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Tag des offenen Denkmals
Seltene Einblicke in Hannberg und Herzogenaurach
Zuhörer in der Kirche von Hannberg.
Zuhörer in der Kirche von Hannberg. // Manfred Welker
Signet des Fränkischen Tags von Manfred Welker
Hannberg – Das älteste Haus Herzogenaurachs und eine für den Angriff gerüstete Kirche in Hannberg: Das bot der Tag des offenen Denkmals.

Eine sehr gute Resonanz erfuhr eine Führung zum Tag des offenen Denkmals beim Heimatverein Herzogenaurach durch Kreisheimatpfleger Manfred Welker. Die Stadt Herzogenaurach verfügt über eine große Anzahl von Gebäuden mit Denkmalcharakter, die sich vor allem in der Innenstadt befinden. Dazu gehört das alte Rathaus am Marktplatz, mit einer ansehnlichen Fachwerkfassade. Das Schloss, entstanden aus einer mittelalterlichen Burg, ließ der Bamberger Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn umbauen. Die beiden Stadttürme an der Hauptstraße, Türmersturm und Vehnturm, begrenzten die mittelalterliche Stadt nach Westen und Osten.

Der Komplex des Spitals, nunmehr das Stadtmuseum, war eine quasi autarke Einrichtung für bedürftige Bürger der Stadt Herzogenaurach, gestiftet von Cunz Reyther aus Niederndorf. Zum Komplex gehörte auch das kleine Spital. Das Areal zwischen den zwei Gebäuden wurde als Garten oder für die Unterbringung von Kleintieren genutzt. Die Lage unweit der Stadtpfarrkirche hatte der Stifter bewußt gewählt. Ein bedeutendes Baudenkmal ist selbstverständlich die Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena, ein Bauwerk, das im 14. Jahrhundert entstand. Der Kernbau hat sich nicht verändert, die Ausstattung wurde aber dem jeweiligen Zeitgeschmack angepasst.

Schlossgrabenfest in Herzogenaurach

Ihren Endpunkt fand die Führung beim Anwesen Steinweg 5, dem ältesten, nachgewiesenen Anwesen der Stadt Herzogenaurach. Der erste Bau wurde 1447/48 errichtet und 1554/55 erweitert. Das Gebäude unweit des Schloßgebäudes diente als Wohnhaus und als Geschäftshaus. Im ersten Stock befindet sich die Bohlenstube, die gute Stube der Bewohner, vermutlich der einzige Raum, der beheizt wurde. Erhalten haben sich auch die ursprünglichen Fensterrahmungen. Möglich ist auch Blick auf die Bohlen-Balken-Decke, ein bauzeitliches Bauteil. Besichtigt werden kann im Inneren des Hauses auch ein Ausschnitt der ehemaligen Bohlenwand die mit Lehmbewurf eine Innenwand ergab. Nach der Renovierung wird das Gebäude durch den Heimatverein Herzogenaurach genutzt. In diesem Jahr konnte im Mai wieder ein Schloßgrabenfest im Garten des Anwesens abgehalten werden.

Kreisheimatpfleger Manfred Welker beim Erläutern vor dem Anwesen Steinweg 5
Kreisheimatpfleger Manfred Welker beim Erläutern vor dem Anwesen Steinweg 5 // Manfred Welker

Der Tag des offenen Denkmals bot auch Einblicke in die  Wehranlage von Hannberg. Aufgrund des regnerischen Wetters wurde die Eröffnungsveranstaltung in der Kirche abgehalten. Kreisbaumeister Thomas Lux richtete für den Landkreis Erlangen-Höchstadt das Grußwort an die Anwesenden. Heßdorfs zweite Bürgermeisterin Anja Willert würdigte die Einbettung der Kirche in das kirchliche und gesellschaftliche Leben des Seebachgrunds. Kreisheimatpfleger Manfred Welker brachte den Gästen die Geschichte der Wehrkirche von Hannberg nahe. Die eindrucksvolle Wehrkirche zu Hannberg liegt nicht zufällig in der Mitte des Seebachgrunds.

