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Herzogenaurach
Spende macht's möglich: Tafel liefert Essen an Bedürftige
In den vier Tafel-Ausgabestellen der Diakonie Erlangen werden vollwertige Lebensmittel an bedürftige Personen in Erlangen und Umgebung verteilt.
In den vier Tafel-Ausgabestellen der Diakonie Erlangen werden vollwertige Lebensmittel an bedürftige Personen in Erlangen und Umgebung verteilt. // Stephan Minx/Diakonie Erlangen
Signet des Fränkischen Tags von Nikolas Pelke
Herzogenaurach – Um alle Bedürftigen zu erreichen, hat die Tafel in Herzogenaurach und Erlangen einen Lieferdienst ins Leben gerufen. Mehr und mehr ältere Menschen seien auf den Service angewiesen, sagt Johannes Sikorski von der Tafel.

Für viele Betroffene wird der Weg zur Tafel mühsamer. „Unsere Kunden werden immer älter. Wir erleben immer mehr Senioren, die mit ihrer kleinen Rente nicht mehr über die Runden kommen“, sagt Johannes Sikorski, Teamleiter der Tafel Erlangen. Nach dem Abzug der Fixkosten etwa für Miete und Strom hätten immer mehr Rentner kaum noch Geld zum Kauf von Lebensmitteln.

„Die Altersarmut nimmt auch bei uns zu. Immer mehr ältere Betroffene schaffen es nicht mehr, bei Wind und Wetter persönlich bei den Ausgabestationen zu erscheinen. Deshalb haben wir uns vor fast genau fünf Jahren dazu entschlossen, einen regelmäßigen Tafel-Lieferdienst einzuführen“, sagt Sikorski und berichtet, dass aktuell rund 50 Haushalte jeden Dienstag mit dem Tafel-Mobil versorgt werden.

Tafel liefert an 50 Haushalte

„Wir haben mit einem knappen Dutzend angefangen. Jetzt sind wir schon bei 50 Haushalten. Die Nachfrage für unseren Lieferdienst geht stark nach oben.“ Dabei könne nicht jeder Betroffene den bequemen Service der Tafel in Anspruch nehmen.

„Wir verlangen ein ärztliches Attest.“ Der Nachweis sei schon notwendig, um sich in der Öffentlichkeit nicht dem falschen Vorwurf der Luxus-Hilfe aussetzen zu müssen. Häufig würde der Tafel-Lieferdienst bedürftige Menschen mit chronischen Erkrankungen ansteuern. Viele Kunden des mobilen Service seien etwa auf den Rollstuhl angewiesen.

Spende von Adidas, Schaeffler, Siemens und Puma

Auch nach akuten Erkrankungen wie Knochenbrüchen könnten Berechtigte den mobilen Dienst nutzen. „Der Aufwand und die Kosten sind natürlich viel höher als bei der normalen Lebensmittelausgabe.“ Zwei Kühlautos legen pro Liefertour zwischen 80 und 100 Kilometer zurück. Hier fallen allein schon die zusätzlichen Spritkosten ins Gewicht. In der Erlanger Innenstadt fungiert ein Lastenfahrrad als Lebensmittelrikscha.

Johannes Sikorski, Teamleiter der Tafel Erlangen, liefert regelmäßig Essen an bis zu 50 Haushalte.
Johannes Sikorski, Teamleiter der Tafel Erlangen, liefert regelmäßig Essen an bis zu 50 Haushalte. // Tafel Erlangen

Kürzlich hat die Ausgabestelle der Tafel in Herzogenaurach einen alten Lieferwagen durch einen neuen Elektrobus dank der Spendenbereitschaft von Adidas, Puma, Schaeffler und Siemens ersetzen können. „Dass uns gleich vier Weltunternehmen unterstützen, damit wir Menschen helfen können, ist schon der Wahnsinn“, freute sich Sikorski währen der Übergabe. Die Initiative für den Kauf sei von Ralf P. Thomas, Finanzvorstand und Mitglied des Vorstands der Siemens AG ausgegangen.

Lieferdienst bereitet Tafel mehr Arbeit

Als er erfahren habe, dass die Tafel Erlangen für ihre Ausgabestelle in Herzogenaurach ein neues Fahrzeug benötige, sei er auf Adidas, Puma und Schaeffler zugegangen. Sie haben Unterstützung für die Arbeit der rund 180 ehrenamtlichen und sechs hauptamtlichen Mitarbeiter zugesagt. „Der Lieferdienst macht schon viel mehr Arbeit. Aber ohne diesen Service würden wir viele Menschen mit unserer Hilfe einfach nicht mehr erreichen“, sagt Sikorski und erzählt, dass auch die Einsamkeit älterer Menschen zunehme.

Rund 3300 Menschen sind in Erlangen und Herzogenaurach auf die kostenlosen Produkte der Tafel angewiesen. Vier Ausgabestationen betreibt die Tafel, an denen sich Menschen versorgen oder bei Bedarf und im Notfall auf den Lieferdienst zurückgreifen können. „Wir helfen gerne, wo wir können. Wir sind aber kein Vollversorger und können uns nicht um alles kümmern.“ Ohne das Engagement und die Mithilfe der Betroffenen könnte selbst das aufwendige System des Tafel-Lieferdienstes nicht funktionieren.

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