Vorurteilsfrei aufeinander zuzugehen dürfte wohl die Quintessenz von „Tanz der Tiere“, dem neuesten Stück des Theaters Kuckucksheim in Heppstädt sein, das seit Jahrzehnten das Publikum zu begeistern weiß. Anne Nagel gehört seit 2018 zur treuen Fangemeinde, war mindestens 50 Mal hier im Theater. Die Gremsdorferin genießt das Puppentheater. „Ich kann mich darin verlieren“, sagt sie. „Das ist meins, was draußen passiert, ist egal.“
Theater Kuckucksheim Heppstädt: Premiere für Tanz der Tiere
Kaum tritt man durch die Gartenpforte der Hausnummer 28, befindet man sich in einem anderen, magisch anmutenden Reich. Schon öffnen sich die Türen der ehemaligen Scheune. Direkt dahinter Stefan Kügel, der Gründer des Theaters, das in der umgebauten Scheune ein liebevolles Zuhause gefunden hat. Er sitzt an der alten Registrierkasse, begrüßt die meisten Gäste mit Namen.
Eichhörnen, Fuchs und Hase in Heppstädt
Der Blick fällt auf die Bühne, wo ein echter Trabi steht und auf seinen Einsatz wartet. „Ein Auto, ein Auto“, staunt ein vielleicht fünfjähriger Bub. Es wird dunkel. Nando und Benjamin Seeberger erscheinen auf der Bühne und hauchen fellbesetzten Wesen Leben ein. Eichi, das Eichhörnchen, ist das erste Tier, das das seltsame Gefährt entdeckt und es zusammen mit Foxi, dem Fuchs, und Hasi, dem Hasen, genauer in Augenschein nimmt. „A orchinol himmelblauer Trabi mit Seidenstreifen“, staunt auch Waschi, der eindeutig fränkische Waschbär, das Quartett ist komplett.
Schon wird es Abend, die Tiere legen sich schlafen, der Wolf erscheint auf der Bildfläche. „Sie haben es entdeckt“, raunt er und keiner weiß so recht, wie er es meint. Der Wolf berichtet Manni, dem Mann im Mond, dass er den Trabi hergebracht habe. Als Überraschung für die Tiere. Eine Musikanlage habe er schon installiert.
Tiere planen Festival in Heppstädt
Vier Bassfallen fehlten noch. Eichi, der während der Nachtwache eingeschlafen ist, hört nur „Fallen“ und ist wie elektrisiert. Der Morgen erwacht und Eichi berichtet mit sich überschlagender Stimme, dass der Wolf sie verspeisen wolle. „Mit Fell und Haut.“ Als das Quartett entscheidet, aus dem Trabi eine Walddisco zu machen, erklärt Waschi: „Wir veranstalden ein Fesdiwell und alle sind eingeladen, außer dem Wolf.“
Dass Wolfi, verborgen unter der Motorhaube, alles mitangehört hatte, wissen sie nicht. In der folgenden Nacht hat Manni alle Hände voll zu tun, den enttäuschten Wolfi aufzubauen, doch so recht gelingt es ihm nicht. Am nächsten Tag stürzt sich das ängstliche Quartett auf den Wolf und setzt ihn fest. Erst jetzt, da er sich ihnen erklärt, begreifen die vier, dass sie ihn komplett falsch eingeschätzt hatten. „Ich wollte ja fragen, ob ich bei euch mitmachen darf, aber ich habe mich nicht getraut“, berichtet Wolfi traurig.
Brüder Seeberger entwickeln Idee für Theater Kuckucksheim
„Ich habe den Trabi in den Wald gebracht und gedacht, wir könnten was Cooles draus machen. Und dann war ich wieder nicht eingeladen.“ „Redet doch miteinander“, ruft Manni aufgebracht. „Ihr müsst miteinander kommunizieren. Verhaltet euch nicht wie die Menschen.“
Dass Wolfi bei der nun folgenden Party mitmachen darf, ist klar und auch beim Publikum kommt die Botschaft an. Überhaupt fanden die mit viel Liebe gestalteten Tiere großen Anklang. Wobei eine Umfrage unter den kleinsten Besuchern schnell klarmacht: Eichi ist der Liebling. Frida (4) findet toll, dass er so laut geredet hat, Mio (7) fand ihn witzig und Martha (8) hat viele Eichhörnchen im Garten, da war klar, welches Tier bei ihr das Rennen macht. Die Idee für die Story stammt von Benjamin (39) und Nando (29) Seeberger, die die Geschichte vor etwa einem Jahr geschrieben haben.
Anne Wagner-Fregin führt Regie bei Theater Kuckucksheim
Im Mai gestartet, wurde seit September geprobt. Für die Regie holten sie die Berliner Anne Wagner-Fregin und Daniel Wagner mit ins Boot, die Puppen entstanden nach ihren Vorgaben durch die fähigen Hände von Dorothee Löffler aus Erlangen. Und der Trabi? „Den haben wir von ebay-Kleinanzeigen“, berichtet Benjamin Seeberger. Um ihn ins Theater zu bekommen, wurde er in 17 Einzelteile zerlegt, modifiziert und auf der Bühne aufgebaut.
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