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Heppstädt
Stefan Kügel erhält Wolfram-von-Eschenbach-Preis
Stefan Kügel hat sich in der Szene einen Namen gemacht.
Stefan Kügel hat sich in der Szene einen Namen gemacht. // Elke Stumpf
Signet des Fränkischen Tags von Redaktion
Heppstädt – Als Stefan Kügel das Theater Kuckucksheim gründete, war sein Erfolg nicht absehbar: Dessen erste Freunde musste er sich hart erspielen. Nun freut er sich über einen Preis.

Stefan Kügel gründete vor 33 Jahren das Theater Kuckucksheim in Heppstädt. Damit hat er sich nicht nur einen Lebenstraum erfüllt: Es ist ihm auch gelungen, die Menschen mit seiner besonderen Interpretation von Stücken zu begeistern.

Der 60-Jährige vereint in seinen Stücken verschiedene Genres und kreiert somit einzigartige Bühnenkunststücke. Für diese besondere Arbeit erhielt der gebürtige Franke schon eine Vielzahl an Auszeichnungen.

Als Krönung freut sich der Künstler am heutigen Dienstag den Wolfram-von-Eschenbach-Preis 2023 – einen Kulturpreis des Bezirks Mittelfranken – zu empfangen. „Für mich ist dieser Preis sehr bedeutsam, weil es zeigt, dass wir wahrgenommen werden. Und dass diese Arbeit geschätzt wird. Besonders freut es mich, dass ich der Erste aus dem Bereich darstellende Kunst bin, der diese Auszeichnung erhält“, betont der Künstler.

Dabei hat alles 1990 klein angefangen. Damals startete er mit einem mobilen Figurentheater in der kleinen Gemeinde im Landkreis Erlangen-Höchstadt. Heppstädt, ein Ortsteil Adelsdorfs, hatte gerade mal 76 Einwohner.

Zusammenarbeit mit Künstlern aus Raum Nürnberg

So ganz zugetraut hatte man ihm damals den Erfolg nicht. Die erste Darbietung „Die Sonne und die Wende“ war ein traditionelles Handpuppenstück.

„Der Start in die Selbstständigkeit war nicht einfach“, blickt der Preisträger zurück. „Ich musste mir aus der ganzen Region Telefonbücher besorgen und habe dann Kindergärten und andere Einrichtungen abtelefoniert, um diesen mein mobiles Puppentheater vorzustellen“.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Seinen Übergang von einer handwerklichen Lehre als Schreiner zum Puppenspieler machte ein Zusammenschluss mit anderen seiner Zunft im Raum Nürnberg etwas leichter.

Sie luden Dozenten für Intensivwochen ein und ließen sich weiterbilden. Sein handwerkliches Geschick war ihm zu Beginn seiner Karriere zudem sehr nützlich.

Vergleich mit  „Augsburger Puppenkiste“

So fertigte er damals Bühnenbilder und Puppen noch in Handarbeit selbst. „So konnte ich alles gut verbinden. Es war einfach mein Weg“, verrät er.

1991 war dann ein besonderes Jahr für den heimatverbundenen Künstler. „In Erlangen feierte ich auf dem Internationalen Figurentheaterfestival Erlangen/ Nürnberg/Fürth/Schwabach mit einem neuen Stück Premiere. Das Festival war für mich eine richtige Inspirationsquelle“, erinnert er sich.

Eindrücke aus der ganzen Welt prägten den Stil von Kügel nachhaltig. Während er in den Anfängen ausschließlich Stücke als Solokünstler für Kinder aufführte, begab er sich 1993 auf Neuland und entwickelte sein erstes Erwachsenenstück: „Mondendinge“.

„Bei Puppentheater dachten die meisten an „Augsburger Puppenkiste“ oder den „Verkehrskasper“, aber nicht, dass eine solche Inszenierung auch für Erwachsene gestaltet werden kann“, blickt er auf die anfängliche Skepsis zurück.

Aus wegen feuschutzrechtlicher Gründe

Nach den Anfangsjahren mobiler Theaterkunst, die ihn im ganzen deutschsprachigen Raum herumgebracht hat, wuchs der Wunsch nach einem festen Theater. Die landwirtschaftliche Scheune auf dem Anwesen schien genau der richtige Ort zu sein.

Seine Liebe zur Heimat und Natur spiegelte sich hier deutlich wider. Er schaffte in der Scheune mit einfachen Mitteln, wie Heuballen als Sitze, ein atmosphärisches Ambiente.

Da es hier keine Heizung gab, konnte die Scheue nur in den Sommermonaten als Theaterkulisse dienen. Das Projekt vor Ort scheiterte jedoch schon nach kurzer Zeit: Stefan Kügel musste den Theaterbetrieb aus feuerschutzrechtlichen Gründen einstellen.

„Ich war total frustriert“, schildert er diese emotionale Ausnahmesituation. „Nach drei Monaten habe ich meinen ganzen Mut zusammengenommen und mich beim Landratsamt nach einem Kompromiss erkundigt. Man war zum Glück verständnisvoll und gesprächsbereit. Ich musste die Strohballen rausräumen und die Scheune etwas umbauen. Zwei ausgeschilderte Notausgänge, Toiletten und Feuerlöscher wurden für eine Wiedereröffnung zwingend vorgegeben“, berichtet Kügel.

Scheune in Heppstädt im Jahr 2000 umgebaut

Nach dem Umbau konnte der Betrieb wieder aufgenommen werden. Damit die Scheune ganzjährig genutzt werden kann, wurde sie im Jahr 2000 komplett und aufwendig umgebaut.

Stillstand war für den ambitionierten Künstler nie eine Option. Er versuchte, mit jeder neuen Produktion etwas Einzigartiges zu schaffen.

Musik spielte hier auch immer eine wichtige Rolle. Diese lässt er für jedes Stück passend und individuell komponieren.

Die Liebe zum Detail macht die Stücke so besonders. Nachdem die Erwachsenenstücke im Publikum großen Anklang gefunden hatten, war klar, dass dieses Genre ausgeweitet werden sollte.

Kooperation mit Winni Wittkopp aus Erlangen

So begann die Zusammenarbeit mit Helmut Haberkamm. Der hat die beliebten fränkischen Stücke für das Theater Kuckucksheim geschrieben − immer in enger Abstimmung mit Stefan Kügel.

Damit war der Grundstein für die Zusammenarbeit mit Erlanger Schauspieler Winni Wittkopp gelegt. Sie präsentierten dem Publikum „Spatzfritz“, „Der fränkische Jedermoo“ oder „No Woman, No Cry – Ka Weiber, ka G“schrei“.

Die Freiheit, die ihm sein eigenes Theater bot, hat er sehr zu schätzen gelernt. Er konnte das Programm frei gestalten, die Aufführungen unabhängig planen und hatte damit immer genug Freiraum für seine Familie.

Da der Franke ein totaler Familienmensch ist, freut er sich, dass zwei seiner Söhne inzwischen feste Mitglieder des Theaters sind. Benjamin Seeberger (38) seit 2010 und Nando Seeberger (28) seit 2016.

Erzengel im Krippenspiel

Kügels Kinder sind mit dem Theater aufgewachsen. Ihnen wurde die Affinität zum Theater mit in die Wiege gelegt.

Ein bisschen erinnert es ihn an seine Geschichte. Im Alter von fünf Jahren sollte Kügel beim Krippenspiel im Kindergarten den Erzengel Gabriel spielen.

Er lag aber mit hohem Fieber im Bett. „Ich bettelte so lange, bis meine Mutter mich zur Aufführung brachte und ich teilnehmen konnte“, erinnert er sich.

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