„Wie wird man TikTok-Star?“, Christian schmunzelt und dreht das Wasserglas zwischen den Händen. „Indem man anfängt, irgendwelche lustigen Videos im Internet zu produzieren, ohne sich Gedanken zu machen.“
Ein bisschen mehr steckt dann wohl doch dahinter, wie er nach rund fünf Jahren als „Skatschie“ weiß. In seinen Videos, die auf TikTok, Instagram und YouTube Millionen erreichen, stehen sich manchmal die „Stadtmuddi“ und die „Dorfmuddi“ gegenüber, an anderen Tagen ist es die „beste Freundin“, die im Mittelpunkt steht und manchmal wiederum ist es einfach nur Christian, der ganz ohne Perücke vor der Kamera Videos nachstellt, die seine Community ihm geschickt hat. Ob „Gymnastikball-Wassersprung“ oder „Leiter tanzen“: Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.
Skatschie: TikTok-Star aus Erlangen-Höchstadt
Jeden einzelnen Tag lädt Christian aus dem Landkreis Erlangen-Höchstadt ein Video auf TikTok hoch, als hätte er nie etwas anderes getan. Dabei ist alles, was er tut „learning by doing“, wie er sagt. „Hätte einer vor sechs Jahren zu mir gesagt 'schneid mal ein Video', hätte ich gefragt, wie das funktionieren soll“, erzählt er. „Ich kann Weinflaschen aufdrehen und 40 Teller tragen, aber mit Schnitt hatte ich nichts am Hut.“ Nur, dass er einmal Schauspieler werden will, vielleicht auch Comedian, das wusste er schon immer. „Ich war schon immer der Klassenclown“, sagt er grinsend.
Als er in den Anfängen der Corona-Pandemie schließlich mit den Videos anfing, habe er noch kein genaues Ziel gehabt, keine konkreten Formate. Wenn er heute seine ersten Videos anschaut, muss er selbst manchmal lachen. Auch seinen Freunden habe Christian, der seinen genauen Wohnort und den Nachnamen lieber nicht in den Medien lesen will, um die Privatsphäre seiner jungen Familie zu schützen, anfangs nichts davon erzählt. „Die ersten haben das aber bald entdeckt“, erzählt er. „Da wird man am Anfang erst einmal belächelt. Aber ich habe damals gesagt: Ich werde damit mal Geld verdienen.“
Inzwischen ist Christian seit rund drei Jahren selbstständig, hat ein Management und lebt durch wechselnde Kooperationen von seiner Arbeit als Skatschie. Auch ansonsten hat sich einiges verändert, wenn man seine Kanäle ein bisschen genauer anschaut.
Keine Scheinwelt: Skatschie ist für „Real Talk“
Zum einen ist Christian längst nicht mehr bei allen Videos allein zu sehen. Sowohl seine Frau als auch seine Kinder haben hier und dort Gastauftritte. Damit entspricht Skatschie vor allem dem Wunsch seiner Community, mehr über den Menschen hinter den lustigen Videos zu erfahren. „Ich habe gemerkt, dass immer mehr Fragen kamen, wer ich eigentlich bin, ob ich eine Freundin habe, eine Familie. Der erste Schritt war dann während der Schwangerschaft mal zu sagen hey, wir sind schwanger“, erzählt der Content Creator. „Und jetzt machen wir halt ab und zu auch mal Videos zusammen, das macht auch wirklich Spaß.“
Zum anderen finden sich zwischen all den lustigen Formaten inzwischen immer wieder ernstere Beiträge. „Ich will überhaupt nicht das Bild der perfekten Familie vorspielen“, sagt Christian. „Auch bei uns ist es chaotisch, auch ich bin einfach mal traurig, muss mal heulen, bin nicht gut drauf oder habe Tage, wo ich aufstehe und mir denke, dass das heute nichts wird.“
Diagnose Morbus Crohn: Wie Skatschie damit umgeht
Den „Real Talk“, also den offenen und ehrlichen Umgang mit seinen Followern, findet Christian besonders wichtig – auch wenn es um Themen wie seine Morbus-Crohn-Erkrankung geht. Schon während der Ausbildung wurde Christian mit der entzündlichen Darmerkrankung diagnostiziert. „Am Anfang wollte ich da auch nicht drüber sprechen, ich wollte die Leute unterhalten“, erzählt er. „Zum Jahreswechsel 2020/2021 hatte ich dann einen Schub, wo ich zwei Wochen im Krankenhaus war, komplett offline. Ich glaube, das war das erste Mal, dass ich darüber gesprochen habe. Und ich habe gemerkt, die Leute haben da richtig Bock drauf.“ Immer mehr Follower hätten ihm Nachrichten geschrieben und erzählt, dass auch sie an der Krankheit leiden oder nach Tipps zu Ernährung und Medikamenten gefragt.
„Das findet sonst ja eher oft im Verborgenen statt, man googelt ein bisschen oder fragt mal anonym und versteckt“, sagt Christian. Doch auf seinen Kanälen sei die Resonanz durchweg positiv. Inzwischen spricht er also immer wieder über seine Erkrankung, macht lustige Videos über Vorurteile oder unangenehme Situationen. „Wenn es den Leuten gut geht, gibt mir das ja auch was. Ich habe eh so ein Helfer-Syndrom“, sagt er verschmitzt lächelnd.
Bei aller Ernsthaftigkeit und „Realness“ will Christian aber trotzdem vor allem eines: Seine Follower gut unterhalten. Der Content, den er produziert, muss dazu gut überlegt sein – vor allem, weil sich die Voraussetzungen in den sozialen Medien am laufenden Band ändern. „Ein Creator muss heute schon deutlich mehr mitbringen als nur lustig oder schön zu sein“, sagt er. Außerdem sei Comedy nach wie vor die schlechtbezahlteste Nische. Trotzdem will Christian sich nicht mit stundenlanger Recherche zu Trends befassen. „Meine Formate sind relativ Trend-unabhängig. Wenn so ein Trend startet, springen da halt viele auf, um die Likes abzugreifen. Aber viel wichtiger, als zu kopieren, ist es, immer man selbst zu sein“, ist er überzeugt.
Tipp vom Profi: „Fang einfach an“
„Wie werde ich TikTok-Star?“, überlegt Skatschie am Ende des Gesprächs mit fraenkischertag.de noch einmal. „Sei du selbst, Punkt eins. Und fang einfach an, Punkt zwei. Mach das, was dir Spaß macht. Da draußen gibt es jemanden, der das feiert, was du machst. Und Punkt drei: Schau dabei nicht aufs Geld. Man muss dran bleiben, auch wenn es am Anfang eklig ist, da muss man durch und auf dem Weg dahin macht es noch keinen Spaß und man verdient noch kein Geld. Dranbleiben ist das Wichtigste.“
Für Christian hat sich das Dranbleiben gelohnt. Wie lange er von der Comedy in den sozialen Medien wird leben können? „Keine Ahnung. Ich weiß nicht, was kommt. Werde ich in zwei Jahren noch Videos machen können wie heute? Wer weiß“, gibt er zu. Doch im Moment macht er genau das, was ihm Spaß macht. „Und das ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange“, ist er sicher. „Letztes Jahr hatte ich zum Beispiel einen Stand-Up-Comedy-Auftritt in Hamburg. Und es gibt noch so viele Sachen, die bevorstehen, so viele Sachen, auf die ich Lust habe.“