Der Anlass für den Bau dieser imposanten Wehrkirche waren die wirtschaftlichen Interessen Nürnberger Patrizier und das Schutzbedürfnis der ländlichen Bevölkerung. Die Pfarrkirche Hannberg verfügt über zwei Namenspatrone, die Geburt der seligen Jungfrau Maria und die heilige Katharina. Dieses Doppelpatrozinium verweist auf eine sehr frühe Vorgängerkirche, die der heiligen Katharina geweiht war. Die gotische Chorturmanlage ist wohl zu Beginn des 15. Jahrhunderts entstanden. Der massige Chorturm mit 8,5 Metern Seitenlänge besitzt zwei Geschosse, die mit Kaffgesims, Ecklisenen und Maßwerkfries verziert sind. Er diente im Kriegsfall als letzte Zufluchtsstätte der Verteidiger.

Wehrkirche in Hannberg: Wiederaufbau nach Blitzeinschlag

Bekrönt wird er von einem achtseitigen Helm mit (1866) erneuerten Scharwachttürmchen. In den Turm hatte gegen Mittag des 6. Januar 1865 der Blitz eingeschlagen. Auch nach dem Wiederaufbau misst er bis zu seiner obersten Spitze 52 Meter. Sein Untergeschoß bildet den eingezogenen, kreuzrippengewölbten Chor der Kirche. 1721 wurde das Kirchenschiff erweitert und teilweise barockisiert. Die barocke Westfassade ist 1721 bezeichnet und entstand mit der Langhausverlängerung. Um 1726 ist die Ausstattung anzunehmen, der barocke Hochaltar stammt von Friedrich Gehring, die Figuren wohl von Leonhard Gollwitzer aus Bamberg.

In der Mittelnische befindet sich eine spätgotische Muttergottes mit dem Jesuskind. Die Seitenaltäre sind aus dem Jahr 1727. Das Altarblatt auf dem linken Seitenaltar, die Muttergottes inmitten der 14 Nothelfer, stammt wohl von dem Herzogenauracher Pfarrer Michael Störcher (nach 1864), während das Altarbild auf dem rechten Seitenaltar, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, von Sebastian Holzner gemalt wurde.
Die Wehranlage hat eine Länge von 73,50 Metern, die Breite schwankt zwischen 50 bis 56,20 Metern. Die Mauer ist zwischen fünf und sechs Meter hoch und an der Basis rund einen Meter stark. Früher war sie an manchen Stellen höher, da zum Bau des neuen hinteren Schulhauses im Jahr 1879 Quaderschichten entfernt wurden.

Erzbischof Herwig Gössel macht Station in Hannberg

Die Mauer war nach dem Burgenforscher Joachim Zeune ehemals mit einem Wehrgang versehen, während Hans Schaub davon ausgeht, dass es keinen Wehrgang gab. Die Ost- und Nordseite sind mit runden Mauertürmen ausgestattet. Im Süden beherbergte ein rechteckiger Turm ehemals im tonnengewölbten Erdgeschoss den Karner. Darin befindet sich jetzt ein Ölberg aus der Zeit um 1500. Im ersten Stock war die Mesnerwohnung, das Dach wird von einem Dachreiter bekrönt.

Den Eingang zur Anlage bildet ein Torhaus, dessen altes, mit Eisenbändern beschlagenes Tor noch vorhanden ist. Im linken Flügel befindet sich eine kleine Schlupftür, durch die verspätete Flüchtlinge in die Wehrkirche gelangen konnten, wenn das Tor bereits geschlossen war.


Von 1997-2007 war der jetzige Bamberger Erzbischof Herwig Gössl Pfarrer in Hannberg. Er ist seiner ehemaligen Pfarrei bis auf den heutigen Tag verbunden. Sehr gut angenommen wurde auch die Führung von Thomas Willert für Interessenten, die zahlreich nach Hannberg gekommen waren.

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