In Höchstadt hat jüngst eine Veranstaltung zum Thema Frieden und Demokratie an der Ritter-von-Spix-Mittelschule stattgefunden. Organisiert wurde sie von Schulleiterin Sonja Maria Sasse und dem Rotaryclub Höchstadt unter der Leitung von Präsident Waldemar Kurtz. Kurtz stellte Vyacheslav Slawa Awramenko vor, der über seine Erfahrungen als Frontsoldat im ukrainischen Abwehrkampf berichtete.
Awramenko sprach vor etwa 230 Schülern der 8. bis 10. Klasse über die Bedeutung der Verteidigung seines Landes und seine persönlichen Erlebnisse. Dabei schilderte er das Trauma vom 21. Januar 2023, als er bei einem Angriff in der Nähe von Bakhmut schwer verletzt wurde und sein Freund starb. Awramenko, der freiwillig an der Front kämpfte, erlitt durch die Explosion eine Gehirnerschütterung und mehrere Wunden an Beinen, Becken und Arm. Kameraden zogen ihn über den gefrorenen Boden und transportierten ihn unter extremen Bedingungen ins nächste Krankenhaus.
Seine Frau Alina aus Charkiw suchte verzweifelt nach ihm und fand ihn nach drei Tagen in Dnipro. Dort kämpfte er ums Überleben und unterzog sich mehreren Operationen. Von Dnipro wurden sie nach Lviv geschickt, wo Awramenko weitere Behandlungen erhielt. Die Frau nahm die drei Töchter mit nach Lemberg. Eine bekannte Lemberger Dirigentin, Oksana Lyniv, die in der Nähe des Krankenhauses wohnte, erlaubte ihnen, kostenlos in ihrer Wohnung zu leben.
Aus der Ukraine nach Höchstadt: Beinprothese und Reha
Im März 2023 kam die Familie nach Erlangen für eine Auslandbehandlung. Doch auf Vyacheslav und seine Familie wartete eine neue Herausforderung. Zahlreiche Wunden und Verletzungen verschlechterten seinen Allgemeinzustand, und im September 2023 wurde ihm ein Bein oberhalb des Knies amputiert. Es folgte die erste Beinprothese und ein schwieriger Weg der Rehabilitation, der bis heute andauert. Der Weg zur Rehabilitation war lang und herausfordernd. Alina berichtet: „Sechs Monate lang war mein Mann bettlägerig.“
Dank Therapeuten gelang es Awramenko, mit einer Prothese wieder das Gehen zu lernen. Er kann mittlerweile kurze Strecken laufen und seine Kinder zur Schule begleiten. Die Familie sammelt Spenden für eine moderne Prothese, die mehr als 70.000 Euro kostet. Unterstützt wird sie dabei vom Ukrainischen Treff Erlangen e.V. und engagierten Bürgern. Alina erzählt: „Trotz der vielen Probleme nehmen wir an Veranstaltungen teil und träumen von einem erfüllten Leben.“
Mittelschule in Höchstadt: Bewusstsein für Krieg in Ukraine
Schulleiterin Sasse machte den Schülerinnen und Schülern der Ritter-von-Spix-Schule die große Verantwortung bewusst, die die ganze Schulfamilie für ein friedliches Miteinander trägt. „Wir hatten das Glück, in unserem Land seit 80 Jahren in Frieden zu leben. Wir haben uns bereits so daran gewöhnt, dass uns der Frieden und die Demokratie als etwas Selbstverständliches erscheinen.“
Ob es gewalttätige Auseinandersetzungen oder ein friedliches Miteinander gebe, entscheide täglich jeder Einzelne. „Der Frieden beginnt in unseren Familien und unserem Klassenzimmer. Der Frieden beginnt im Pausenhof. Er beginnt, wenn wir es schaffen, die Meinung des anderen zu akzeptieren und zu tolerieren, auch wenn sie von unserer eigenen abweicht.“ Moderator Greif schloss die Veranstaltung, indem er die Schüler aufforderte, über das Gehörte zu sprechen und das Bewusstsein für die Leiden der Ukraine zu schärfen.












