„Die alte Synagoge in Mühlhausen war einmal ein Zentrum des Dorfes, ein Ort des Geistes und des Glaubens, des Lebens und der Gemeinschaft. Dies soll sie an diesem Abend wieder sein“, so hat der Verein Forum Alte Synagoge Mühlhausen das Programm „Fränkisch in der Synagoge: Songs und ,Dexde‘ zum Sinnieren, zum Lachen und Erinnern“ angekündigt. Es war eine Benefizveranstaltung mit Helmut Haberkamm und Johann Müller. Der gesamte Erlös des Abends kommt der Restaurierung der Synagoge zugute.
Sie soll wieder ein kulturelles Zentrum des Ortes werden. „Der Betsaal der Synagoge ist seit mindestens 86 Jahren nicht mehr so voll gewesen. Der Raum ist einfach großartig für Konzerte und Lesungen. Wir haben hier improvisiert, das Ganze hat immer noch Scheunencharakter, und das wird wohl noch eine Weile so bleiben“, begrüßte Christian Plätzer, Mitglied des Vereins, die zahlreichen Gäste, die sich auf einen unterhaltsamen Abend mit Helmut Haberkamm, Dialektdichter aus dem Aischgrund, und Johann Müller, Liedermacher aus Burghaslach, freuen konnten.
Bayerischer Kunstförderpreis für Helmut Haberkamm
Das Duo brachte mit seinen fränkischen „Dexden“ und Liedern Leben in die alten Wände der Synagoge. Haberkamm, der im ländlichen Raum Mittelfrankens mit Mundart aufgewachsen ist, erweckt diese in seinen Gedichtbänden authentisch zum Leben. Er wurde 1993 für seinen Gedichtband „Frankn lichd nedd am Meer“ mit dem Bayerischen Kunstförderpreis ausgezeichnet und zählt zu den erfolgreichsten fränkischen Schriftstellern. Schreinermeister Johann Müller, dessen zweite Leidenschaft die Musik ist, verzaubert mit Gitarre und Mundharmonika das Publikum mit seinen fränkischen Bob-Dylan-Interpretationen und selbst geschriebenen Stücken.
Das Duo, das bereits seit 2003 gemeinsam auf der Bühne steht, hatte für den Abend ein besonderes Programm zusammengestellt. „Wir haben uns die Synagoge vorher angeschaut und versucht, mit unserem Programm darauf Bezug zu nehmen“, erläuterte Johann Müller. So nahmen sie die Gäste unter anderem mit auf eine Zeitreise zurück zum Zweiten Weltkrieg, der Reichskristallnacht und dem Leid, das die Menschen in dieser Zeit erfahren haben.
Jüdische Gemeinde in Mühlhausen
„Ich habe vor 25 Jahren Johann Fleischmann kennengelernt. Er hat sich tief mit der jüdischen Lokal- und Regionalgeschichte beschäftigt und mir viel über die jüdische Gemeinde Mühlhausens erzählt und mit mir eine Führung über den jüdischen Friedhof gemacht. Die wunderschönen poetischen Grabverse auf den Gräbern haben mich sehr beeindruckt“, erinnert sich Helmut Haberkamm an seine ersten Berührungspunkte mit der jüdischen Vergangenheit Mühlhausens. Dem fränkischen Duo gelang es perfekt, die Gäste in einem Moment zum Nachdenken zu bringen, im nächsten ihnen ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.
Kulturraum in Synagoge in Mühlhausen
„Für das Publikum war spürbar, dass im Innenraum der ehemaligen Synagoge eine besondere Atmosphäre herrscht. Für uns ist der Erfolg der aktuellen Veranstaltung ein wichtiger Hinweis darauf, dass wir mit unserer Idee eines Kulturraums in diesem wunderbaren Gebäude auf dem richtigen Weg sind“, freute sich Christian Plätzer. Mehr Informationen unter synagoge-muehlhausen.de.
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