
Drei Generationen der Niedermanns führen den landwirtschaftlichen Betrieb zusammen. Der Wechsel von der traditionellen Landwirtschaft mit Feldern und Milchkühen zum reinen Selbsterntekonzept hat sich über die Jahre entwickelt. In den 1990er Jahren hat Vater Jürgen Niedermann die Ernte noch direkt vermarktet. Das habe sich wegen wachsender Konkurrenz immer weniger rentiert. Immer öfter, wenn er seine reifen Produkte verkaufen wollte, habe er gehört „Wir haben schon Ware – aus Spanien“, erinnert sich Lukas Niedermann.
Im Jahr 2003 eröffnete die Familie das erste Feld zur Selbsternte. Auf rund drei Hektar Fläche konnten Kunden Freilandgemüse und Himbeeren ernten. „Die Umstellung auf das reine Selbsterntekonzept war eine langsame Veränderung und wir haben auch Jahre mit Verlust erlebt“, sagt Niedermann. Mittlerweile sich das Konzept etabliert und die Landwirtschaft ist zum reinen Selbsterntebetrieb geworden. Außer der Schwester Theresa, den Eltern und dem Großvater arbeiten bei Huckepack zehn Angestellte mit. Im Sommer unterstützen zusätzlich sechzig bis achtzig Saisonkräfte im Anbau und im Verkauf.
„Ein Unternehmen mit Mehrwert sein“
Neben dem Fokus auf saisonalen und regionalen Anbau legt der Betrieb auch großen Wert auf Nachhaltigkeit. „Wir wollen ein Unternehmen mit wirtschaftlichem, ökologischem und sozialem Mehrwert sein“, sagt der studierte Gartenbauer. Dazu gehöre unter anderem, wenig Pflanzenschutzmittel zu benutzen. Überwiegend kommt bei Huckepack mineralischer Dünger zum Einsatz. „Einige Bereiche sind quasi komplett bio“, sagt der studierte Gartenbauer.
Wie funktioniert die Selbsternte?
Wer im April zur Ernte kommt, der kann Salat, Rucola und Radieschen pflücken oder Radieschen aus dem Boden graben. Dafür müssen Besucher nichts mitbringen. Körbe und Schubkarren und Messer können vor Ort zum Ernten ausgeliehen werden. Wegschilder zeigen, wo es was zu ernten gibt. Auf seiner Website informiert das Selbsterntefeld außerdem auch über den Ernteplan und welches Obst und Gemüse bald reif ist. In den kommenden Wochen werden Rhabarber, Fenchel und Erdbeeren erntereif sein.
Der Eintritt zum Selbsterntefeld kostet einen Euro. Das lohnt sich für Vielpflücker. Sie erhalten im Ausgleich dazu Treuepunkte. Wer nicht warten kann, darf beim Pflücken für eine Naschkatzengebühr auch gleich naschen. Nach der Ernte geht es zum Wiegen und an die Kasse. Bei besserer Qualität seien die Kilopreise mit denen im Supermarkt vergleichbar, so Niedermann.
Eilige Einkäufer lassen sich mit dem Konzept der Selbsternte wohl eher nicht erreichen. Obst und Gemüse selbst zu pflücken, kann allerdings auch ein überraschendes Erlebnis sein. „Vor allem für Kinder ist es toll, wenn sie sehen, wie ihr Essen wächst. Sie essen es danach auch viel lieber“, sagt Niedermann. Er denkt an die Kinder, die ziemlich stolz sind, wenn sie den eigens geernteten Brokkoli zur Kasse tragen – der muss in Anschluss selbstverständlich auch gegessen werden. Niedermann wolle mit der Selbsternte auch etwas dazu beitragen, den Bezug zur Landwirtschaft zu erhalten.
Noch mehr Bilder vom Selbsterntefeld zum Durchklicken:
Huckepack Erlangen: Events, Café, Unterhaltung und Hofladen
Neben dem Ernteangebot veranstaltet das Selbstpflückfeld auch Events. Am 1. Mai 2025 feiert die Erlebnisernte ein Fest zur Saisoneröffnung. Der Eventcharakter ergänzt die Ernteerfahrung: Nach getaner Arbeit können Fleißige sich im Hof-Café bewirten lassen, das Picknick selbst mitbringen oder grillen. Für Kinder gibt es außerdem regelmäßig Spiel- und Bastelaktionen. Sind die Kleinen nach dem Ernten noch nicht schmutzig genug, tut das Strohlabyrinth oder das Maisschwimmbad sein Übriges.


















